Am Montag öffnen die Schulen: Das große Tischerücken ist in Gang

Schule Wanfried Corona 
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Alle Arbeit erstmal umsonst: Hausmeister Reinhold Schröder hat den Schulhof der Gerhart-Hauptmann-Schule in Wanfried in drei Wartebereiche für die Viertklässler eingeteilt, damit sich die Schüler nicht begegnen.

Für die Abschlussklassen und den 12. Jahrgang beginnt am Montag wider der unterricht. Ein Überblick, wie sich die Schulen darauf vorbereitet haben. 

Werra-Meißner. Am Montag startet der Unterricht in Hessen wieder. Teilweise. Zunächst kehren die Schüler der Abschlussklassen zurück. Von der Oberstufe bis zur Grundschule soll der Unterricht wieder starten – bis das Verwaltungsgericht Kassel am Freitag der Klage einer Grundschülerin stattgab. Schülern der vierten Klasse gehen am Montag nicht zur Schule. Wir haben uns in den verschiedenen Schulformen umgehört, wie sie in Zeiten von Covid-19 eine sichere Beschulung gewährleisten wollen.

Grundschule

Rolf Tinnefeld hatte am Freitagmorgen noch alle Hände voll zu tun. Fast unentwegt hing der Rektor der Struthschule in Eschwege am Telefon, um letzte Absprachen zu treffen. Da wusste er noch nichts von der Entscheidung der Verwaltungsgerichts vom Mittag. Alle Planungen waren hinfällig.

40 Grundschulkinder kommen nun doch nicht

DieStruthschule wäre auf jeden Fall vorbereitet gewesen. Für die Wiederaufnahme des Unterrichts mit rund 40 Viertklässlern hatten sie den Hygieneplan des Kultusministeriums umgesetzt. Die beiden Abschlussklassen sollten in je zwei Gruppen unterteilt und örtlich getrennt unterrichtet werden. 20 Wochenstunden in den Fächern Deutsch, Mathe, Sachunterricht und Englisch sind wie an allen hessischen Grundschulen vorgesehen. „Am Anfang wird die Aufarbeitung der Corona-Zeit im Vordergrund stehen“, sagt der Rektor. Das Kollegium habe die Vorgehensweise in der vergangenen Woche professionell abgestimmt. Auch die Schulsozialarbeiterin soll anwesend sein.

Verschiedene Unterrichtsszenarien 

Für die Gruppen gibt es unterschiedliche Unterrichtszeiten. Das Schulgebäude betreten sie durch zwei getrennte Eingänge. „Schwierig wird es in den Pausen“, sagt Tinnefeld. Toben und Spielen bei den Kindern zu unterbinden, sei nicht einfach. Das Kollegium und die Schulsozialarbeiterin sollen die Aufmerksamkeit erhöhen. Der Werra-Meißner-Kreis hat die Grundschulen mit einem Starterpaket an Masken ausgestattet. Insgesamt gibt es für 34 Schulen mit rund 2500 Schülern Mund-Nase-Masken für die ersten beiden Schulwochen. Außerdem hat der Schulträger Seife, Papiertücher und Desinfektion in großen Mengen besorgt.

Eltern froh über Schulstart

Die Eltern der Viertklässler seien in der vergangenen Woche einerseits größtenteils froh gewesen, dass die Schule wieder startet. Andererseits habe Tinnefeld eine große Ungeduld gespürt, weil die Detailinformationen zur Wiederaufnahme des Unterrichts so lange auf sich warten ließen. Jetzt ist alle Aufregung erstmal umsonst gewesen.

9. und 10. Klassen

Schulbeginn unter besonderen Voraussetzungen: Nach wochenlangem Homeschooling wegen der Corona-Pandemie beginnt auch für Schüler der Abschlussklassen neun und zehn wieder so etwas wie Schulunterricht. Aber der sieht ganz anders aus als gewohnt.

Maximal 15 Schüler pro Klasse

Eine wichtige Regel ist wie in allen Bereichen das Einhalten eines Abstands von mindestens 1,50 Metern. „Die Tische in den jeweiligen Klassenräumen der beiden Abschlussjahrgänge – die noch dazu weit voneinander entfernt liegen – sind bereits entsprechend auseinandergerückt“, erklärt Ursula Rauschenberg, Schulleiterin derSüdringgauschule Herleshausen. Die Schüler sitzen sich nicht direkt gegenüber, und die Klassenstärke überschreitet die Zahl 15 nicht. Der Unterricht wird ab Montag in Doppelstunden gestaffelt, die Pausenzeiten entzerrt. So sollten sich die Schüler unterschiedlicher Jahrgänge möglichst nicht in großen Gruppen begegnen.

