„Es geht nur gemeinsam“

Waldkappel: Frank Koch im Interview über seine ersten Monate als Bürgermeister

Frank Koch ist seit Juli Bürgermeister in Waldkappel. Beim Dauerthema Feuerwehrgerätehaus Friemen habe er schon im Frühjahr ein „ungutes Gefühl“ gehabt.
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Frank Koch ist seit Juli Bürgermeister in Waldkappel. Beim Dauerthema Feuerwehrgerätehaus Friemen habe er schon im Frühjahr ein „ungutes Gefühl“ gehabt.

Im Juli übernahm Frank Koch (SPD) das Bürgermeisteramt in der Stadt Waldkappel. Wir sprachen mit dem 53-Jährigen über seine ersten sechs Monate im Amt.

Herr Koch, ein schweres Jahr ist zu Ende. 2021 birgt die Hoffnung, dass die Pandemie beendet werden kann. Doch das Coronavirus hat Folgen – auch für Waldkappel. Welche sehen Sie bereits?

Dadurch, dass Steuereinnahmen wegbrechen, wird sich der Blick auf den Haushalt 2021 etwas schwieriger gestalten. Momentan tragen wir in der Verwaltung die Zahlen zusammen. Wir könnten im Jahr 2020 noch im grünen Bereich sein, aber mein Eindruck ist, dass uns die Pandemie-Folgen in diesem neuen Jahr einholen könnten.

Könnte sich durch die Pandemie auch das Stadtbild in Waldkappel ändern?

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft beschäftigen auch Unternehmer in unserer Stadt – es bleibt abzuwarten, wie es ihnen im Lauf des Jahres 2021 ergehen wird. Allein im Hinblick auf die Gastronomie, von der es in Waldkappel nicht mehr so viel gibt, ist zu befürchten, dass Angebote wegbrechen könnten.

In der Krise müssen Politiker von Bundes- bis Kommunalebene Entscheidungen treffen, die vor einem Jahr nicht vorstellbar waren. Was waren für Sie schwere Entschlüsse?

Jede Entscheidung, die vom Bund oder Land getroffen wird, hat Auswirkungen – manchmal sind diese aber auf kommunaler Ebene nicht praktikabel und es muss nachgebessert werden. Als Beispiel fällt mir das Freibad in Waldkappel und das geforderte Hygienekonzept ein, welches durch eingeschränkte Besucherzahlen auch finanzielle Verluste mit sich brachte. Im Freibad ist auch Gastronomie angesiedelt und hier galt es eine zufriedenstellende Lösung für alle Parteien zu finden, weil der klassische Mietvertrag bei begrenzter Besucherzahl auch keinen Sinn machte.

Seit sechs Monaten sind Sie im Amt, hatten Vorerfahrung in der Politik. Was ändert sich, wenn man einen solchen Beruf hauptamtlich ausübt?

Zweifelsohne kann man weit mehr hinter die Kulissen blicken als vorher. Wenn man ehrenamtlich tätig ist, dann ist es aufgrund der Arbeit zumeist so, dass man gar nicht so den Tiefgang ins Rathaus hineinbekommt. Perfekt vorbereitet kann man beim Amtsantritt aber nie sein, dazu waren Rainer Adam und ich zu unterschiedlich. Ich setze mehr auf Teamwork und will die Entscheidungskompetenzen meiner Verwaltungsmitarbeiter fördern. Es geht nur gemeinsam.

Eines der Themen war der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Friemen. Hatten Sie erwartet, dass Sie das Thema das ganze Jahr begleiten würde?

Ich habe im Frühjahr dahingehend ein ungutes Gefühl verspürt, ja. Im Hinblick auf die Einsätze ist dieser Neubau der richtige Weg, der Standort ist gut gewählt. Da gebe ich unseren Stadtbrandinspektoren vollkommen recht. Grundsätzlich lautet aber die Frage, wie viel Zukunft ein solches Haus hat: Denn wenn wir ehrlich sind, dann gehen viele junge Leute, die keine Arbeit finden oder zum Studieren weg und kommen nicht wieder. Wir haben aktuell das Glück und den Luxus, dass sich so viele junge Menschen in Waldkappel ehrenamtlich engagieren, aber die Frage ist es auch, wie das in fünf Jahren aussieht.

