Die kleinen Fraktionen legen weiter zu

Kommunalwahl: Absturz der großen Parteien in Witzenhausen geht weiter

Startschuss: Am Sonntagabend wurden die Wahlurnen in Witzenhausen geleert, das Zählen konnte beginnen. Unser Bild zeigt die Rathaus-Mitarbeiter Valentina Binder (von links), Michael Polzhuber, Kai Simon, Monika Karnebogen, Tobias Salzmann und Kristin Faßhauer.
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Startschuss: Am Sonntagabend wurden die Wahlurnen in Witzenhausen geleert, das Zählen konnte beginnen. Unser Bild zeigt die Rathaus-Mitarbeiter Valentina Binder (von links), Michael Polzhuber, Kai Simon, Monika Karnebogen, Tobias Salzmann und Kristin Faßhauer.

Die rot-grüne Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung von Witzenhausen ist dahin, dafür konnten vor allem die kleinen Parteien bei der Kommunalwahl Stimmen sammeln.

Witzenhausen - Nach dem Auszählungsergebnis, das am späten Dienstagnachmittag um 16.42 Uhr bekannt wurde, können die beiden Koalitionsparteien in der nächsten Legislaturperiode nur 18 Sitze auf sich vereinen. Das sind zwar mehr als beide in der vergangenen Legislaturperiode hatten – aber weil das Stadtparlament von 31 auf 37 Sitze vergrößert worden ist, liegt die Mehrheit nun bei 19 Stimmen statt wie vorher bei 16 Stimmen.

Insgesamt kam die SPD bei der Wahl am Sonntag als stärkste Kraft zwar auf 28,58 Prozent der Stimmen. Die Genossen verloren aber im Vergleich zur Wahl 2016 insgesamt 6,47 Prozentpunkte. Die Grünen dagegen haben mit 18,57 Prozent ihr Ergebnis von 2016 (15,92 Prozent) nochmals verbessert. Auch die CDU musste deutlich Federn lassen und verlor mit einem Wahlergebnis von 23,95 Prozent insgesamt 3,33 Prozentpunkte (2016: 27,28 Prozent).

Insgesamt hat sich der Trend fortgesetzt, der sich schon vor fünf Jahren abgezeichnet hatte: Die Volksparteien SPD und CDU verlieren in der Wählergunst, kleine Parteien und Wählergruppen können auftrumpfen. Am deutlichsten gelang das der Bunten Liste/AfW, die mit 7,19 Prozent ihr vorheriges Wahlergebnis von 2016 (4,79 Prozent) um ein Drittel verbesserte. Auch die FDP mit 6,74 Prozent (2016: 4,66 Prozent) und die Freien Wähler (FWG) mit 8,26 Prozent (2016: 7,77 Prozent) legten in der Wählergunst weiter zu.

Ergebnis der Kommunalwahl 2021 in Witzenhausen.

Der Lohn: Für alle dieser drei Fraktionen gibt es künftig einen Sitz mehr. Die aufwendige Vorbereitung für die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung und den Ausschüssen verteilt sich also auch bei den kleinen Fraktionen künftig auf mehr Schultern und entlastet die einzelnen Mitglieder. Genau das war das Ziel der Parlamentsvergrößerung gewesen.

Nicht profitieren wird davon die Partei „Die Linke“: Ihr Ergebnis sank leicht auf 3,72 Prozent (2016: 4,54 Prozent), es bleibt bei einem Sitz. Ebenfalls ein Sitz geht an die Satire-Partei „Die Partei“, die erstmals für die Stadtverordnetenversammlung kandidierte und trotz eines Wahlprogramms mit Vorschlägen wie einem Kreisverkehr über der Werra und einer Salzheringsfabrik in der Wendershäuser Aue immerhin 2,98 Prozent der Stimmen errang.

Der parteilose Bürgermeister Daniel Herz, der bei seiner Wahl 2018 von der FWG unterstützt worden war, muss weiterhin bei mehreren Fraktionen um Unterstützung für seine Anliegen werben; mit 8,26 Prozent ist die FWG weiter weit von der Mehrheit entfernt.

Insgesamt votierten 6857 Wahlberechtigte, die Beteiligung lag mit 56,36 Prozent leicht über der vor fünf Jahren (51,73 Prozent). (Friederike Steensen)

Anmerkung: Bis Redaktionsschluss um 18 Uhr konnten leider nicht alle Fraktionen erreicht werden. Wir liefern die Stellungnahmen der Kandidaten zur Wahl in der Donnerstagsausgabe nach.

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