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Kultur am Walde: „Sind ein bisschen hungrig“

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Von: Stefanie Salzmann

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Der Auftakt der Reihe „Kultur am Walde“ auf der Waldkappler Waldbühne vor einigen Wochen.
Der Auftakt der Reihe „Kultur am Walde“ auf der Waldkappler Waldbühne vor einigen Wochen. © Ellen Schubert

Initiative „Kultur am Walde“ probt den Spagat zwischen Stadt und Land.

Waldkappel – Die ländliche Bratwurst mit der städtischen Weißweinschorle verbinden – einfach und bildhaft formuliert ist es das, was die Waldkappel Initiative „Kultur am Walde“ im Sinn hat. Dabei geht es zwar auch um Essen und Trinken, aber eher als kulturelle Randnotiz. Denn vor allem wollen die Gründer Maximilian Balken, Sophie Althoff und Lea Berzan Kultur auf das Land bringen. „Wir wollen beides zusammenbringen, weil das eine das andere nicht ausschließt, sondern Hand in Hand gehen kann“, sagt Balken.

Zwei außerordentlich erfolgreiche Coups sind ihnen in jüngster Vergangenheit bereits gelungen: die „Matinee mit Sekte und Kaffee“ auf der Waldbühne in Waldkappel und das Konzert des Kassler Sven-Krug-Sextetts im Alten Amtsgericht in Bischhausen. Auf beiden Veranstaltungen ließ sich ein durchaus gemischtes Publikum ohne weiteres Zutun der Veranstalter begeistert mitreißen.

„Die Idee zur ,Kultur am Walde‘ entstand eigentlich während der Corona-Zeit“, erzählt Balken, der in Waldkappel aufgewachsen ist. Er und die beiden Frauen, die eher aus dem städtischen Milieu kommen, wollten sehen, „ob man hier nicht was machen kann“, sagt der 32-Jährige. Als Landmensch liebt Balken Fußballplätze ebenso wie Kirmeszelte. „Aber es gibt eben auch noch eine andere Facette von Kultur und danach sind wir eben auch ein bisschen hungrig“, sagt er. „Wir müssen aus den Schwächen Stärken machen.“

Der Sozialpädagoge, der in Kassel studiert hat, zählt auch eine ganze Reihe Künstler und Musiker zu seinen Freunden, darunter den Kassler Jazzer Sven Krug. So kam auch das Konzert in Bischhausen zustande.

Mit der Kultur am Walde wollen die Akteure mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Wir möchten den Künstlern gern bessere Gagen zahlen, damit sie kommen und daran Gefallen finden, und dafür hier auf dem Land wenig Eintritt nehmen“, sagt er. Denn Tatsache ist, dass vor allem in den Städten auch hochkarätige Künstler nicht selten vor einer Handvoll Leuten auftreten. „Und wir haben hier Bühnen und Bürgerhäuser“, die wir nutzen können.“

Auch ein bisschen Bildungsauftrag sei bei der Idee der Kulturinitiative dabei: „Wenn man Menschen kulturell bildet und zusammenbringt, gibt es auch weniger Nazis“, sagt er. Die Leute auf dem Land würden sich durchaus auch für andere Sparten der Kultur interessieren. „Und hier schlummern viele unentdeckte Talente und Begabungen.“

Um die im vorigen Herbst geborene Idee der „Kultur am Walde“ zu finanzieren, hat Balken einen Förderantrag beim Verein Literarisches Colloquium Berlin aus dem Programm „Und seitab liegt die Stadt“ gestellt und tatsächlich für die Stadt Waldkappel 5500 Euro Förderung für dieses Jahr bekommen. 600 Euro hat die Stadt selbst dazugegeben.

Die nächste Veranstaltung aus der Reihe „Kultur am Walde“ findet bereits am kommenden Freitag, 1. Juli, ab 15 Uhr auf der Waldbühne Waldkappel mit einer Schreibwerkstatt der Schriftstellerin Safiye Can aus Offenbach statt. Sie wird nicht nur lesen, sondern mit den Besuchern auch etwas schaffen, im Anschluss machen Sven Krug und Axel Gabelmann Musik. „Jeder kann kommen“, lädt Balken ein.

Am 23. Juli folgt dann schon die diesjährige Abschlussveranstaltung, bei der nicht nur die Schülerband „Clefs“ und „Psycho and Skarfunkel“ auftreten, sondern auch die Stammtischsänger Waldkappel. „Das hat dann schon fast von Wacken“, freut sich Balken.

Kultur eine Bühne geben: Mitgründer von „Kultur am Walde“, Maximilian Balken.
Kultur eine Bühne geben: Mitgründer von „Kultur am Walde“, Maximilian Balken. © STEFANIE SALZMANN

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