Für den Abflug wird geübt

Elf Turmfalkenkinder wachsen im Bischhäuser Kirchturm auf

Der Turmfalkennachwuchs ist binnen weniger Wochen herangewachsen, bald dürfte er ausfliegen.
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Der Turmfalkennachwuchs ist binnen weniger Wochen herangewachsen, bald dürfte er ausfliegen.

Für Gemeindepfarrer André Lecke war es im vergangenen Jahr eine kleine Sensation: Mitte Mai entdeckte er eine Schar Turmfalkenkinder im Bischhäuser Kirchturm. Mit viel Liebe fütterte er damals das siebte Turmfalkenküken – das neben seinen Brüdern und Schwestern zu kurz kam – an, und sicherte so dessen Überleben (wir berichteten).

Bischhausen - Und auch in diesem Jahr herrscht wieder reges Treiben im steinernen Turm, denn vor rund fünf Wochen schlüpften sieben Falkenküken. Mutter und Vater Turmfalke haben seitdem rund um die Uhr zu tun, um die hungrigen Mäuler der Jungvögel zu stopfen. „Ob es sich um die identischen Elterntiere wie im letzten Jahr handelt, das ist nicht klar“, sagt der 47-Jährige. Vorstellbar sei das aber schon, denn zumindest die Mütter verblieben seines Wissens nach häufig an den gleichen Standorten.

Rettungsaktion vonnöten

Auch in diesem Jahr war wieder eine besondere Rettungsaktion vonnöten – aber gänzlich anders als gedacht. Vor einer guten Woche wurden in einem leeren Blumenkasten, der an einem Fachwerkhaus unweit des Kirchturms befestigt ist, fünf weitere Turmfalkenkinder entdeckt (siehe Foto). „Da der Kasten aber direkt unter der Straße war und eines der Tiere bereits auf die Straße gefallen war, haben wir uns aus Sicherheitsgründen dazu entschlossen, die Turmfalken umzusiedeln“, sagt Lecke. Dazu packte er alle fünf Turmfalkenkinder – der aus dem Blumenkasten gestürzte Jungvogel blieb unverletzt – kurzerhand in einen Karton und brachte sie unter den misstrauischen Blicken der beiden Elterntiere in den Kirchturm. Und der Plan ging auf: Die ausgewachsenen Turmfalken akzeptieren den neuen Standort, lediglich wenige Meter von einem weiteren Turmfalkenpaar entfernt. Aber leider ging im Falle des ersten Geleges nicht alles gut, berichtet André Lecke. Eines der Mitte Mai geborenen Küken war merklich schwächer als seine Geschwister und kam trotz Zufütterung nicht durch. „Vermutlich war der kleine Turmfalke krank, aber es war schon traurig zu sehen, wie die anderen Geschwister im Gelege über ihn stiegen“, sagt Lecke, der bereits seit 2009 in Bischhausen arbeitet.

Turmfalken sind jetzt flügge

Viel Zeit wird der 47-Jährige in diesem Jahr aber nicht mehr mit „seinen“ Turmfalken verbringen können, denn eine große Zahl von ihnen ist bereits flügge: Nach zahlreichen Übungsrunden im Inneren des Turmes fliegen sie schon auf die umliegenden Hausdächer. „Vom einen auf den anderen Tag werden alle ausgeflogen sein, genau so wie im vergangenen Jahr“, sagt Lecke. Bis zu diesem Tag wird er aber weiter den Bischhäuser Kirchturm emporsteigen, um nach dem Rechten zu sehen. Foto: PRIVAT

Turmfalken sind in Deutschland nicht gefährdet

Turmfalken sind sogenannte Kulturfolger, die gerne in vom Menschen geprägten Gebieten brüten. Früher nutzten sie laut dem Naturschutzbund „Nabu“ alte Baumhöhlen zum Nisten, heute werden diese vermehrt durch Kirchtürme oder alte Gebäude ersetzt. Der Turmfalke zählt nach dem Mäusebussard zu den häufigsten Greifvögeln in Mitteleuropa. Er ist in Deutschland nicht gefährdet.

Bekannt ist die Greifvogelart auch für seinen „Rüttelflug“, dabei steht der Turmfalke bei der Jagd oft an einer festen Stelle in der Luft, um seine Beute zu erspähen. Für die Jagd benötigt er Felder und Äcker, zur Beute zählen vor allem Kleinnager wie etwa Wühlmäuse.

Die Gefieder von Männchen und Weibchen sind unterschiedlich gefärbt, die Weibchen sind tendenziell etwas größer. Bei Männchen sind die rostbraune Oberseite mit schwarzen Rautenmustern sowie der graue Kopf und der graue Schwanz mit einer schwarzen Endbinde charakteristisch, so der Nabu. Weibchen sind eher unauffällig braun gefärbt und haben am braunroten Rücken dunkle Querbänder.

Erwachsene Turmfalken verbringen den Winter oft bei uns in Deutschland und ziehen als sogenannte „Strichvögel“ eher lokal umher – der Ort richtet sich vor allem nach dem Nahrungsangebot. (Maurice Morth)

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