Forderungen nach dritter Brücke

Gefahr für Radfahrer in Witzenhausen: Werraquerung bleibt Sorgenkind

Wie Witzenhausen ohne Brücke funktioniert, erfährt die Stadt ab Donnerstag: Bis einschließlich Mittwoch durften Fahrzeuge stadtauswärts die Werrabrücke nutzen, für den Rest der Woche wird sie wegen der Bauarbeiten voll gesperrt. Die Bürgersteige bleiben nutzbar.
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Wie Witzenhausen ohne Brücke funktioniert, erfährt die Stadt ab Donnerstag: Bis einschließlich Mittwoch durften Fahrzeuge stadtauswärts die Werrabrücke nutzen, für den Rest der Woche wird sie wegen der Bauarbeiten voll gesperrt. Die Bürgersteige bleiben nutzbar.

Immerhin in einem Punkt waren sich die Mitglieder im Bauausschuss von Witzenhausen einig: Die Querung der schmalen Werrabrücke ist für Radfahrer sehr gefährlich.

Witzenhausen – Wie das geändert werden kann, darüber gingen die Positionen allerdings am Dienstag weit auseinander. Angeführt von der FWG sprach sich vor allem die Opposition dafür aus, die Möglichkeiten für Bau und Finanzierung einer Fußgänger- und Radfahrbrücke neben der historischen Brücke wenigstens prüfen zu lassen. FWG-Fraktionschef Oliver Engel mahnte, dass etwa über das Programm „Stadt und Land“ in Hessen Verkehrsinfrastrukturprojekte mit bis zu 80 Prozent gefördert werden können, wenn sie bis 2023 abgeschlossen sind.

Weiteres Argument: Vor 2028 sei mit dem Ersatzbau der Fahrzeug-Werrabrücke nicht zu rechnen. „Es sind noch rund zehn Jahre, bis die neue Brücke tatsächlich steht“, sagte Grünen-Fraktionschefin Dr. Rita Weber-Wied. „So lange kann der jetzige Zustand nicht so bleiben.“ Auch Dr. Christian Platner (Bunte Liste) forderte: „Wir brauchen eine realistische, kurzfristige Lösung. Wenn wir am Ende drei Brücken haben, wäre das auch nicht schlecht.“ Selbst wenn eine neue Radbrücke erst 2025 käme, wäre es eine Erleichterung.

Die Verwaltung, die rot-schwarze Koalition und die FDP sehen dagegen keine Möglichkeit einer weiteren Brücke. Es sei technisch nicht möglich, an die bestehende Brücke außen eine Fahrradspur „anzubauen“, erklärte Bürgermeister Daniel Herz. Zudem sei es zeitlich unrealistisch, innerhalb von 1,5 Jahren Planung, Genehmigungen und Bau einer neuen Brücke abzuschließen. Da die Werra eine Bundeswasserstraße sei, müsste eine neue Brücke zudem deutlich höher sein als das bisherige Bauwerk (für das noch Bestandsschutz gilt). Eine höhere Brücke brauche längere Rampen an beiden Ufern, hier seien nicht alle Grundstücke im Besitz der Stadt. „Nur der Ersatzneubau kann eine echte Entlastung schaffen“, sagt Herz. Dort sei ein drei Meter breiter Radweg eingeplant. „Bei derzeit nur einer Brücke in Witzenhausen fehlt mir der gedankliche Spielraum, wie wir sie sicherer machen können.“ Auch müsse man Folgekosten berücksichtigen.

Skepsis gegenüber Forderungen

Kai Witzel (CDU) gab zu Bedenken, dass eine zusätzliche Brücke östlich der derzeitigen ungeeignet sei, weil Radfahrer, die aus Richtung Hundelshausen/Kleinalmerode/Ermschwerd Richtung Bahnhof wollen, dann die Straßenseite wechseln müssten. Die Stadt bräuchte zudem keine drei Brücken.

SPD-Fraktionschef Lukas Sittel kritisierte, dass das Thema schon wieder auf der Tagesordnung stehe, obwohl sich seit 2010, als das Planungsbüro LK Argus erstmals Vorschläge für eine Verbesserung des Radverkehrs in der Stadt machte, nichts geändert habe. Das sehen die Grünen ganz anders: Der Klimaschutz habe eine neue Dringlichkeit bekommen, so Weber-Wied. Auch habe die Zahl der Radfahrer zugenommen.

Am Ende entschied sich der Ausschuss, grundsätzlich die Möglichkeit einer innenstadtnahen Werra-Querung mit Plänen für den Ausbau des Radwegenetzes auf die Ortsteile prüfen zu lassen. Die Verwaltung soll auf Vorschlag von Peter Schill (SPD) eine Präsentation erstellen, damit die Stadtverordneten die Probleme der einzelnen Ortsteile besser nachvollziehen können, die in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses auf den Tisch gekommen waren (HNA berichtete). (Friederike Steensen)

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