Studium ohne Abitur

50. Examsjubiläum: Agraringenieure trafen sich in Witzenhausen

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Sind auch nach 50 Jahren der Landwirtschaft verbunden: Jürgen Schmidt (von links), Gerald Poppinga, Gerd Meyer, Günter Farr, Reinhard Maiwald, Hans Wilhelm Meier und Volkmar Breul haben 1969 ihr Examen an der Max-Eyth Schule abgelegt.

Witzenhausen. Ohne Abitur absolvierten sie das Studium an der Ingenieurschule. 50 Jahre später trafen sich die erfolgreichen Absolventen in Witzenhausen wieder.

„Mittlere Reife, landwirtschaftlicher Gehilfenbrief und ein Jahr Berufserfahrung, das waren die Grundbedingungen für die Zulassung zum Studium“, erzählt Volkmar Breul aus Trubenhausen. Er hat das Treffen zum 50. Examensjubiläum organisiert.

Von den damals 17 erfolgreichen Absolventen waren sieben gekommen. Mehrere sind verstorben, andere waren aus gesundheitlichen Gründen verhindert.

Die jungen Männer, die 1966 in Witzenhausen das Studium an der Ingenieurschule Max Eyth aufnahmen, hatten alle kein Abitur, dafür bereits Berufserfahrungen. Zwischen 19 und 23 Jahre waren sie alt, strebten den Beruf des Landwirtschaftsingenieurs an.

Aus einem bäuerlichen Betrieb stammten aber nur drei von ihnen. Auf sechs Semester war das Fachhochschulstudium angelegt, in denen wie heute Boden-, Pflanzen- und Tierkunde gepaukt wurde, aber auch Betriebswirtschaft und Statistik.

Ihre Ingenieurschule war 1971 in die Gesamthochschule Kassel übergeleitet worden, gehört zu den Vorgängereinrichtungen des Fachreichs Ökologische Agrarwissenschaften. Das Examensjubiläum nahmen die Jubilare zum Anlass, sich in der Hochschule gründlich über die heutigen Studienbedingungen zu informieren. „Wir hatten noch keine Spezialisierung“, beschreibt Gerd Meyer aus Plön den größten Unterschied zum heutigen Studium.

Vor 50 Jahren: die Absolventen der Ingenieurschule für Landbau in Witzenhausen.

Von den sieben damaligen Absolventen sind übrigens nur drei direkt in der Landwirtschaft tätig geworden, zwei übernahmen die elterlichen Betriebe, einer arbeitete als Verwalter. Zwei waren bei staatlichen Stellen tätig, einer wurde Immobilienmakler im landwirtschaftlichen Bereich. Die weiteste Anreise hatte Gerald Poppinga. Die Liebe hat ihn nach Irland verschlagen, wo er eine Firma zum Vertrieb von Pflanzenschutzmittel betrieb.

Die Unruhen der 68er-Jahre waren auch im beschaulichen Witzenhausen spürbar. „Wir haben richtig gestreikt“, erzählt Gerald Poppinga, „wir wollten den Schütte verschütten“. Ernst Schütte war bis 1969 hessischer Kultusminister. In seine Amtszeit fiel die Auseinandersetzung um die Zukunft der Witzenhäuser Ingenieurschule.

Bis auf zwei der damaligen Absolventen sind alle inzwischen längst im Ruhestand. Volkmar Breul hatte für sie ein umfangreiches Programm organisiert, zu dem auch ein Brauereibesuch und ein Aufenthalt auf dem Hanstein gehörte.

Höhepunkt war dann am Samstag eine Planwagenfahrt zum Bilstein, die vom Bläsercorps des Jagdvereins Hubertus Witzenhausen musikalisch begleitet wurde. Los ging’s stilgerecht mit dem Signal „Aufbruch“ zur Jagd.

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