Familien können wieder etwas durchatmen

Nach Corona-Zwangspause: Werraland-Familiendienst darf Eltern von beeinträchtigten Kindern wieder helfen

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Beate Blumenstein, Leiterin der Werraland Ambulante Dienste (WEADI).

Schwere Wochen liegen hinter dem Familiendienst der Ambulanten Dienste von Werraland (WEADI). „Schwere Wochen vor allem für viele Familien mit beeinträchtigten Angehörigen“, sagt Beate Blumenstein, Leiterin der WEADI.

Denn wie wichtig Hilfe und Unterstützung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung sind, zeigte sich in der durch die Corona-Pandemie bedingten Zwangspause.

Viele Eltern stoßen an Grenzen 

Auf Anordnung der Hessischen Regierung war die Gruppen- und Einzelbetreuung durch den Familiendienst seit dem 16. März untersagt. „Wir erledigten zwar noch Einkäufe, Apothekengänge und die Abholung von Rezepten, mussten aber alles vor der Haustür ablegen“, sagt Beate Blumenstein. Um die Betreuung der Menschen, um die es eigentlich geht, durften sich die Mitarbeiter der WEADI nicht mehr kümmern.

„Viele Eltern sind ohne unsere entlastende Unterstützung an ihre Grenzen gestoßen. In einigen Familien hat es lichterloh gebrannt, wenn man das so sagen darf“, sagt Beate Blumenstein. Sie und ihre Mitarbeiter hielten mit Videotelefonie, Videokonferenzen und per E-Mail ständig Kontakt zu den betroffenen Familien „Wir haben auf diesem Weg versucht, so gut es eben geht zu helfen“, sagt Beate Blumenstein.

Unterstützung vor Ort 

Um persönlich vor Ort in den Familien zu unterstützten, waren der WEADI aber die Hände gebunden. Auch das Jugendamt des Kreises, mit dem man gut und eng zusammenarbeitet, konnte nicht helfen, denn die Verordnungen erlässt, wie für alle anderen Bereiche auch, die Hessische Regierung. „Wir haben uns mit mehreren Schreiben direkt nach Wiesbaden gewandt und die dramatische Lage in manchen Familien geschildert“, sagt Beate Blumenstein.

Für Eltern mit nicht-beeinträchtigten Kindern seien die Wochen ohne Schule und Kita bereits fordernd gewesen und sind es noch. Für Eltern von beeinträchtigten Kindern sei diese Zeit aber noch mal extremer.

Fürsprecher in Wiesbaden

In dem Landtagsabgeordneten Knut John habe man einen Fürsprecher in Wiesbaden gefunden, der sich sehr eingesetzt habe. „Zwischendurch wurde uns für kurze Zeit die Einzelbetreuung genehmigt, dann wieder untersagt“, so die WEADI-Leiterin. Seit dem 25. Mai ist sie jetzt wieder erlaubt. Dadurch können einige Familien etwas durchatmen, wenn die Fachkräfte jetzt wieder stunden- oder tageweise die Begleitung und Assistenz ihrer Kinder übernehmen dürfen.

„Es war über Wochen ein Spagat für uns. Auf der einen Seite hatten wir Verständnis für das Verbot, denn wo Kontakte minimiert werden, wird der Schutz für Kunden und Mitarbeiter vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus vergrößert. Und auf der anderen Seite riefen uns verzweifelte Eltern an, die sich mit ihren Kindern in einer echten Krisensituation befanden und nicht mehr ein noch aus wussten“, sagt Beate Blumenstein.

Quelle: Werra-Rundschau

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