Kein Hundeleben mit den Bären

Im Bergwildpark Meißner leben Waschbären und Marderhunde zusammen

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Der Marderhund ähnelt einem Waschbär, er zeichnet sich aber durch eine schmalere Kopfform aus.

Es sieht ein wenig aus wie in einer Westernstadt – das Gehege der Marderhunde und Waschbären im Bergwildpark Meißner ist mit Holzrädern und wuchtigen Eichenfässern eingerichtet.

„Wir gestalten das Gehege immer wieder um“, erklärt Tierpfleger Wilfried Eberhardt. So gibt es für die neugierigen Waschbären und Marderhunde stets etwas Neues zu entdecken.

Gerade untersucht einer der im Bergwildpark lebenden Marderhunde ein Rohrstück, das die Tierpfleger in der Mitte des Geheges aufgebaut haben.

Waschbären sind zutraulicher als die Marderhunde

Als Pfleger Wilfried Eberhardt das Reich der jungen und alteingesessenen sogenannten Hundeartigen betritt, nimmt der gerade noch so umtriebige Marderhund Reißaus. „Die Waschbären sind zutraulicher als die Marderhunde und lassen sich auch mal anfassen“, beschreibt Wilfried Eberhardt die kleine Wohngemeinschaft. Fünf Waschbären und zwei Marderhunde teilen sich das Gehege. In der inklusiven WG wohnen Halbblinde, Findelkinder und Senioren zusammen. „Der Waschbär dort oben auf dem Brett ist auch gefunden worden“, berichtet der Tierpfleger und deutet auf ein besonders zutrauliches Tier, dass sich auf dem Kletterbaum ausruht. Der Waschbär bleibt trotz der kleinen Vorstellungsrunde ungerührt auf seinem Aussichtsplatz liegen.

Momentan nimmt der Bergwildpark allerdings keine Tiere mehr auf. „Wir sind keine Auffangstation“, betont der Tierpfleger.

Gerade sind die Pfleger mit dem Ernährungsplan der sieben Gehegebewohner voll beschäftigt – denn die sind wählerisch. „Eigentlich sind die Waschbären Omnivoren, aber weil es hier ein so großes Nahrungsangebot gibt, fressen sie nicht alles“, klärt Wilfried Eberhardt auf.

Reichhaltiger Speiseplan 

Wegen des reichhaltigen Speiseplans im Bergwildpark vernachlässigen die Waschbären die toten Futterküken und überlassen diese lieber den Marderhunden. Obst und Walnüsse teilen die Waschbären jedoch nur ungern mit ihren Mitbewohnern. Beide Tierarten bekommen außerdem Trauben und Hundefutter zu fressen, so der Tierpfleger.

Lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: Das ehemalige Findelkind ist heute ein gut genährter Waschbär, der auf dem Kletterbaum die Sommerhitze aussitzt. 

Ursprünglich kommen die WG-Bewohner aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt und wären einander, ohne den Einfluss des Menschen, wohl nie begegnet. Während der Waschbär in den 30er-Jahren aus Nordamerika nach Europa kam, wurde der Marderhund aus Sibirien in den 60er-Jahren in Deutschland heimisch. Im Bergwildpark Meißner führen die russischen und amerikanischen Immigranten seit einigen Jahren ein friedliches Zusammenleben.

Für die richtige Unterkunft der Pelzträger hat der Förderverein des Parks gesorgt, und der musste dabei kreativ werden. „Die Steine sind beim Neubau einer Autobahnbrücke für uns abgefallen“, sagt Harald Zindel, Vorsitzender des Bergwildpark-Fördervereins, und klopft auf die Mauer des Geheges. Weil die Mittel der Förderer begrenzt sind, nutzen die freiwilligen Helfer jede Futter- und Baumaterialspende, um den Tierpark zu versorgen. „Letztes Jahr ist ein Lkw, der mit Vogelfutter beladen war, umgekippt, und da haben wir richtig viel für die Tiere bekommen“, sagt Harald Zindel und freut sich bei der Erinnerung an die unverhoffte Unterstützung gleich ein zweites Mal.

Nüsse und kühle Mauernischen 

Auch die Waschbären und Marderhunde sind mit den Spenden zufrieden und sitzen Nüsse knabbernd in den kühlen Mauernischen der ehemaligen Autobahnbrücke.

Von Kim Hornickel 

Quelle: Werra-Rundschau

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