Heimatfest in Grebendorf

Weintheater auf dem Anger lockt 100 Besucher zum eingebildeten Kranken

Mitmachen war für die hundert Gäste beim Kabarett-Programm angesagt.
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Mitmachen war für die hundert Gäste beim Kabarett-Programm angesagt.

Mehr als hundert Menschen haben sich von einem bunten Programm aus Kabarett, Musik und Theater am Grebendorfer Anger bei der Eröffnung des „Weintheaters Grebendorf“ unterhalten lassen.

Grebendorf – Eigentlich verläuft der Samstagsabend am zweiten Wochenende im September in Grebendorf traditionell ganz anders. Das Sandhasenfest steuert seinem Höhepunkt im Festzelt entgegen. Doch weil in diesem Jahr nicht so ist wie sonst, hat der Schauspieler Lutz Jahr die Gunst der Stunde genutzt und am Samstagabend sein „Weintheater“ am Grebendorfer Anger mit einem launigen Abend aus Kabarett, Musik, Theater, Lachyoga und Wein eröffnet.

Zur „Endlich-Eröffnung“ des Weintheaters konnte Lutz Jahr dafür rund hundert Besucher begrüßen, die bei Wein und mildem Wetter einen durchaus unterhaltsamen Abend erleben durften. „Es handelt sich um großes Theater im Taschenformat“, erklärte Sepp Egerer, bevor mit „Der eingebildet Kranke“ von Moliére am Samstagabend das erste Stück am Anger aufgeführt werden konnte. Doch zuvor ging es ums Mitmachen.

„Fangen wir gleich damit an“, nahm Egerer die Aufgabe an, immer wieder verschiedene Chef zu Jahrs Lied über Arbeitsmoral zu mimen. Während Lutz Jahr Otto Reutter sang, trat Irmi Lamm in Anlehnung an Claire Waldoff auf, gab zur eigenen Akkordeonbegleitung eine musikalische Antwort auf den Ratschlag der von Jahr gespielten Figur: „Geh zum Doktor und lass dir optimieren!“

Das Taschenformat

Tyrannisiert seine Umwelt: :der eingebildete Kranke, gespielt von Sepp Egerer, der sich mit seiner Frau auf Theater im Taschenformat spezialisiert hat, und mit Moliéres Klassiker zur Eröffnung des Weintheaters Grebendorf auftrat.

Nach kurzem, ebenfalls humorvoll in das Programm eingebundenem Umbau gelang es Sepp und Kerstin Egerer, die aus Neuburg/ Donau nach Grebendorf gekommen waren, zu zweit in einer szenischen Lesung alle Figuren aus einem gekürzten „Der eingebildet Kranke“ zum Leben zu erwecken.

„Wundert euch nicht, er sieht mir ziemlich ähnlich“, kündigt Dienstmädchen Toinette einen neuen Arzt an, der dem eingebildeten Kranken Argan rät: „Sie haben zu wenig Blut. Sie müssen Ihren Wein ohne Wasser trinken.“

Binnen weniger Sekunden verwandelt sich Kerstin Egerer von der als Arzt verkleideten Toinette zurück in das Dienstmädchen und schnell zur Ehefrau Argans, als eine Figur nach der anderen an das Bett des eingebildet Kranken tritt, den Sepp Egerer spielt.

„Mir fehlt mein Schild, aber ich glaube, Ihr erkennt mich auch so“, begrüßte Kerstin Egerer als jüngere Tochter Argans den Vater. Ihr gelang es, allein mit wenigen Requisiten den Figuren mit Stimme und treffender Körpersprache ihren eigenen Charakter zu verleihen.

Während Argan seine ältere Tochter Angélique mit dem Neffen seines Arztes verheiraten möchte, hat sich diese in den von Sepp Egerer verkörperten Cléante verliebt, der sich als angebliche Vertretung des Musiklehrers vorstellt und ihr so nahe sein kann. Erst eine List des Dienstmädchens öffnet Argan die Augen und er erkennt, dass seine Frau allein auf das Erbe wartet, während Tochter Angélique um den tot geglaubten Vater trauert. Auf ihren Wunsch, Cléante zu heiraten, reagiert er dennoch unbewegt: „Na gut, wenn er Arzt wird, kannst du ihn haben.“

Mit einer musikalischen Zugabe verabschiedeten sich die beiden Schauspieler vom Publikum in Grebendorf, auf das mit Cornelia Kempers’ lebendiger Lesung des Zauberlehrlings, Wolf-Dieter Gööcks humorvollen Liedern über das Älterwerden und Lutz Jahrs Maultrommelspiel ein außergewöhnliches Programm zum Abschluss des Abends wartete.

Vom Star bis zur Nische

Schrilles und Einfaches, aber auch Künstler, die sonst vor großem Publikum spielen, und auch die, die, die eher in einer bestimmten Nische unterwegs sind, sollen künftig das Programm im Weintheater Grebendorf prägen, über das Lutz Jahr, der das alte Gebäude vor zwei Jahren kaufte, sagt: „Das Haus hat mich gerufen.“

Von Eden Sophie Rimbach

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