Behörde verhängt Leinenzwang

Hund terrorisiert Revier: Mehrere Tiere angegriffen - Jack-Russel totgebissen

Ein Jagdhund
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Sieht lieb aus, kann aber auch anders: Der Jagdhund Deutsch Drahthaar hat einen ausgeprägten Jagdtrieb. Der von einem Eschweger geführte Hund der Rasse hat mehrfach andere Hunde angegriffen und einen getötet. (Symbolbild)

Ein Jagdhund in Eschwege verbreitet Angst im Revier. Er soll bereits einen Hund totgebissen und weitere Tiere mehrfach angegriffen haben. Gegend den Halter wird ermittelt.

  • Ein Hund in Eschwege beißt mehrfach um sich.
  • Gegen den Halter wird bereits ermittelt.
  • Der Jagdhund soll auch seinen Halter gebissen haben.

Eschwege – Ein totgebissener Jack-Russell-Hund, ein gebissener Mischlingshund und eine verängstigte Hundehalterin, die nur noch mit Pfefferspray und Handy im Anschlag mit ihrem Hund Gassi auf den Wiesen und Feldern bei Niederhone geht – verantwortlich für diese Bilanz ist ein Jagdhund, der offenbar zu leicht außer Kontrolle gerät und für dicke Luft in Niederhone sorgt.

Gegen den Halter des Jagdhundes aus Eschwege liegen seit Juli mindestens zwei Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft in Kassel vor, ein dritter Vorfall, der sich erst kürzlich ereignet haben soll, wurde offenbar bisher nicht angezeigt. Gegen den Halter Klaus M. (Name von der Redaktion geändert) hat das städtische Ordnungsamt verfügt, seine Hunde nur noch an der Leine führen zu dürfen. Das bestätigte der Halter auf Anfrage unserer Zeitung, gab aber an, dass er dagegen bereits Widerspruch eingelegt habe. Die Polizei hatte die Behörde über den Vorfall, bei dem der Jack-Russell-Terrier am 16.09.2020 von dem Jagdhund totgebissen worden war, informiert.

Aggressiver Hund beißt um sich: Auch seinen Halter soll er gebissen haben

Auch der Jagdpächter des Revieres Niederhone, Georg Bierschenk, in dessen Revier auch M. zur Jagd geht, bestätigt, dass er M. inzwischen untersagt habe, den Hund in seinem Revier ohne Leine laufen zu lassen. „Ich habe ihm gesagt, dass er seinen Hund laufen lassen kann, wo er will, aber nicht in meinem Revier“, so der Jagdpächter, der berichtet, dass der Hund auch seinen Halter M. bereits gebissen habe.

Rainer Stelzner, Vorsitzender des Eschweger Jagdvereins Hubertus, sagt, dass er M. schon häufiger aufgefordert habe, das Tier abzuschaffen, weil der Hund „zu scharf“ sei und M. damit dem Ruf der gesamten Jägerschaft schade. „Das ist ein Einzelfall, hinter dem die Jägerschaft auf gar keinen Fall steht. “

Hund beißt um sich: Halter droht Frau

Den ersten Vorfall, der sich Ende Juli bei Niederhone ereignete, schildert die betroffene Hundehalterin so: Mit ihrer Cockerspanielhündin und einem Australian Shepherd sei sie auf einem Feldweg bei Niederhone unterwegs gewesen, als sich das Auto von M. näherte. Neben diesem lief der Deutsch Drahthaar. Der sei angaloppiert gekommen und habe sich auf ihre beiden Hunde gestürzt. Als die Frau den Halter anrief und aufforderte, seinen Hund zurückzurufen, habe der dies zwar getan, der Hund habe aber nicht gefolgt. Erst später nahm M. ihn am Halsband. Es sei zu einem Schlagabtausch zwischen der Frau und M. gekommen.

Dabei habe M. mit Blick auf seinen kläffenden Jagdhund gedroht: „Soll ich ihn loslassen?“ Sie habe sich dann mit ihren Tieren entfernt, M. habe aber am anderen Ende des Feldes mit seinem Auto auf sie gewartet, habe sich dann plötzlich entfernt, als er eine zufällige Passantin bemerkte. Die erfolgte Anzeige der Hundehalterin lautet auf „versuchte schwere Körperverletzung und Nötigung.“

Am 16.09.2020 ging ein Paar mit seinem Jack-Russell-Terrier an gleicher Stelle spazieren und traf auf M., der dort mit seinem Auto auf dem Feldweg unterwegs war. Sein Jagdhund sprang von der Ladefläche und tötet den Terrier. „So traurig das ist, es war ein Unfall“, sagt M. auf Anfrage unserer Zeitung. Außerdem sei der Hund erst 45 Minuten nach dem Angriff verendet, weil die Besitzer ihn „nicht ordnungsgemäß versorgt“ hätten. Die Behauptungen der Hundebesitzerin über den Vorfall im Juli hingegen seien frei erfunden, er habe einen Anwalt eingeschaltet und kündigte an: „Das hat ein Nachspiel“.

Nach Hunde-Angriff: Halter wehrt sich gegen Vorwürfe

„Wenn mein Hund angegriffen oder angebellt wird, verteidigt er sich. Dafür ist er ausgebildet“, sagt M., der bis vor zwei Jahren die Hundesparte des Jagdvereins Hubertus leitete. Als Jäger falle sein Hund auch nicht unter die Gefahrenabwehrverordnung. „Er kläfft niemanden an und greift keine Menschen an.“ (Stefanie Salzmann)

Gefahrenabwehrordnung von Hunden

In Eschwege und Meinhard gilt außerhalb der Ortslagen Leinenpflicht für Hunde, wenn es zu einer Begegnung mit Personen und anderen Tieren kommt. Von der Gefahrenabwehrverordnung ausgenommen sind Dienst- und Rettungshunde sowie ausgebildete Blindenhunde.

Eine weitere Ausnahme sind Jagdhunde bei ihrem bestimmungsgemäßen Einsatz, heißt es in der hessischen Gefahrenabwehrverordnung. Bei Inhabern eines Jagdscheines wird hier „Zuverlässigkeit“ als Hundehalter als gegeben vorausgesetzt.

Das Eschweger Ordnungsamt bestätigte auf Anfrage, dass die Anzeige vom 16.09.2020 eingegangen sei und dass die Behörde Maßnahmen eingeleitet habe, so die Sprecherin der Stadt, Scarlett Grebestein. Details nannte die Stadt aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht. Grundsätzlich sei bei Beißvorfällen nach der hessischen Hunde-Verordnung eine Untersuchung einzuleiten. Bei diesem Vorgang werde geprüft, ob der Hund ohne begründeten Anlass zugebissen hat.

Wenn dies der Fall ist, werde der Hund gemäß der Verordnung als gefährlich eingestuft. Um einen gefährlichen Hund zu halten, brauche der Halter eine behördliche Erlaubnis, die Sachkundeprüfung, Führungszeugnis des Halters sowie einen Wesenstest des Tieres voraussetze.

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