700 Brotspenden für die Dörfer

Boyneburg: Wieder fliegen keine Brote an Himmelfahrt

Wird es zum zweiten Mal in Folge nicht geben: Otto von Boyneburgk wirft einen der 300 Brotlaibe in die Menge. Sie sollen nicht nur vor Blitzschlag schützen, den Fängern soll es auch nicht mehr an Brot mangeln. Archivfoto: Kristin Weber
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Wird es zum zweiten Mal in Folge nicht geben: Otto von Boyneburgk wirft einen der 300 Brotlaibe in die Menge. Sie sollen nicht nur vor Blitzschlag schützen, den Fängern soll es auch nicht mehr an Brot mangeln.

Die obligatorische öffentliche Brotspende an Himmelfahrt auf der Boyneburg wird in diesem Jahr wieder ausfallen. Das hat Gutsherr Otto von Boyneburgk bekannt gegeben.

Datterode/Wichmannshausen – Stattfinden wird die Übergabe von 700 Broten an die umliegenden Gemeinden im kleinen Kreis.

Nach einer alten Sage soll einst ein Fräulein von Boyneburgk bei einem Unwetter vom Blitz erschlagen worden sein – freiwillig wohl, um Land und Leute zu erlösen, so die Sage. Nach ihrem Vermächtnis und zum Andenken wurde daraufhin am Gründonnerstag (seit 1902 an Himmelfahrt) eine Brotspende an die Armen gegeben.

Normalerweise sind 4000 Menschen zu Gast

Und noch heute, über 500 Jahre nach dem sagenumwobenen Tod, beseelt das Vermächtnis des Burgfräuleins die Ruinen der einst so mächtigen Festung. Mehrere Tausend Menschen aus der Region erinnern sich an den Wunsch des jungen Mädchens und pilgern zur Brotspende auf die hoch oben im Ringgau gelegene Boyneburg.

So wäre es normalerweise abgelaufen: Nach dem Gottesdienst wird an das Burgfräulein erinnert. Nachdem dann die Betagten und auch die Schulkinder der ehemaligen Patronatsdörfer ihr „Brot und Speck“ erhalten haben, erfolgt durch Otto von Boyneburgk der „Brotschmiss“, der jährlich etwa 4000 Menschen anzieht. 300 Brote würden in die Menge geworfen werden.

Die Glücklichen, die einen der Laibe ergattern, sind vor Blitzschäden geschützt. Weiterhin, so der Glaube, werde es ihnen nie an Brot mangeln.

Patronatsdörfer werden trotzdem versorgt

Die Coronakrise hat dem alljährlichen Spendengottesdienst auf der Boyneburg zum zweiten Mal in Folge einen Strich durch die Rechnung gemacht. Weil es die Gesetzeslage nicht zulässt und die Abstandsregeln hier nicht eingehalten werden können, haben sich die Veranstalter zu der erneuten Absage entschieden.

Die Patronatsdörfer werden trotzdem versorgt. „Das lasse ich mir nicht nehmen – schon wegen des Aberglaubens nicht“, sagt Baron Otto von Boyneburgk. Denn ausgefallen ist die Brotspende nur ein einziges Mal: In den 1920er-Jahren, zur Zeit der Wirtschaftskrise nämlich, als gespart werden sollte.

Die Folgen – fatal: Wenige Tage nach Himmelfahrt erhob sich ein mächtiges Gewitter. Die Arbeiter des Gutes Boyneburgk, die sich auf dem Feld befanden, schafften es noch bis auf das Gut, als ein mächtiger Blitz herniederging und die Feldscheune in Brand setzte.

Videoandacht an Christi Himmelfahrt von der Boyneburg aus

„Das soll sich auf keinen Fall wiederholen“, sagt Otto von Boyneburgk, der dem Brauch zusammen mit seiner Frau Dorette neues Leben eingehaucht hat. Die 700 Brote werden deshalb an die umliegenden Dörfer während einer kleinen Andacht verteilt.

Für jedermann wird es eine Videoandacht zu Christi Himmelfahrt mit Pfarrerin Stefanie Rudolf von der Boyneburg aus geben. Sie kann ab dem Himmelfahrtstag am Donnerstag, 13. Mai, ab 8 Uhr auf dem Youtube-Kanal des Kirchenkreises Werra-Meißner angesehen werden.

Das Thema der Videoandacht lautet „Auf dem Weg zum Brot“. In der Videoandacht wirken mit: Das Vorbereitungsteam, das die Andacht auch geplant hat, Baron Otto von Boyneburgk sowie ein Gesangsensemble unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Susanne Voß. Aufgenommen und bearbeitet wurde das Video von Volker Lange aus Orferode. (Tobias Stück)

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