Die Fotografen von morgen

Mediencamp: Kinder produzieren Spiele, drehen Filme und bearbeiten Fotos

Sie produzieren eigenes Videospiel: Tara Siemon (links) und Ria Herzberg.
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Foto-Workshop auf dem Witzenhäuser Marktplatz beim Mini-Mediencamp: Lukas Lucht fotografiert (von links) Workshop-Leiter Jannik Heino, Sophie Glimroth, Jakob Lentz, Jule Rudolph und Paul Straßner. 

In der zweiten Herbstferienwoche findet in der Volkshochschule in Witzenhausen ein Mini-Mediencamp statt. Wir waren vor Ort.

Witzenhausen – Finger tippen schnell über die Tastatur. Auf den Bildschirmen hüpft eine bunte Spielfigur auf und ab. In dem selbst entworfenen Computerspiel von der 13-jährigen Ria Herzberg aus Werleshausen und der 14 Jahre alten Tara Siemon aus Witzenhausen muss der Held einen übertragbaren Parasiten stoppen. „Uns war die Story sehr wichtig“, erklärt Siemon und konzentriert sich wieder auf den Bildschirm. Herzberg entwirft auf ihrem Smartphone indes einen weiteren Charakter für das Abenteuerspiel.

Gamedesign nennt sich dieser Workshop, einer von drei Angeboten des Mini-Mediencamps, das in der zweiten Herbstferienwoche in der Volkshochschule in Witzenhausen stattfindet. Veranstaltet wird das Mediencamp bereits zum sechsten Mal von der Jugendförderung Werra-Meißner-Kreis, vom Medienwerk und dem Medienzentrum in Eschwege.

Ohne Programmierkenntnisse ein Videospiel gestalten

Beim Gamedesign lernen die Jugendlichen unter der Leitung des Medienpädagogen Dirk Mempel, wie sie ohne Programmierkenntnisse ein Videospiel gestalten. „Die Ergebnisse sind letztendlich zweitrangig. Das Ziel ist, statt des passiven Konsums auch gestalterisch mit Computerspielen umzugehen. Man kann sie als ein kulturelles Medium sehen, mit dem man sich ausdrücken kann“, erklärt Mempel.

Alexander Junghans aus Eschwege bringt bereits einige Kenntnisse mit. „Das Programmieren habe ich mir mit Büchern und Videos selbst beigebracht“, sagt der 15-Jährige. „Es macht Spaß hier. Ich bin schon zum dritten Mal dabei.“ Mit seinem Kumpel Julius Habermann (15) aus Eschwege hat er ein Spiel namens „Catch up with Heinz“ erfunden. Die Spielfigur Hindernisse überwinden, während sie mit Ketchup beschossen wird.

Vom Drehbuch bis zum fertigen Film

Doch nicht nur Gamedesign wird beim Mediencamp angeboten. Einen Raum nebenan lernen die Jugendlichen alles rund um einen Filmdreh – vom Drehbuch bis zum fertigen Film. „Wir haben gelernt, mit der Kamera umzugehen und professionell zu schneiden“, berichten die Brüder Simon (15) und Joris (13) Hollstein aus Eschwege. „Und wie man mit der Tonangel umgeht“, ergänzt der zwölfjährige Ole Strube aus Eschwege. Angeleitet wird die fünfköpfige Truppe vom 19 Jahre alten Manuel Marr, Auszubildender beim Medienwerk in Eschwege.

Sie produzieren eigenes Videospiel: Tara Siemon (links) und Ria Herzberg.

Die Gruppe des letzten Workshops „Fotografie und Bildbearbeitung“ ist draußen anzutreffen, wo die Jugendlichen gerade eigene Motive fotografieren. „Die Kinder haben schon einiges an Erfahrung“, sagt Kursleiter und Medientrainer Jannik Heino. Viele fotografieren in ihrer Freizeit und bringen sogar eine eigene Kamera mit. So wie der fotografiebegeisterte Paul Straßner. „Ich habe die Kamera meiner Mutter in die Hand genommen und einfach angefangen“, erzählt der Zwölfjährige. Jule Rudolph (12) aus Eschwege ist zum ersten Mal dabei: „Ich habe gelernt, mit der Kamera umzugehen, und wie man gute Fotos schießt“, sagt sie.

Sechs stunden Bildungsprogrmam

Wegen der Coronakrise wurden für die Workshops in diesem Jahr weniger Plätze vergeben, um die Gruppen klein zu halten, erklärt Armin Bahl von der Jugendförderung. Auch die Abschlusspräsentation, die am Freitag um 18 Uhr gewesen wäre, entfällt. „Das ist schade“, findet Bahl. Dirk Rudolph vom Medienzentrum verdeutlicht: „Die Jugendlichen kommen in ihrer Freizeit jeden Tag sechs Stunden hier her und lernen sehr viel. Das ist Bildung.“

So viel Engagement und Wissensdurst muss auch gewürdigt werden, finden die beiden Organisatoren. Deshalb war ein Filmteam vom Medienwerk vor Ort, um in den Workshops zu drehen. Herauskommen soll in der kommenden Woche ein Film über das Mediencamp und die Arbeit in den Workshops. (Jessica Sippel)

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