Angeklagte muss in die Psychiatrie

64-Jährige zündelte in Witzenhäuser Supermärkten: Mehr als vier Jahre Haft für Brandstifterin

Kassel / Witzenhausen. Eine 64 Jahre alte Frau ist wegen versuchter Brandstiftung in zwei Supermärkten in Witzenhausen vom Kasseler Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden.

Die alkoholkranke Angeklagte hatte zuletzt in einer Suchthilfe-Einrichtung in Sontra gewohnt, bevor sie nach der zweiten Tat Ende März vergangenen Jahres festgenommen und in Untersuchungshaft gekommen war.

Ins normale Gefängnis muss sie nicht zurück: Sie wurde unmittelbar nach dem Urteil in die forensische Psychiatrie in Haina/Kloster (Landkreis Waldeck-Frankenberg) eingeliefert.

Staatsanwältin Riemenschneider hatte auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten, Verteidiger Bernd Pfläging auf die Unterbringung nach Paragraf 64 Strafgesetzbuch (Hintergrund) in einer Entziehungsanstalt plädiert.

Die 5. Strafkammer des Landgerichts mit Richter Stanoschek an der Spitze folgte aber der Einschätzung des Gutachters. Der Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann hatte der Angeklagten eine Depression infolge jahrelangen Alkoholmissbrauchs attestiert und eine fortdauernde Gefährdung für die Allgemeinheit festgestellt.

Die zierliche Frau war erst im November 2016 aus dem Gefängnis gekommen, wo sie eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Brandstiftung verbüßt hatte. Die Motive der Frau für das Zündeln blieben in dem Verfahren ungeklärt, denn die Angeklagte äußerte sich nicht dazu. Zu ihren persönlichen Verhältnissen hatte sie lediglich zum Prozessauftakt angegeben, dass sie 1953 in Rheinland-Pfalz geboren wurde und geschieden ist.

Verteidiger Pfläging bezeichnete das Urteil als „relative Katastrophe“ für seine Mandantin und kündigte gegenüber der HNA an, in Revision gehen zu wollen. 

Psychiatrie oder Entzugsklinik?

Nach Paragraf 63 Strafgesetzbuch wurde die Angeklagte in die Psychiatrie in Haina gebracht. Der Unterschied zum Paragrafen 64 ist für die Frau beträchtlich: Nach § 64 hätte sie in einer Entziehungsanstalt eine Therapie mit festgelegter Höchstdauer machen können. 

Die Verurteilung nach § 63 sieht eine anhaltende Gefährdung für die Allgemeinheit. Nach Verbüßung der Haftstrafe muss in bestimmten zeitlichen Abständen festgestellt werden, ob diese Gefährlichkeit andauert oder ob eine Entlassung in die Freiheit möglich ist. Theoretisch kann dies für die 64-jährige bedeuten, dass sie nun bis ans Lebensende eingesperrt bleibt. 

Weitere Details zu Tat und Festnahme sowie eine Stellungnahme der Verteidigung lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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