Witzenhausen

100.000 Tonnen Gips pro Jahr: VG Orth will Abbau in Hundelshausen ausweiten

Blick in den Tagebau: Seit Anfang der 1920er-Jahre wird in Hundelshausen Gips abgebaut.
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Blick in den Tagebau: Seit Anfang der 1920er-Jahre wird in Hundelshausen Gips abgebaut.

Deutlich mehr Gips als bisher will die Firma VG Orth in Hundelshausen abbauen. Auch Lagerstätten im Meißnerland sollen erschlossen werden, kündigt der Geschäftsführer Thomas Bremer an.

Hundelshausen - 70.000 Tonnen Gips im Jahr fördert das Unternehmen, das seinen Sitz im niedersächsischen Stadtoldendorf (Landkreis Holzminden) hat, derzeit an der Nordwestflanke des Roggenberges. Künftig soll der Hundelshäuser Tagebau 100.000 Tonnen im Jahr liefern. In den Blick nimmt VG Orth Naturgipsvorkommen in den Bereichen Altes Gericht, Vollungsattel, Gottesberg, Krösselberg bei Abterode und Flächen in der Gemeinde Berkatal.

Diese Vorkommen sind seit 120 Jahren bekannt und wurden in den vergangenen 30 Jahren näher untersucht. Weitergehende Erkundungsbohrungen sind in diesem Jahr geplant. Ein Teil der Flächen sind bereits als mögliche Abbaugebiete im Regionalen Raumordnungsprogramm ausgewiesen. Anträge für die Aufnahme ins Programm hat VG Orth für Vollungsattel und Gottesberg gestellt. Sie werden derzeit geprüft.

Sowohl das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) als auch das Regierungspräsidium stehen laut Geschäftsführer Bremer der Einleitung von Verfahren zur Genehmigung des Abbaus offen gegenüber. Amt und Präsidium wollten „Strukturbrüche vermeiden und die lokale Wertschöpfung erhalten“. Der Tagebau in Hundelshausen, der Anfang der 1920er-Jahre von den Kurhessischen Gipswerken Peter Orth in Betrieb genommen wurde, beschäftigt heute unter Werksleiter Uwe Wildner 68 Mitarbeiter. Sie stellen hauptsächlich Wandbauplatten, Trockenmörtel und Spachtelmassen her. Hinzu kommen 120 Mitarbeiter in Zuliefer- und Servicebetrieben.

Staplerfahrer beim Verladen: VG Orth produziert in seinem Werk in Hundelshausen Wandbauplatten, Trockenmörtel und Spachtelmassen.

Grund für die Ausweitung des Gipsabbaus in Nordhessen, aber auch in anderen Teilen der Bundesrepublik, ist der Ausstieg Deutschlands aus der Verstromung von Kohle. Dieses Ziel verfolgt die Bundesregierung seit 2010. 2020 hat der Bundestag beschlossen, bis spätestens 2038 sämtliche Kohlekraftwerke zu schließen.

Das Problem: In den Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen (REA), die dort seit 1974 vorgeschriebenen sind, fällt Calciumsulfat-Dihydrat an, künstlicher Gips. Aus diesem REA-Gips wurde bisher ein großer Teil der Gips-Baustoffe, darunter Wandbauplatten, Deckensysteme und Leichtputze, hergestellt. Die Rohstoffquelle versiegt nun. „Wir verarbeiten derzeit allein in Hundelshausen 25 000 Tonnen REA-Gips im Jahr“, berichtet Werksleiter Wildner.

Theoretisch lässt sich die Lücke durch das Recyceln bereits verbauten Gipses füllen, erläutert Bremer. Allerdings sei die Rechtssicherheit beim Einsatz solchen Materials unzureichend. Deutschland exportiere deshalb „große Mengen“ ins benachbarte Ausland. „Gips ist ein unverzichtbarer Baustoff, um die Anforderungen an die Raumbildung sowie an den Brand- und Schallschutz, an die Feuchteregulierung und den Wärmeschutz zu erfüllen“, betont der Geschäftsführer. (Michael Caspar)

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