Frau sollte sofort Ausdruck für Lastschriftverfahren ausfüllen

Abzockversuch: Firma sammelt Geld für angebliche Luftrettung

Witzenhausen. Einen ominösen Besuch bekam kürzlich eine HNA-Leserin, die anonym bleiben möchte: Ein Mann klingelte an ihrer Haustür und gab sich als Vertreter der TC Medical Air Ambulance Agency GmbH aus.

Er behauptete nach Angaben der Frau, die Luftrettung würde in Deutschland privatisiert werden. Das hätte schwerwiegende Folgen. Wenn sie nicht einen monatlichen Beitrag von neun Euro zahlen würde, könnte nicht mehr garantiert werden, dass sie im Notfall mit einem Hubschrauber abgeholt würde.

Besonders pikant: Er hatte einen Ausdruck für ein Lastschriftverfahren dabei, den die Frau direkt zwischen Tür und Angel ausfüllen sollte. Aber: Am Ende des Jahres bekäme man das Geld zurück, wenn keine Luftrettung in Anspruch genommen worden wäre.

Druck auf die Tränendrüse 

Zehn Minuten lang redete er auf die Frau ein, um sie zur Unterschrift zu bewegen. Auf Nachfragen habe er meist plausibel geantwortet, an einigen Stellen aber auch auf die Tränendrüse gedrückt: Er habe ihr ein Bild von seinem Sohn gezeigt und gefragt, was wäre, wenn ihre Liebsten mal eine Luftrettung bräuchten. Dann würde sie doch auch nicht wollen, dass dann keine Hilfe zur Verfügung stünde.

Die HNA-Leserin bat um Informationsmaterial zum Thema. So etwas gebe es nicht, denn das Geld dafür würde in die Luftrettung gesteckt, so der Mann.

Die Frau weigerte sich, sich ad hoc an der Tür zur Teilnahme zu entscheiden. Daraufhin habe er geantwortet: „Wenn Sie dann mal eine Luftrettung brauchen und wir auch keine Lust haben, ad hoc zu entscheiden, dann werden Sie eben nicht gerettet.“

Die Firma TC Medical Air Ambulance Agency GmbH sitzt laut ihrer Homepage in Meudt (Rheinland-Pfalz) und ist bereits in den Neuen Bundesländern mit ähnlichen Maschen aufgefallen. Die Mitarbeiter gaben sich beispielsweise als AOK-Vertreter aus. Holger Gerhold-Toepsch kennt solche Fälle. Er ist Leiter des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kassel-Wolfhagen und damit auch mit dem Einsatz des Rettungshubschraubers Christoph 7 betraut: „Das ist nicht das erste Mal, dass ich von so etwas höre. Dabei handelt es sich um einen klassischen Betrugsversuch.“ Denn: Die Luftrettung werde ebenso wie die Bodenrettung über die Krankenkassenbeiträge abgesichert. Weil aber die Luftrettung so spektakulär ist, versuchten es Betrüger immer wieder, damit schnelles Geld zu verdienen.

Wie Jörg Künstler, Sprecher der Polizeidirektion Werra-Meißner mitteilte, ist über eine solchen Fall im Kreis bisher noch nichts bekannt.

Eine Liste mit Tipps der Polizei gegen Betrüger an der Haustür lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

Rubriklistenbild: © privat/nh

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