Ermordet von Angehörigen der Reichswehr

Er kämpfte für den Frieden: Gedenkveranstaltung zum 100. Todestag des Pazifisten Hans Paasche

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Der Bremer Historiker Helmut Donat kniet am geschmückten Grabstein von Hans Paasche.

Am 21. Mai 1920 wurde Hans Paasche, ein bekannter Naturschützer, Buchautor, Pazifist und Mitbegründer des berühmten Meißner-Treffens, vor den Augen seiner Kinder ungestraft von Angehörigen der Reichswehr ermordet.

Anlässlich seines 100. Todestages trafen sich am Donnerstag rund 50 Menschen an seiner Gedenkstätte am Fuße der Burg Ludwigstein, um die Erinnerung an Paasche lebendig zu halten.

„Das Schicksal von Hans Paasche ist vergleichbar mit dem des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der vor einem knappen Jahr ebenfalls von Rechtsgesinnten ermordet wurde“, sagte Organisator Geert Platner zu Beginn der Gedenkstunde und zog so eine Parallele zwischen den Geschehnissen von 1920 und der Gegenwart. Aus diesem Grund sei es so wichtig, sich Paasche als mahnendes Beispiel ins Gedächtnis zu rufen.

Tod mit 39 Jahren 

Der Bremer Historiker und Buchautor Helmut Donat beschrieb das Leben und Wirken Pasches, der ein großer Kritiker der damaligen Kolonialpolitik war und der nur 39 Jahre alt wurde. „Dieser Mann hatte so viele Begabungen und Talente, so viel Gedankenreichtum, Entschlusskraft und die Fähigkeit zur Selbstkritik“, so Donut. Für ihn sei Hans Paasche „ eine der bedeutendsten Gestalten der jüngeren deutschen Geschichte und meine Faszination für sein Denken und Handeln wird bis an mein Lebensende fortdauern“. Dr. Jürgen Reulecke, Vorsitzender der Stiftung Dokumentation der Jugendbewegung, erinnerte an Paasches Tochter Helge, die 2011 im Alter von 95 Jahren starb und die den Grabstein ihres Vaters seinerzeit vom Gut Waldfrieden, wo er von der Reichswehr ermordet wurde, zur Burg Ludwigstein hatte bringen und dort auch eine Linde hatte pflanzen lassen.

100. Todestag

„Der 100. Todestag von Hans Paasche ist ein wichtiger Grund, sich zu erinnern und deutlich zu machen, was aktuell wieder in unserem Land passiert.“

Mit diesen Worten zog auch Landrat Stefan Reuß Parallelen zum Mord an Walter Lübcke vor knapp einem Jahr. „Wir müssen den Mut haben, uns der Entwicklung entgegenzustellen, gegen Rechts aufzustehen und wir müssen aufpassen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt“, mahnte Reuß. Gleichzeitig sei die Gedenkveranstaltung ein wichtiges Zeichen für den Erhalt der Jugendburg Ludwigstein, „die dafür definitiv alle nur mögliche Unterstützung“ verdiene.

Quelle: Werra-Rundschau

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