Über 100 Flüchtlinge dürfen Gemeinschaftsunterkunft verlassen

Quarantäne heute beendet

Ein Junge spielt zusammen mit anderen Kindern mit Migrationshintergrund Hüpfekästchen in der Flüchtlingsunterkunft von Julphar in der Streesemannstraße in Eschwege
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Lagerkoller entgegenwirken: Eine Erzieherin, die in der Flüchtlingsunterkunft wohnt, hat die Kinder jeden Tag betreut.

Mit dem heutigen Tag endet die Quarantäne für insgesamt über 100 Menschen aus der Flüchtlingsunterkunft in Eschwege. Alle abschließenden Tests waren zuletzt negativ, teilt der Werra-Meißner-Kreis mit.

Die Bewohner waren in dieser Zeit im Jugendlager Reichenbach und in der Flüchtlingsunterkunft bei Julphar selbst untergebracht. Eine schwierige Zeit geht für die Bewohner zu Ende.

Hohe Bauzäune und Sicherheitspersonal vor den Ein- und Ausgängen: Derzeit leben dort elf Familien mit insgesamt 27 Kindern. Sie kommen aus neun verschiedenen Ländern und manche von ihnen sind erst relativ kurz in Deutschland, sodass die Verständigung nicht immer einfach ist. Dazu kommen unterschiedliche Erziehungsstile und die große Angst vor einer Ansteckung. Über die Evangelische Familienbildungsstätte konnten wir Kontakt aufnehmen und uns einen kleinen Einblick verschaffen.

Familie Tajek zum Beispiel lebt schon seit vielen Jahren in Gemeinschaftsunterkünften und hat gerade einen veränderten Aufenthaltsstatus bekommen, der es ihnen erlauben würde, eine eigene Wohnung zu beziehen. „Wir halten die Quarantäne kaum noch aus“, sagt die Mutter von fünf Kindern am Telefon. „Wir möchten uns mit unserer neuen Wohnung beschäftigen und endlich unseren neuen Lebensabschnitt starten, stattdessen sind wir hier zum Nichtstun verdonnert.“

Aber die Familie weiß sich zu helfen. Schon vor dem bundesweiten Lockdown haben sie gemeinsam Masken genäht, die dann in der Familienbildungsstätte verschenkt wurden. „Eigentlich wurde uns gesagt, dass keine Masken mehr gebraucht werden, aber jetzt nähen wir halt für die Leute hier im Haus.“ Sie freut sich, dass sie durch solche Aktionen etwas zurückgeben kann. „Die Kinder bekommen kleine Geschenke, mit denen sie etwas basteln oder malen können, so können sie sich ein bisschen von der Situation ablenken.“

Und auch sonst wissen sich die Bewohner zu helfen. Soraya Mohmmadimatloub hat in ihrem Heimatland als Erzieherin gearbeitet und bietet jeden Tag einen zweistündigen Kindertreff an. Da wird gemeinsam gebastelt und gemalt oder auch mal eine wilde Schlacht mit Wasserbomben gemacht. „Jedes Kind muss sich von den Angeboten mal angesprochen fühlen, und da vom Krabbelgruppenalter bis zur weiterführenden Schule alles dabei ist, muss ich sehr flexibel bei den Angeboten sein.“

Runa Aasland-Jost von der Arbeiterwohlfahrt Werra-Meißner (Awo) freut sich über das Engagement, das auch Sprachkurse und Sportangebote umfasst. „Natürlich ist die Situation nicht leicht“, sagt sie. „Wir müssen uns doch nur an unsere eigene Ungeduld beim Lockdown erinnern. Und im Gegensatz zu den Leuten hier konnten wir uns noch sehr frei bewegen und die Natur und unseren Garten genießen.“ Runa Aasland-Jost nimmt eine große Solidarität wahr – sowohl unter den Bewohnern als auch unter den Awo-Mitarbeitern.

Alle Bewohner, die zwischenzeitlich nach Reichenbach verlegt wurden, kehren heute wieder in die Gemeinschaftsunterkunft nach Eschwege zurück. „Diese positive Entwicklung ermutigt, sollte uns aber weiter sensibel halten, die Hygienevorgaben weiter strikt einzuhalten“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann.

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