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Hessen: Landwirt filmt erstmals, wie ein Wolf tagsüber Beute macht

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Von: Stefanie Salzmann

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Rissgutachter Gerhard Scholz schaut sich das Reh an, das der Wolf im Werra-Meißner-Kreis gerissen hat.
Rissgutachter Gerhard Scholz schaut sich das Reh an, das der Wolf im Werra-Meißner-Kreis gerissen hat. © Carl-Heinz Eberth

Ein Wolf sorgt in Waldkappel-Schemmern (Werra-Meißner-Kreis) für Aufregung. Der Wolf kehrt am hellichten Tag zu seiner Beute zurück. Ein Video zeigt das Schauspiel.

Schemmern – Vor den Augen des Landwirtes Andreas Heerich hat der Wolf in Ruhe gefressen. Heerich war am Vormittag gegen 11 Uhr zum Gülleausfahren unterwegs, als er den Wolf entdeckte und geistesgegenwärtig ein etwa halbminütiges Video von dem Tier drehte.

Dabei ließ sich der Wolf von dem Bauern, der mit laufendem Motor auf seinem Schlepper saß, nicht stören. Kurze Zeit später verschleppt der Wolf den Kadaver 400 Meter weit weg. „Ich hab noch gesehen, wie der Wolf das Reh gepackt hat und wegtrug“, erzählt Heerich. Als der Landwirt nach fünf Minuten mit seinem Schlepper zurückkehrte, war von Wolf und Reh nichts mehr zu sehen.

Waldkappel-Schemmern: Wolf erlegt Reh – und wird beobachtet

Entdeckt hatte das gerissene Reh am Morgen der Jäger Carl-Heinz Eberth, weil sich an einer Stelle nahe des Sägewerkes bei Schemmern Raben und Krähen gesammelt hatten. „Der Riss war ganz frisch“, sagt er. Er selbst war nah an dem Kadaver und hatte Fotos gemacht und anschließend den Wolfsrissgutachter Gerhard Scholz von Hessen Forst informiert.

Doch bis Scholz am Fundort eintraf, hatte der Wolf, der sich nach Ansicht Eberths währenddessen in unmittelbarer Nähe aufgehalten haben musste, das Reh auf einen gut 400 Meter entfernten Acker verschleppt. „Es war praktisch keine Schleifspur zu sehen. Das heißt, dass der Wolf den Kadaver komplett getragen hat“, sagt Scholz. Zwischen den beiden Fundorten liegt ein Asphaltweg, ein Bach, Gestrüpp und eine sehr steile Böschung. „Das war auf jeden Fall ein sehr starker Wolf.“ Denn der Kadaver habe am ersten Fundort mindestens noch sieben bis acht Kilo gewogen. Am zweiten Fundort, wo Scholz dann auch seine Proben nehmen konnte, fehlten dem Reh dann bereits die Keulen. Sowohl der Sachverhalt, dass der Wolf zurückkehrt, als auch die Uhrzeit und seine mangelnde Scheu seien „beeindruckend“, so Scholz. „Da war ich wirklich platt“, sagt der erfahrene Rissgutachter.

Noch am Montagabend gegen 21 Uhr taucht der Wolf erneut bei dem Reh-Kadaver auf. Eine Wildkamera, die dort kurzfristig installiert wurde, erfasst das Tier.

Dritter Anlauf: Am Montagabend wird der Wolf im Werra-Meißner-Kreis erneut an dem Kadaver von einer Wildkamera gesichtet.
Dritter Anlauf: Am Montagabend wird der Wolf im Werra-Meißner-Kreis erneut an dem Kadaver von einer Wildkamera gesichtet. © Eberth

Waldkappeln-Schemmern (Werra-Meißner-Kreis): Bereits früher Risse von Wölfen gefunden

Spannend werde jetzt, so Scholz, das Ergebnis der DNA-Analyse durch das Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Denn seit über einem Jahr sind in der Gegend zwar immer wieder Risse gefunden worden, doch an keinem konnte die Stölzinger Wölfin, die dort als resident gilt, eindeutig nachgewiesen werden.

Bereits am 7. März dieses Jahres war bei Großalmerode ein Wolf nach seinem Angriff auf ein neugeborenes Kalb zum Ort des Risses zurückgekehrt. An diesem Morgen gegen neun Uhr hatte der Halter einer Mutterkuhherde auf seiner Weide die Reste eines neugeborenen Kälbchens gefunden. Nach seinen Schilderungen sei die Herde unruhig gewesen, auf der Wiese waren Kampfspuren zu erkennen. Der Riss war beprobt worden. Am selben Abend gegen 19 Uhr war der Landwirt zu der Weide zurückgekehrt, um dort zu wachen. Um 20.30 Uhr schließlich konnte er einen starken Wolf beobachten, der erneut in die Herde eindrang und sich zügig in Richtung des früheren Fundortes des Kalbskadavers bewegte. Dem Landwirt gelang es, den Wolf aus der Herde zu vertreiben. Ein Wolfsnachweis konnte laut DNA-Analyse nicht erbracht werden.

Sind mehrere Wölfe in der Nähe des Werra-Meißner-Kreises unterwegs?

Am Dienstagmorgen entdeckte der Schäfer Anton Göbel unweit des Vorfalls vom Montag bei Herlefeld (Hersfeld-Rotenburg) den gerissenen Kadaver einer starken Hirschkuh. Laut dem Infonetzwerk Wolf entspräche das Fraßbild dem der Stölzinger Wölfin. Die Fraßmenge lasse allerdings auf mehrere beteiligte Wölfe schließen. Auch in diesem Fall wurden Proben für eine DNA-Analyse durch einen Gutachter genommen. (Stefanie Salzmann)

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