Norbert Heinemann wird 65

49 Jahre im Dienst der Stadt: Witzenhausens Kämmerer geht in den Ruhestand

Nach 49 Jahren ist Schluss mit Aktenbergen: Heute hat Witzenhausens Kämmerer Norbert Heinemann seinen letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand.
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Nach 49 Jahren ist Schluss mit Aktenbergen: Heute hat Witzenhausens Kämmerer Norbert Heinemann seinen letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand.

Fast ein halbes Jahrhundert hat Norbert Heinemann bei der Stadt Witzenhausen gearbeitet. 1972 begann er dort seine Ausbildung, am heutigen Freitag geht er als Kämmerer in den Ruhestand.

Witzenhausen – Dass aus ihm, dem fußballbegeisterten Jugendlichen, mal der Herr der Zahlen seiner Heimatstadt werden würde, hätte Norbert Heinemann nie gedacht. Mathe war nicht unbedingt sein Lieblingsfach, dass er 1972 einen Ausbildungsplatz für eine Beamtenlaufbahn bei der Stadtverwaltung ergatterte, war eher Zufall. Dennoch hat der Witzenhäuser, der heute 65 Jahre alt wird und gleichzeitig in den Ruhestand geht, immer noch viel Spaß daran.

Nicht einmal ein Praktikum hatte er vorab im Rathaus gemacht, sagt Heinemann: „Ich war unvorbelastet.“ Interessiert stürzt er sich in die Ausbildung – und fällt früh dem damaligen Kämmerer Helmut Bornkessel auf. Der wird sein „Ziehvater“, nimmt ihn mit in Sitzungen, fördert ihn und baut ihn zum Nachfolger auf. Menschlich passt es und Heinemann merkt, dass ihm die Finanzverwaltung liegt. Die Zahlen im Haushalt sind für ihn stets mehr als Ziffern: „Dahinter stehen ja viele Projekte und die Entwicklung der Stadt“, sagt der Kämmerer, der es mag, nah an den politischen Entscheidungen zu sein. „Das ist bis heute spannend.“

Skepsis bei den ersten Computern

In den fast 50 Jahren seit dem Start seiner Ausbildung hat sich die Finanzabteilung verändert: Am Anfang hantierte er noch mit Karteikarten und Zetteln und addierte Personalkosten händisch. Ab den 1990er Jahren kam Hilfe in Form von Computern. „Wir waren in Sachen EDV damals führend im Kreis“, erinnert sich Heinemann und verrät: „Am Anfang haben wir sicherheitshalber die Ausdrucke des PCs nochmal selbst nachgerechnet.“

1993 wird Heinemann Leiter der Kämmerei, plant und gestaltet den Haushalt. 2004 übernimmt er die gesamte Finanzabteilung samt Stadtkasse – rechtzeitig zur Umstellung der kameralistischen auf die doppische Haushaltsführung. Was ist das denn? Hier zeigt sich Heinemanns Talent, auch komplizierte Inhalte verständlich zu erklären: Die Kameralistik berechne Einnahmen, Ausgaben und Überschüsse – „wie bei einem Verein“, sagt Heinemann. Die Doppik berücksichtige auch laufende Kredite und Abschreibungen, wie die Bilanzbuchhaltung einer Firma. „Die Kameralistik war für Laien einfacher nachzuvollziehen“, sagt Heinemann, der regelmäßig Mandatsträgern Grundlagen, Begriffe und Details zum Haushalt erklärt. Auch für ihn war die Umstellung schwierig.

Doch er fuchst sich rein – ebenso wie 2007, als er zusätzlich Leiter des Bauhofs wird. „Ich hatte keine Ahnung von Radladern und Heckenscheren. Ich kannte nur die Rechnungen dafür“, sagt er lachend. Um das zu ändern, macht Heinemann 14 Tage Praktikum im Bauhof, um sich mit den Abläufen vertraut zu machen. „Das war eine gute Erfahrung.“ Auch auf die interne Umstrukturierung der Verwaltung blickt er ohne Grausen zurück, weil er immer gern dazulernt: „Das Austüfteln von neuen Strukturen, das ist schon meins.“

Schwierige Phasen und gute Teams

Die schwierigste Zeit? Heinemann muss nachdenken. „Auch finanziell schwere Zeiten waren durchaus gut“, sagt er dann. Als die Stadt 2012 unter den Schutzschirm musste, rückten unter Bürgermeisterin Angela Fischer Politik und Verwaltung zusammen – mit Erfolg. Schwierig findet er, dass er Entscheidungen mittragen muss, die er teils selbst für falsch hält.

Wenn Heinemann heute geht, weiß er „seine“ Finanzabteilung bei Frauke Sebering in guten Händen. Seit mehr als einem Jahr arbeitet Heinemann die Steuerberaterin nebenbei ein. „Das gibt einen fließenden Übergang.“ Im Parlament oder Seniorenrat wird man ihn künftig nicht treffen: Er strebt keine Ehrenämter in der Politik an.

Als Vorsitzender des SSV Witzenhausen macht er aber weiter, immerhin ist er seit der Gründung 1972 dort aktiv, war Spieler, Kassierer und Jugendbetreuer, packt bei der Altpapiersammlung mit an. „Ich arbeite gern mit Jugendlichen, das hält jung“, so der Vater zweier erwachsener Söhne, der mit Ehefrau Susanne auf Enkelkinder hofft. (Friederike Steensen)

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