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Wildkatzen-Kuder auf freier Fläche im Altefeld fotografiert

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Von: Emily Spanel

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Eine Seltenheit: Ein Wildkatzen-Kuder, gesehen und fotografiert auf freiem Feld in Herleshausen-Altefeld. Das Vorkommen der Wildkatzen auf dem Ringgau-Hochplateau ist stabil.
Eine Seltenheit: Ein Wildkatzen-Kuder, gesehen und © Manfred Graf/nh

Ein besonderer Schnappschuss ist Manfred Graf aus dem Herleshäuser Ortsteil kürzlich gelungen. Er hat eine männliche Wildkatze entdeckt und digital festgehalten.

Altefeld – Zugegeben, die Wahrscheinlichkeit, auf einem Waldspaziergang Wildkatzen zu entdecken, ist nicht groß. Immerhin sind sie nachtaktiv, sehr scheu und gut getarnt. Trotzdem kommen Begegnungen zwischen Mensch und Wildkatze vor.

Sein Glück kaum fassen konnte Manfred Graf aus dem Herleshäuser Ortsteil Altefeld, als er jüngst auf freiem Feld einem Wildkatzen-Kuder begegnete – und geistesgegenwärtig die Kamera zückte.

In unserer Region ist die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) heimisch. Wegen ihres flauschigen Fells und weil sie – vermeintlich! – den Menschen die Hasen, Fasane oder Rebhühner streitig machte, wurde sie bis Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa intensiv gejagt.

Indiz für naturnahe und ökologisch gesunde Wälder

Wildkatzen waren fast ausgerottet, als man anfing, ihren Wert für die Natur zu erkennen, und sie teilweise unter Schutz stellte. Seit einigen Jahrzehnten aber erobern sie in deutschen Laub- und Mischwäldern ihr altes Verbreitungsgebietes zurück. Harz, Kaufunger und Thüringer Wald sowie insbesondere die Wälder des Werra-Meißner-Kreises gelten als Schwerpunktregionen des Wildkatzen-Vorkommens.

Zu den natürlichen Feinden der Wildkatze zählen Füchse, Baummarder, Luchse oder Uhus. Ihr gefährlichster Widersacher bleibt der Mensch. Todesursache Nummer eins: der Straßenverkehr.

„Wildkatzen brauchen wilde Wälder“, bekräftigt Dr. Jörg Brauneis vom Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege. Und die gebe es in unserer Region beispielsweise auf dem Hohen Meißner in Hülle und Fülle. Die Wildkatze sei ein Symboltier für die naturnahen und ökologisch gesunden Wälder vor Ort.

Wildkatzen sollen sich ausbreiten

Intensiv hat sich der Jagdverein Hubertus in den vergangenen Jahren um den „Sympathieträger“ bemüht – genannt sei hier das Leuchtturmprojekt „Wildkatzenland an Werra und Meißner“ in der Verantwortung von Projektleiter Dr. Jörg Brauneis. Das unter anderem von der Hessischen Umweltlotterie ausgezeichnete Naturschutzprojekt wurde 2007 aus der Taufe gehoben, angeregt von zunehmenden Wildkatzen-Beobachtungen im Schlierbachswald und im Stadtwald der Kreisstadt Eschwege.

Im Werra-Meißner-Kreis gebe es noch relativ viele Wildkatzen, die man durch Lebensraumgestaltung, Waldnaturschutzmaßnahmen und der Pflege von Waldwiesen und Ähnlichem unterstützen wolle, damit sie sich nicht nur weiter im Land an Werra und Meißner wohlfühlen, sondern sich auch möglichst gut vermehren, erklärte Dr. Jörg Brauneis.

Denn schließlich sollen möglichst viele, junge Wildkatzen „auswandern“ und Waldgebiete besiedeln, in denen es bisher keine oder nur wenige Wildkatzen gibt. Dazu müssen beispielsweise die Lebensräume vernetzt werden, das heißt, zwischen den Wäldern müssen Hecken und Feldgehölze angepflanzt werden, die die Waldgebiete verbinden.

(Emily Hartmann)

Schon gewusst?

dass Wildkatzen eng an naturnahe Wälder als Lebensraum gebunden sind? Umgestürzte Bäume, alte Bäume mit Naturhöhlen, felszerklüftete Waldpartien, Wurzelteller auf Windwürfen und Reisighaufen sind wertvolle Lebensraumrequisiten, die es im Kreis reichlich gibt.

dass Wildkatzen vor allem dämmerungs- und nachtaktiv sind?

die lautstarke Paarungszeit (Ranz) von Januar bis April stattfindet? Die einzelgängerisch lebenden Männchen (Kuder) rufen dann nach den Weibchen (Katzen). Nach einer Tragzeit von etwa 66 Tagen kommen zwei bis vier Wildkatzen zur Welt.

dass Wildkatzen nicht immer leicht von wildfarbenen Hauskatzen zu unterscheiden sind? Wildkatzen haben einen wuchtigen (dicken) Kopf und eine breite Schnauzenregion. Der Nasenspiegel ist hell (fleischfarben), bei Hauskatzen eher dunkler. Die Ohren der Wildkatze (Gehöre) wirken oft kürzer, da der Kopf länger behaart ist. Die Fellfarbe ist im Sommer gelb-grau bis ockerfarben im Winter blass-grau, das Fellmuster wirkt häufig verwischt, die Beine (Läufe) sind kräftig.

dass Forstleute und Jäger sich bemühen, den Lebensraum für die Tiere zu verbessern – auch durch Anlage von Streuobstwiesen?

dass Kreuzungen mit Hauskatzen eine Gefahr für Wildkatzen darstellen? Katzenhalter sollten ihre Hauskatzen daher nicht unbeaufsichtigt in Wald und Feld laufen lassen. (esp)

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