Werben der SPD um parteilose Bürgermeister im Kreis

Fraktionen reagieren mit Unverständnis auf Knut Johns Aussagen 

Knut John
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Knut John

Werra-Meißner – Mit Empörung und Unverständnis haben verschiedene Parteien und Fraktionen auf das am Montag in der Werra-Rundschau erschienene Interview mit dem Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden des SPD-Unterbezirks, Knut John, reagiert.

Dort hatte sich John zum Werben der SPD um parteilose Bürgermeister im Kreis für ihre Kreistagswahlliste für die kommenden Kommunalwahlen im Frühjahr 2021 geäußert.

Unter anderen hatte John in dem Gespräch dementiert, dass Landrat Stefan Reuß persönlich einzelne Bürgermeister auf eine Kandidatur für die Kreistagsliste der SPD angesprochen habe. Diese Tatsache aber hatten einzelne Bürgermeister gegenüber unserer Zeitung zuvor bestätigten. Die Initiative hingegen sei vom Vorstand des SPD-Unterbezirkes ausgegangen, so John, unter anderem von ihm selbst und Karina Fissmann.

Persönliche Ansprache durch den Landrat

Andreas HölzelFWG-Kreistagsfraktion

„Ich weiß mit verbindlicher Sicherheit, dass zwei meiner Fraktionskollegen mit Finn Thomsen und Daniel Herz (die parteilosen Bürgermeister von Großalmerode und Witzenhausen) direkten Kontakt hatten, in diesem auch das bestätigt wurde, dass der Landrat auf sie zugegangen wäre. Im Fall von Finn Thomsen waren es der Landrat und der SPD-Ortsverein“, so der Sprecher der FWG-Fraktion im Kreistag, Andreas Hölzel. Dass Reuß ihn persönlich angesprochen habe, bestätigte Thomsen wiederholt auf Anfrage.

„Wenn Knut John behauptet, dass Landrat Reuß nicht persönlich bei den Bürgermeistern für die SPD-Liste geworben habe, ist das definitiv gelogen“, sagt Hölzel.

Dass John ihn und die FWG in dem Interview als kaum zu überbieten an „Frechheit und Niveaulosigkeit“ beschimpft habe, zeige „welcher Geist bei der SPD“ herrsche.

Eine Frage der Redlichkeit

Uwe BrückmannCDU-Kreistagsfraktion

Auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Kreistag, Uwe Brückmann, sagte als Reaktion auf Johns Aussage: „Wenn der Landrat die Bürgermeister angesprochen hat, dann kann er auch dazu stehen.“ Da gehöre zur Redlichkeit in der Politik, so Brückmann.

Die FDP äußert sich moderater. Die Diskussion um Bürgermeister und Kreistag gehe am Thema vorbei. „Es ist unwichtig, welches Parteibuch der Bürgermeister hat und auf welcher Liste er steht.“ Entscheidend seien die Interessenkonflikte, denen ein Bürgermeister im Kreistag unterliege.

„Deshalb sollten die Bürgermeister freiwillig darauf verzichten, ein Mandat im Kreistag anzustreben“, heißt es in einer Erklärung der FDP-Kreistagsfraktion.

Stefan Reuß meldet sich zu Wort 

Stefan ReußLandrat Werra-Meißner

Unterdessen hat sich auch Landrat Stefan Reuß auf Anfrage der Werra-Rundschau erstmals zu Wort gemeldet. Er sei „sehr verwundert“ über die Diskussion.

 „Mit den Kollegen Thomsen und Herz gab es am Rande der 20-Jahr-Feier der Kindertagespflege im Werra-Meißner-Kreis am 18. August 2018 ein lockeres Gespräch darüber, wie man als parteiloser Bürgermeister in den Kreistag kommen könnte. Dabei wurde auch die Möglichkeit für Parteilose, auf bestehenden Listen zu kandidieren, erwähnt. Eine offizielle Ansprache von mir für die SPD hat nicht stattgefunden. Dieses kollegiale Gespräch war alles, weitere Gespräche habe ich nicht geführt, was die Kollegen sicher auch bestätigen werden.“ 

Quelle: Werra-Rundschau

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