Maskenpflicht für alle 

„Generell herrscht für alle Maskenpflicht“, erklärt Ursula Rauschenberg. Lediglich im Unterricht dürften diese abgenommen werden. „Ausreichend Masken sind vorhanden“, lobt die Schulleiterin – zum einen wurden sie vom Werra-Meißner-Kreis bereitgestellt, zum anderen hat eine Gruppe örtlicher Näherinnen auf Anregung von Pfarrerin Katrin Klöpfel Hunderte Masken selbst hergestellt und dem Elternbeirat zu einem sehr geringen Preis überlassen.

Damit sich nicht zu viele Schüler gleichzeitig in den Sanitärräumen aufhalten, wird ein Lehrer dort Aufsicht führen. Die Türen zu den Räumlichkeiten stehen offen, damit das Anfassen der Türklinken möglichst vermieden wird. „Eltern, Schüler und Lehrer wurden frühzeitig über den Maßnahmenkatalog in Kenntnis gesetzt“, sagt Ursula Rauschenberg. Selbstverständlich erfolge am Montag noch eine detaillierte Besprechung des Hygieneplans in den Klassenräumen.

Oberstufe

Auch für die 12. Klassen, die sogenannten Vorabgangsklassen, beginnt am Montag am Oberstufengymnasium in Eschwege der Unterricht wieder. „Da es in diesem Jahr ein vergleichsweise kleiner Jahrgang ist, lässt sich das ganz gut organisieren“, sagt Schulleiterin Margret Schulz-Bödicker. Wie es sich für einen ordentlichen Schultag gehört, sollte der am Montag mit einer „ausführlichen Belehrung“ zum Thema Hygiene starten, berichtet die Schulleiterin.

Nicht mehr als 20 Stunden pro Woche 

Pro Woche soll es nach aktuellem Stand nicht mehr als 20 Unterrichtsstunden geben – so verteilt, dass der Freitag zuhause gearbeitet werden kann. Die Leistungskurse sollen jeweils fünf Stunden einnehmen, zusätzlich sollen Deutsch und Mathematik auf Grundkursniveau unterrichtet werden.

Um überhaupt unterrichten zu können, wurde die Schulaula bereits mit einer Trennwand geteilt, Tische auseinandergestellt. Die so entstandenen beiden Klassenzimmer haben beide Zugang zum Schulhof, wo die Schüler bei halbwegs gutem Wetter auch die Pausen verbringen müssen. „In den Pausen gilt Maskenpflicht, nicht aber während des Unterrichts“, erklärt Margret Schulz-Bödicker die Vorgaben des Bildungsministeriums. Schutzmasken für Lehrer, Schüler, Hausmeister und Schulsekretärin wurden dem OG zunächst für zwei Wochen vom Landkreis zur Verfügung gestellt. Tische, Türklinken und Flächen sollen täglich gründlich desinfiziert werden.

Umsetzung der Hygienevorschriften bleibt Heraussforderung

„Trotzdem wird die Umsetzung der Hygieneregeln eine Herausforderung“, sagt die Leiterin. „Die Schüler haben sich seit fünf Wochen nicht gesehen, die dürfen sich nicht knuddeln, nicht zusammenhocken, weder Essen noch Lineale austauschen.“

Noch spannender dürfte es am OG werden, wenn möglicherweise ab 11. Mai auch der Jahrgang Elf an die Schule zurückkehrt. Denn der hat schon 80 Schüler.

Kommentar 

Schulöffnung entbehrt jeder menschlichen Logik

Von Stefanie Salzmann

Die Öffnung der Schulen, sei es auch nur für Abschlussklassen, ist die falscheste aller Entscheidungen im politischen Management der Corona-Pandemie. Dass eine der wenigen verlässlichen Schlüsse aus den letzten Wochen – nämlich, dass die strikten Maßnahmen bisher eine schlimmere Ausbreitung des Virus verhindert haben – zu Folge hat, diese Maßnahmen an sensiblen Stellen wie einer Schule zu lockern, entbehrt jeder menschlichen Logik. Mit der schrittweisen Öffnung der Schulen werden jetzt an einem möglichen Scheitelpunkt der Pandemie alle bisherigen Erfolge vielleicht zunichte gemacht und sinnlos Menschenleben in Gefahr gebracht. Selbst wenn die Schule erst nach den Sommerferien wieder startet, wird weder die Welt untergehen noch das Schicksal unserer Kinder als ewig Dumme besiegelt sein – anders als vielleicht an einer nicht zu bewältigenden Pandemie. Die Kultusminister der Länder sollten sich jetzt darauf konzentrieren, wie Schüler sinnvoll über digitale Wege unterrichtet werden können, anstatt, wie es die Kanzlerin ausdrückt, sich in „Lockerungsorgien“ zu ergehen. Denn wahrscheinlich ist es nicht die letzte Herausforderung dieser Art. 

Quelle: Werra-Rundschau

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