Regierungspräsidium fordert hohe Investitionen

Werra wird wieder niedriger - Stadtwerke verzichten auf neue Stauung

Ein mann steht am Stauwehr an der Eschweger Schlossmühle.
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Müsste komplett neu gebaut werden: das Stauwehr an der Eschweger Schlossmühle. Wirtschaftlicher nicht sinnvoll, sagt der Technische Leiter der Stadtwerke, Ralf Herrmann.

Die Eschweger Stadtwerke werden ab Frühjahr kommenden Jahres auf die Höherstauung der Werra verzichten. Darauf hat sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke in dieser Woche verständigt.

Eschwege - Die Bewilligung, die Werra um 42 Zentimeter auf 160 Meter üNN höherzustauen, um mehr Strom erzeugen zu können, stammt aus dem Jahr 1992 und läuft im März 2022 aus.

Der entscheidende Grund, auf das Stauziel von 160 Meter üNN zu verzichten und nicht erneut für die nächsten 30 Jahre zu beantragen, sind nach Auskunft von Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Lecke die massiven Auflagen, die das Regierungspräsidium Kassel (RP) daran geknüpft hätte. „Um die Werra weiter um auf 160 Meter üNN zu stauen, hätten wir zwischen 2,6 und 3,1 Millionen Euro investieren müssen“, sagte Lecke. Das stehe in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zu dem Verlust in der Stromerzeugung, den Lecke ohne die Anstauung auf 160 Meter üNN für die Stadtwerke zwischen 150 000 und 160 000 Euro im Jahr beziffert. „Das ist für die Stadtwerke keine wirtschaftlich begründbare Option.“

Das RP hatte von den Stadtwerken gefordert, dass an der Schlossmühle die Fischauf- und -abstiege neu und deutlich größer gebaut werden und außerdem die Rechenanlagen zur Reinigung erneuert werden müssen.

Pegelunterschiede zwischen Werra und See

Aktuell liegt der Pegel der Werra deutlich höher als der des Werratalsees. Die Werra liegt derzeit bei 160 Meter üNN,  der Werratalsee hat einen festgesetzten Pegelstand von 158,64 m ü. NN.  Dadurch drückt Werrawasser in den See, was als einer der Faktoren für die zeitweise schlechte Wasserqualität durch Blaualgen im See gewertet wird. Durch den Verzicht auf die Höherstauung der Werra haben die Stadtwerke Verluste von zirka 150 000 Euro im Jahr. Sie produzieren im Jahr vier Millionen Kilowattstunden Strom, was in etwa für die Versorgung von 1300 Haushalten reicht. salz

Unbeeinflusst davon ist das Wasserrecht aus dem Jahr 1952, das den Stadtwerken die Stauung der Werra auf 159,58 Meter üNN unbefristet erlaubt. Dieses Stauziel sei ausreichend, um die Wasserkraftanlagen wirtschaftlich weiterzubetreiben, so Lecke.

Mit der Absenkung der Werra ist auch die Hoffnung verknüpft, dass sich die Wasserqualität des Werratalsees verbessert. „Die dauerhafte Absenkung der Werra um 42 Zentimeter wird den See sicher entlasten, aber das Problem nicht lösen“, sagt der technische Leiter der Stadtwerke, Ralf Herrmann. Der Phosphateintrag in den See werde geringer werden, aber Phosphate würden auch über andere Kanäle in den See. Durch einen niedrigeren Werrapegel drückt weniger Wasser durch den Damm in den Werratalsee.  Der Werratalsee hat einen festgesetzten Pegelstand von 158,64 m ü. NN.  (Stefanie Salzmann)

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