Einer der größten Feuerwehreinsätze der letzten Jahre

Großbrand in Witzenhausen: Bevölkerung über das Radio gewarnt

Zwei Feuerwehrleute löschen brennende Papierballen auf dem Gelände der Recyclingfirma Heil in Witzenhausen.
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Helfer waren 42 Stunden im Einsatz: Die Glut hatte sich tief in die Papierballen auf dem Gelände der Recyclingfirma Heil gefressen, selbst nach langem Bewässern flammte das Feuer immer wieder auf.

Der Großbrand auf dem Gelände der Firma Heil Recycling in Witzenhausen am Wochenende, war erst am Montagmorgen, nach 42 Stunden, komplett gelöscht. Eine erste Bilanz.

Witzenhausen - Es war einer der größten Einsätze für die Feuerwehren der Region in den vergangenen Jahren: Laut Einsatzleiter Claus Demandt waren insgesamt mehr als 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz vor Ort. Bei dem Brand, der am Samstagmittag vermutlich nach einem technischen Defekt ausgebrochen war, sind nach Angaben der Polizei mehr als 100.000 Euro Schaden entstanden.

Die Schwierigkeiten

Insgesamt brannten mehr als 1000 Tonnen Altpapier, die zu Ballen mit jeweils rund 500 Kilo Gewicht zusammengepresst waren, berichtet Demandt. „Die Glut frisst sich tief in die Ballen hinein.“ Daher habe es zunächst weniger Flammen, aber eine enorme Rauchentwicklung gegeben, vor der die Bevölkerung über das Radio gewarnt wurde.

Jeder der mehr als 2000 Ballen habe aus den Stapeln geholt, mit Baggern, Gabelstaplern und Radladern auf eine Freifläche gezogen und auseinandergerissen werden müssen, um alle Glutnester löschen zu können. „Das war eine echte Fleißarbeit“, sagt Demandt. Gleichzeitig habe die Wehr verhindert, dass die Flammen auf die angrenzende Böschung sowie Gebäude übersprangen.

Die Löschaktion

Den Einsatz von Schaum habe die Wehr beendet, nachdem sie Informationen von einem ähnlichen Brand in Aschaffenburg bekommen hatte, so Demandt. Bei dem hätte sich gezeigt, dass man brennende Papierballen nur mit extrem viel Wasser sinnvoll löschen könnte. Also lenkten die Wehren tausende Liter Wasser pro Minute auf die Ballen. Zunächst habe man dazu auf das Leitungsnetz der Stadt zurückgreifen müssen, ab der Nacht zu Sonntag habe man über mehrere Schlauchleitungen genug Wasser aus dem benachbarten Bach entnehmen können, sagt Demandt: „Ohne die Gelster hätten wir ein großes Problem gehabt.“ Denn die Hochbehälter für das Trinkwassernetz wären sonst irgendwann leer gewesen, dann hätte man Wasser mit Fahrzeugen holen müssen.

Der Katastrophenschutz

Es sei sofort klar gewesen, dass das ein langer Einsatz werden und viele Helfer benötigt würden, sagt der erfahrende Wehrführer. Über den Katastrophenschutz konnten Einsatzkräfte aus dem ganzen Landkreis und Bornhagen in Thüringen angefordert werden. Sechs Städte und Gemeinden schickten je einen Katastrophenschutz-Zug, die aus Feuerwehrleuten von mehreren Wehren zusammengestellt wurden. Der Vorteil: Es bleiben Kameraden in den Heimatorten zurück, falls es dort zu Bränden oder Unfällen kommt. „Der Grundschutz der Bevölkerung war so weiterhin gesichert“, betont Demandt. Die Einsatzleitung erstellte ein Schichtsystem, sodass die Helfer Anfahrt und Einsatz besser planen konnten. Eine Hauptschicht habe etwa sechs Stunden gedauert, so Demandt. Einzelne Einheiten seien auch deutlich länger im Einsatz geblieben.

Die Zusammenarbeit

Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit THW und DRK? „Saugeil!“, sagt Demandt spontan und hörbar stolz. Bei Einsätzen wie diesem zahle sich aus, dass die Wehren im Kreis eng mit anderen Hilfsorganisationen zusammenarbeiten und üben. So würden sich die Helfer kennen und auf Augenhöhe arbeiten. „Man darf nicht an den Strukturen für Einsatzkräfte sparen“, betont der Wehrführer. „In solchen Situationen braucht man sie.“ In einem emotionalen Post im sozialen Netzwerk Facebook dankte Demandt nach Einsatzende allen Helfern - und fand viel Zuspruch bei den Nutzern.

Das THW aus dem Kreis, das von weit entfernten Ortsverbänden aus Bad Hersfeld, Homberg/Efze und Dillenburg verstärkt wurde, übernahm laut Demandt die gesamte Logistik, versorgte die Wehren mit Kraftstoff, sorgte nachts für Licht, Fahrzeuge und Transportmöglichkeiten.

Das DRK versorgte die von der großen Hitze erschöpften Helfer rund um die Uhr mit Essen und Getränken. Der Rettungsdienst habe sich um zwei Kameraden kümmern müssen: Eine Feuerwehrfrau wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht, ein Feuerwehrmann bekam zwischenzeitlich Kreislaufprobleme.

Die Corona-Pandemie

„Man verlernt sein Handwerk nicht“, sagt Demandt mit Blick auf die in der Pandemie stark eingeschränkten Übungsdienste. Zudem habe die Wehr in diesem Jahr bei Bränden in Walburg und Laudenbach und dem Hochwasser in Gertenbach viel Einsatzpraxis gesammelt. (Friederike Steensen)

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