Neue Ansprüche von Gästen und Mitarbeitern

Gasträume stehen leer: Wirte im Werra-Meißner-Kreis finden keine Nachfolger

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Sucht seit einem Jahr einen Pächter: Anita Klenke wünscht sich, dass in das traditionsreiche Café Deichmann in Bad Sooden-Allendorf wieder Leben einzieht.

Viele Dörfer sind längst ohne Kneipe. Neu ist das Problem nicht, gelöst aber auch nicht – im Gegenteil: Die Gastronomie im Werra-Meißner-Kreis dünnt weiter aus.

Alteingesessene Gastwirte finden keine Nachfolger, viele Restaurants und Cafés stehen leer. Und manchem Neueinsteiger geht nach einem Jahr schon die Luft aus.

Beispiele sind etwa das Traditionsgasthaus Zur Krone in Witzenhausen und die Wichtelstuben in Witzenhausen-Ermschwerd oder das Café Deichmann und die Weinstube im Kurpark von Bad Sooden. Der Ratskeller in Großalmerode hat nach jahrelangem Leerstand, einem kurzen Intermezzo mit einer Pächterfamilie nun nach erneuter Vakanz endlich einen neuen Betreiber gefunden.

Den anhaltenden Rückgang an gastronomischen Betrieben sieht Christian Pelikan, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Werra-Meißner-Kreis, im demografischen Wandel und zudem am Mangel vor allem an „praktischen Arbeitskräften“ begründet. In der Gastronomie habe sich eine ganze Menge gewandelt. Vor 25 Jahren sei einfacher gegessen worden, heute wünschten die Gäste ein niveauvolleres Angebot.

So sei es auch zu einer Marktbereinigung gekommen, die Zahl der Restaurants habe sich in den vergangenen 20 Jahren halbiert. Er schätzt, dass es im Werra-Meißner-Kreis noch rund 180 Gastronomiebetriebe gibt. Den Rückgang hat auch die Dehoga zu spüren bekommen: Aktuell sind laut Pelikan 70 Betriebe im Verband organisiert. Vor zehn Jahren waren es 140. Und vor 20 Jahren habe es allein in Bad Sooden-Allendorf 70 Mitgliedsbetriebe gegeben.

Für Geschäftsführer Marco Lenarduzzi vom Geo-Naturpark Frau-Holle-Land nehmen Hotellerie und Gastronomie im Tourismus aber eine Schlüsselposition ein. „Menschen die unsere Region besuchen, möchten auch regionale Spezialitäten essen“, sagt er. Wobei die Gäste auch hohe Ansprüche hätten. Leider gebe es etliche Betriebe ohne Konzept und ohne Bemühen um Hinweise im Internet. Hingegen könnten sich Betriebe mit Konzept häufig vor Arbeit kaum retten und hätten Personalmangel. 

So viele Betriebe gibt es in Hessen

Ende 2017 gab es in Hessen insgesamt 15.170 gastronomische Unternehmen. Davon waren 10 430 Restaurants, Gaststätten, Imbisse, Cafés, Eisdielen und ähnliches. Hinzu kommen 2958 Hotels, Gasthöfe, Pensionen und ähnliche Beherbergungsbetriebe. Das hat das Hessische Statistische Landesamt erhoben. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor, auch keine konkrete Angaben für den Werra-Meißner-Kreis.

Ende 2017 gab es in Hessen insgesamt 15.170 gastronomische Unternehmen. Davon waren 10 430 Restaurants, Gaststätten, Imbisse, Cafés, Eisdielen und ähnliches. Hinzu kommen 2958 Hotels, Gasthöfe, Pensionen und ähnliche Beherbergungsbetriebe. Das hat das Hessische Statistische Landesamt erhoben. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor, auch keine konkrete Angaben für den Werra-Meißner-Kreis.

Ein ausführliches Interview mit Kreis-Dehoga-Chef Christian Pelikan sowie zwei Beispiele von Lokalitäten, die einen Nachfolger suchen, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

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