VERGANGENHEIT HEUTE (7)

Germerode: Trinkwassermuseum mitten in der Natur

Eine Frau steht vor einem Rad an dem sie dreht.
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Museumsleiterin Bärbel Hochschild informiert über die Trinkwassergewinnung.

Die kleinen Museen unserer Region haben einiges zu bieten. In unserer Serie „Vergangenheit heute“ werfen wir einen Blick in die Ausstellungen.

Germerode – Noch hinter dem Wildpark, direkt in der Natur, steht ein kleines Häuschen. Auf den ersten Blick wirkt es unscheinbar, jedoch verbirgt sich im Inneren etwas Ungewöhnliches – das Wassermuseum Germerode. Dort gibt es allerhand über unser Trinkwasser aus dem Meißner zu erfahren.

Geschichte

Seit 1912 versorgt der Zweckverband Meißner-Verbandswasserwerk seine Mitgliedsgemeinden, und lange Zeit auch die Dampflokomotiven der Deutschen Bahn, mit Wasser aus dem Meißner. Das Meißnerwasser ist dabei besonders kalkarm, enthält aber zu viel Kohlensäure. Daher wurden 1939 zwei Entsäuerunsanlagen in Betrieb genommen. Eine davon steht in Germerode. Dem Heimatverein gelang es, die Anlage zu erhalten und sie schließlich zu einem Museum umzugestalten, das schließlich 2008 öffnete.

Museum heute

Das Wassermuseum ist kein typisches Museum. Es besitzt nur eine kleine Reihe von Exponaten, ansonsten erzählt es die Geschichte des Wassers und der Trinkwassergewinnung. Bärbel Hochschild vom Heimatverein leitet das Museum und sieht in ihrer Arbeit eine sehr wichtige Aufgabe: „Unser Ziel ist es, Menschen zum Thema Trinkwasser zu sensibilisieren. Das Wasser kommt nicht einfach so aus der Leitung, da steckt ein großer Aufwand dahinter.“

Diesen Prozess möchte das Museum Kindern und Erwachsenen nahebringen und spielerisch erläutern.

Rundgang

Wie viel Wasser verbrauchen wir eigentlich? Der durchschnittlich tägliche Trinkwasserverbrauch in Deutschland liegt bei rund 400 Litern pro Person.

Dazu zählt nicht nur das Waschen oder Trinken, wir verbrauchen auch Wasser ohne es überhaupt zu merken. Zum Beispiel die Produktion von Kleidung benötigt schon eine Menge Wasser.

Doch wie war das früher? Auch diese Frage beantwortet das Museum und hat dazu auch einige Exponate, unter anderem ein Tragejoch aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Wassereimer wurden an einer Schultertrage befestigt und vom Brunnen nach Hause getragen.

Ein Tragejoch zeigt wie anstrengend die Wasserbesorgung früher war.

Diese und noch mehr interessante Fakten gibt es beim Rundgang durch das kleine Museum zu lernen. Auch der Wasserkreislauf und speziell die Gewinnung des Meißnerwassers werden thematisiert.

Das Gebäude und die Innenausstattung sind weitgehend original erhalten. In der ehemaligen Entsäuerungsanlage gibt es jetzt noch ein Filterbecken mit Filterkies zu sehen. Mithilfe von mechanischer Filtration wurden dem Wasser so überschüssige Kohlensäure und Schmutzpartikel entzogen.

Wasser ist kostbar

„Wasser ist oft nicht selbstverständlich“, mahnt Bärbel Hochschild. Das sollen Gruppenspiele vor allem Kindern nahebringen. Mit dem Tragejoch Wasser holen oder ein Leitungssystem bauen, zeige den Kindern die enorme Anstrengung, die es brauche, um Wasser zu gewinnen, so die Museumsleiterin.

Das Trinkwassermuseum Germerode befindet sich in der alten Entsäuerungsanlage „Kasch“. Hier können Kinder und Erwachsene alles über die Trinkwassergewinnung erfahren.

Für viele Menschen auf der Welt ist das der Alltag. Auch im Werra-Meißner-Kreis herrsche seit drei Jahren Wasserknappheit. Der ausgetrocknete Bach und die trockenen Sträucher neben dem Museum machen das ganz besonders deutlich.

Besichtigung

Auch das Wassermuseum ist aufgrund der Corona-Pandemie bis auf weiteres geschlossen.

Wenn Besichtigungen wieder möglich sind, können die Führungen, die vor allem für Kindergartengruppen und Schulklassen interessant sein dürften, beim Heimatverein unter 0 56 57/78 28 vereinbart werden. (von Anna Schellhase)

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