"Wie eine große Familie"

Mit Radio und Fernsehen: Schüler kämpfen um Sportinternat in Bad Sooden-Allendorf

Ziehen an einem Strang: Nicht nur Amin Labdi (von links), Max Lang und Michael Ulzheimer als „Mann der ersten Stunde“ wollen das Sportinternat unbedingt erhalten wissen. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Weil die Schüler nicht wollen, dass ihr Sportinternat der Rhenanus-Schule schließt, kämpfen sie darum - und bekommen nach der HNA-Berichterstattung auch Hilfe von Radio und Fernsehen.

Amin Labdi sieht unglücklich aus: Der 16-jährige Marburger besucht seit 2014 das Sportinternat der Rhenanus-Schule und möchte dort in drei Jahren unbedingt sein Abitur machen, um Bundespolizist zu werden. Amin weiß nicht, wie es weiter geht, wenn Bad Sooden-Allendorfs Kommunalpolitiker tatsächlich am 24. März den Geldhahn zudrehen und das Internat dann möglicherweise geschlossen werden muss. „Ich verliere dann mein Zuhause“, sagt Amin mit feuchten Augen. Damit es soweit nicht kommt, versuchen die Sportinternatler jetzt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Nach der Berichterstattung der HNA hat auch der TV-Sender RTL die Sorgen und Nöte der 22 Jugendlichen des zurzeit fast voll belegten Internats aufgegriffen. Für Dienstag hatte sich ein Kamerateam des Hessischen Rundfunks angesagt. Am Freitag steht der Radiosender FFH auf der Matte. Über Facebook gibt es inzwischen zum Thema mit über 30 000 Klicks mehr als dreimal so viele, wie Bad Sooden-Allendorf Einwohner hat. Und in der Stadt haben die jungen Leute schon die Geschäfte abgeklappert, um auf Plakaten zu bekennen: „Auch wir sind BSA und kaufen hier ein.“

Den 19-jährigen Max Lang aus der Nähe von Stuttgart müsste das alles eigentlich gar nichts mehr angehen: Der zweifache und aktuelle hessische Jugendmeister im Kugelstoßen macht gerade sein Abitur und will Sportmediziner werden. aber: „Wir sind wie eine große Familie“, pflichtet er seinem Freund Amin bei und fügt hinzu: „Sportinternat – das war die bisher schönste Zeit meines Lebens.“ Die Trainingsmöglichkeiten seien optimal, Leichtathtletikhalle, Stadion und Kraftraum in weniger als einer Minute zu erreichen. Anders als Schulleiter Dr. Jörg Möller fürchtet Lang sehr wohl um den Bestand der Oberstufe, falls es das Internat nicht mehr gibt. Die Schüler wünschten sich mehr Hilfe von der Schule und dem Schulsportclub im Ringen um den Erhalt des Internats, dessen Existenz nach Überzeugung Langs „wegen reiner Machtspielchen der Kommunalpolitiker“ infrage gestellt werde.

Uneingeschränkte Hilfe erfahren die Internatler von einem „Mann der ersten Stunde“: Michael Ulzheimer (63), in der Badestadt seit 1976 verheiratet, gehörte 1971 zu den ersten sechs Schülern, die ins Sporinternat eingezogen sind. Bundesweit, erinnert sich der Sohn des Olypmpioniken Heinz Ulzheimer, habe es damals keine Schule gegeben, „wo man so intensiv Sport betreiben konnte“. Der einstige hessische Jugendmeister über 400 Meter und 4x100 Meter kann nicht nachvollziehen, dass das Internat wegen einer „lächerlichen Summe von 25 000 Euro“ vielleicht geschlossen werde. Schule und Sportschulclub, fordert er, müssten sich wegen einer Förderung des Internats mit Deutschem und Hessischem Leichtathletikverband an einen Tisch setzen: „Die schwimmen doch in Millionen.“

Hintergrund: Schüler lassen 264.000 Euro in der Stadt

Jährlich rund 264 000 Euro lassen die aktuell 15 Schüler und sieben Schülerinnen des Sportinternats in der Stadt, hat man in der Stadtverwaltung ausgerechnet. In der Summe von 1000 Euro pro Kopf und Monat sind auch die aktuell 850 Euro monatlich für Kost und Logis enthalten. Eine Besonderheit gibt es: Weil Abiturient Max Lang schon seit 2011 das Sportinternat besucht, hat er einen alten Vertrag in der Tasche, laut dem nur 750 Euro fällig werden. Aus Solidarität überweisen seine Eltern aber jeden Monat 100 Euro mehr. Die 264 000 Euro kommen Dienstleistern, Handel, Handwerk und Gewerbe zugute, etwa Ärzten und Apotheken, Bäckern, Friseuren, Lebensmittel- und Bekleidungsgeschäften. Häufig übernachten auch Eltern der Schüler und manchmal auch ehemalige Sportinternatler in Bad Sooden-Allendorf. Das Defizit des Sportinternats konnte in den vergangenen Jahren massiv reduziert werden. Lag der Fehlbetrag im Jahr 2012 noch bei satten 263 715 Euro, schrumpfte er bis zum Ende des letzten Jahres auf 37 442 Euro und liegt im Planansatz für das laufende Jahr noch immer unter der laut Schutzschirmvertrag gestatteten Höchstsumme von 50 000 Euro.

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