Sie haben also Zweifel?

Es kann zumindest nicht zielführend sein, dass ein solch kostspieliges Projekt in fünf Jahren leer steht. Selbst wenn wir Geld im Überfluss hätten, dann wäre es schöner, könnte man es in reduzierter Form umsetzen – aber eine Neugestaltung des alten Hauses in Friemen ist aufgrund der Vorgaben durch den Denkmalschutz sehr schwierig.

Die Vorgaben durch die Prüfdienste lassen die Kosten in die Höhe klettern.

Wenn man etwas Neues baut, dann muss es allen geltenden Regularien entsprechen. Ob ein Gebäude in einer solchen Dimension eine gesunde Relation zur Realität hat, das mag ich zu bezweifeln. Ich muss fairerweise aber auch sagen, dass ich keine andere Lösung parat habe. Die Situation ist nicht zufriedenstellend für alle Beteiligten. Solchen immensen Investitionen stehe ich aber grundsätzlich kritisch gegenüber.

Die A 44 wird als Chance für Waldkappel gesehen. Was muss passieren, damit man profitiert?

Im Hinblick auf die Ausschreibung von Gewerbeflächen sind wir fast am Limit. Wir profitieren aber auch, wenn sich Firmen in unseren Nachbargemarkungen niederlassen. Unsere dringendste Aufgabe ist es, Baugebiete auszuweisen. Dieses Thema gehen wir im Januar mit einem Leerstandskataster an, und kontaktieren Besitzer von Baugrundstücken, ob sie gewillt sind, diese zu verkaufen. Wir wissen, dass in dieser Sache ein dringender Handlungsbedarf besteht.

Mit neuen Gewerbegebieten ist also nicht zu rechnen?

Es gibt noch die eine oder andere Gewerbefläche, die man erweitern könnte. Dabei sind allerdings Aspekte wie die Auszeichnung als Überschwemmungsgebiet zu beachten. Der Bereich zwischen Kernstadt und Bischhausen ist beispielsweise ein Überschwemmungsgebiet, hier hätte man eine hervorragende Anbindung an die Autobahn. Wir werden bei diesem Thema alles in die Waagschale werfen, was möglich ist.

Die Einwohnerzahl Waldkappels ist rückläufig – was braucht es, um attraktiver für Zuzug zu werden?

Bauplätze sind ein großes Thema für junge Familien. Hinzu kommt, dass wir unsere Kindertagesstätten sukzessive umstrukturieren und an die Arbeitswelt anpassen müssen. Es gilt außerdem Freizeitangebote wie das Schwimmbad zu erhalten und weitere Naherholungsmöglichkeiten wie Wander- und Fahrradwege zu erweitern.

Wenn Sie einen Wunsch für das Jahr 2021 frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

An erster Stelle sollen die Bürger gesund bleiben und die Pandemie soll uns nicht mehr so zu schaffen machen. Es gibt mit dem Impfstoff einen Lichtblick. Wir schauen auf eine nie da gewesene Herausforderung, dürfen aber nicht den Blick in die Zukunft verlieren und müssen Lehren aus der Krise ziehen. Denn genau solche Krisen fördern auch den Mut und die Kreativität für etwas Neues. (Maurice Morth)

Zur Person

Frank Koch (53) war vor seinem Amtsantritt als Bürgermeister der Stadt Waldkappel im Juli 2020 fast 20 Jahre Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat aktiv. Unter anderem war er Erster Stadtrat, also Vertreter des Bürgermeisters. Vor seiner Zeit als Verwaltungschef arbeitete der aus Waldkappel stammende Koch 30 Jahre als Bankkaufmann und Betriebswirt bei der Evangelischen Bank in Kassel. Mit seiner Ehefrau und seinem Sohn wohnt der 53-Jährige im Waldkappeler Stadtteil Harmuthsachsen. 

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