„Wir haben viel gekämpft“

Ursula Rauschenberg, Schulleiterin der Südringgauschule, geht in den Ruhestand

Eine Frau mit kurzen, schwarzen Haaren lächelt in die Kamera und hält eine Urkunde hoch.
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Im Büro der Schulleiterin bleiben die Urkunden und Zertifikate: Ursula Rauschenberg ist stolz auf die Erfolge, die sie an der Südringgauschule erzielen konnte.

„Ich geh jeden Tag gern in die Schule – wirklich jeden“, sagt Ursula Rauschenberg. Doch heute tritt die Schulleiterin nach beinahe 21 Jahren an der Spitze der Südringgauschule in Herleshausen den Ruhestand an.

Herleshausen – Dieser Schritt, der Grund-, Haupt- und Realschule mit Förderstufe den Rücken zuzukehren, fällt der 66-Jährigen sichtlich schwer. Die Südringgauschule mit ihren Schülern, dem Kollegium und auch den ehemaligen Schülern, die längst erwachsen sind, sich aber oft weiterhin für die Schule engagieren, wie Rauschenberg erzählt, sind längst für sie zur zweiten Familie geworden.

Die schlanke Frau in dem schwarz-weiß karierten Kostüm sitzt in ihrem Büro an dem runden Besprechungstisch – in der Hand eine Tasse Kaffee mit Milch. „Schwarz habe ich irgendwann aufgegeben, auch wenn das schön machen soll“, erzählte sie bei der Begrüßung lachend. Die Ehefrau, zweifache Mutter und demnächst vierfache Oma lacht viel während sie von ihrer Zeit an der Herleshäuser Schule erzählt, die bereits im November 1977 mit ihrem Referendariat begonnen hat.

Auch auf die schwierigen Zeiten blickt sie mit einem zufriedenen und stolzen Lächeln zurück. „Wir haben viel gekämpft.“ Etwa gegen die drohende Schließung der Mittelpunktschule. 2008, nach großem Einsatz der Eltern und der Lehrer, wie Rauschenberg erzählt, war klar, die Schule bleibt bestehen. Auch weil sie zwei Jahre in Folge von der Industrie- und Handelskammer als siebtbeste Haupt- und Realschule Hessens ausgezeichnet wurde. Es folgten vier weitere Platzierungen unter den besten zehn. 2012 erkämpften sich die Schüler durch ihre guten Leistungen sogar den ersten Platz, erinnert sich Rauschenberg. 2017 erlebte die Lehrerin für Deutsch, Englisch und Kunst dann das genaue Gegenteil. Die Schule platzte aus allen Nähten. Wieder musste sich die Direktorin einem großen Problem annehmen, das diesmal durch Container gelöst wurde.

Viel ist passiert in den Jahren, resümiert Rauschenberg. Dass sie selbst mal die Schule leiten würde, hätte sie nicht geglaubt. Nach ihrem Studium in Gießen hatte die gebürtige Fuldaerin auf einen Referendariatsplatz in ihrer Heimat gehofft. Zugeteilt wurde ihr dann Herleshausen. Eingelebt hatte sie sich schnell. Sie wurde Verbindungslehrerin und Personalratsvorsitzende. Am Ende blieb sie. Im südlichen Werra-Meißner-Kreis hielt sie vor allem die Liebe. Die Liebe zur Schule und zu ihrem Mann. „Seit 36 Jahren bin ich nun mit meinem Mann verheiratet“, sagt Rauschenberg.

Schulleiterin wurde sie dann im Jahr 2000. Ihr Vorgänger, Bernhard Hermann Roth, habe zwar immer zu ihr gesagt, sie werde nach ihm die Schule leiten, doch so richtig daran geglaubt hatte sie nicht. Als Roth dann aus gesundheitlichen Gründen ausschied und die Stelle ausgeschrieben wurde, zauderte Ursula Rauschenberg noch. Die Frist war beinahe verstrichen. Dann warf sie doch noch ihren Hut in den Ring. „Ich habe mich erst am letzten Tag beworben“, erzählt sie lachend.

Ihre Kinder waren damals 15 und 12 – also alt genug befand sie. „Meine Tochter sagte, klar, das ist eine Chance. Mein Sohn meinte nur, solange ich jeden Tag mein Essen bekomme, kannst du es machen.“

Die 66-Jährige strotzt noch immer vor Energie. Nur wenn sie sich in dem kargen Raum umblickt, drückt das auf ihre Stimmung und sie wird wehmütig: „Ich habe extra früh damit begonnen, mein Büro auszuräumen, damit ich mich hier unwohl fühle und mir der Abschied leichter fällt.“ Ein vergeblicher Versuch, wie Rauschenberg zugibt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nicht mehr hierherkomme.“ Doch am Montag wird es so weit sein. Und dann muss sich Rauschenberg neue Projekte suchen, um die Zeit zu füllen, die sie nicht mit ihrer Familie verbringt. „Ich bin ein Mensch, der Struktur braucht“, weiß sie über sich selbst. Doch Langeweile wird wohl nicht aufkommen. Sport im Verein und Musik an der Gitarre stehen bei ihr auf dem Plan.

Gewiss ist außerdem, die 66-Jährige bleibt den Institutionen, die nach Wissen und Bildung streben, treu. Zum einen will sie selbst ihren Horizont erweitern: mit einem Studium an der Universität Göttingen. Zum anderen wird sie als Vertretungslehrerin – oder wie es heißt U-Plus-Kraft – auf Abruf das nötige Rüstzeug weiterhin an die nachfolgenden Generationen weitergeben. So ganz muss Ursula Rauschenberg ihre zweite Familie also nicht verlassen.

Von Hanna Maiterth

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