Ärger über Sportplatz „Am Sande“

Eltern kritisieren Trainingsbedingungen für Nachwuchskicker des SSV in Witzenhausen

Sind sauer über die Trainingsbedingungen beim SSV Witzenhausen auf dem Sportplatz „Am Sande“: Nick Dietrich (von links), Maximilian Nell, Trainer Ralf Dietrich und Kiarash Bakaiean von der D-Jugend.
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Sind sauer über die Trainingsbedingungen beim SSV Witzenhausen auf dem Sportplatz „Am Sande“: Nick Dietrich (von links), Maximilian Nell, Trainer Ralf Dietrich und Kiarash Bakaiean von der D-Jugend.

Wer darf von den Jugendmannschaften im Stadion trainieren, wer muss auf den Platz außerhalb der Stadt? Eltern kritisieren die Trainingsbedingungen in Witzenhausen scharf.

Witzenhausen – Vor drei Wochen warben gemeinsam die Fußballvereine aus Witzenhausen und Umgebung in den sozialen Netzwerken mit einem Video, um neue Kinder für den Vereinsfußball zu begeistern. Wichtiger Bestandteil, damit die Kinder überzeugt werden und auch bei der Stange bleiben, sind gute Trainingsbedingungen. An diesen mangelt es aber sehr bei der D-Jugend des Siedlersportvereins (SSV) Witzenhausen, finden Eltern und Trainer.

„Bis auf Teile der Bambinis, die E-Jugend, die F-Jugend und meine Mannschaft sind alle Jugendmannschaften aus Witzenhausen auf die Dörfer geflohen“, sagt Ralf Dietrich, Trainer der D-Jugend. Die F-Jugend darf weiterhin im Stadion trainieren, da stellt sich einigen Eltern die Frage, warum das nicht auch für die anderen Jugendmannschaften gilt. „Mit der Leitung der Jugendspielgemeinschaft Witzenhausen ist abgestimmt, aufgrund der Defizite am Sande und der geringen Belastung des Platzes, die F-Jugend im Stadion trainieren zu lassen“, erklärt Norbert Heinemann, Vorsitzender des SSV in der Stellungnahme.

Betroffene Eltern fragen sich, ob die elf- bis dreizehnjährigen Kinder tatsächlich den Rasen mehr belasten. Davon ab sollten die Trainingsbedingungen für die Kinder am Sande genauso gut sein wie im Stadion. Das sind sie aber nicht, kritisieren sie. Der Rasen sei meist viel zu trocken und sehr uneben, was die Verletzungsgefahr erhöht. So müssten die Kinder im Sommer sehr oft mit langen Hosen trainieren. Sanitäranlagen gibt es keine, was bei der gemischten Mannschaft besonders für die Mädchen unangenehm sei.

Keine Sanitäranlagen am Sportplatz

Ohne Sanitäranlage gibt es auch kein Wasser, deswegen schleppt Ralf Dietrich immer einen Fünf-Liter-Wasserkanister mit zum Training. Nur so können sich alle die Hände waschen. „Auf dem Sportgelände Am Sande gibt es keinen Anschluss an die Wasserversorgung“, bestätigt Heinemann. „Insofern besteht keine Möglichkeit, sich wie gewohnt die Hände zu waschen. Dem Hygienekonzept wird durch einen Wasserkanister mit Zapfhahn Rechnung getragen.“

Auch das Trainingsequipment muss Ralf Dietrich zu jedem Training mitbringen, weil die Fertiggarage zum Lagern der Utensilien in einem maroden und dreckigen Zustand ist. Auch ein Unterstellplatz fehlt, weshalb schon zehn Kinder bei starkem Regen Unterschlupf im Kombi des Trainers suchten. Das Training musste deswegen bei heißem Wetter oder Regen schon öfters abgesagt werden. Dietrich sucht immer noch zwei Bälle, weil sich die Kinder nicht ins hüfthohe Gras trauen. Das einzige, womit dieser Platz glänzen könne, ist das Flutlicht, sagen die wütenden Eltern.

Stadt ist für Bedingungen verantwortlich

Für die Bedingungen am Sande ist aber nicht der Verein, sondern die Stadt verantwortlich. „Warum darf ein Teil der Jugendmannschaften unter besten Bedingungen trainieren“, sagt Corinna Nell, Mutter eines Kindes. „Und der andere Teil wird kontinuierlich und mit absurden Begründungen auf einen besseren Acker geschickt?“ Andere Eltern wollten nicht namentlich in der Zeitung genannt werden.

Auf einem Fußballplatz außerhalb von Witzenhausen zu kicken, sei keine Alternative, erklärt Ralf Dietrich: „Die Mannschaft hat einen Migrationsanteil von 30 Prozent und einige alleinerziehende Eltern. Deswegen ist das nicht umsetzbar und würde zu viel Zeit rauben.“

Einen Appell hat die Mannschaft derweil noch an Hundebesitzer: „Bitte leint eure Hunde an!“ Denn schließlich werde das Training leider oft genug von mitspielenden Hunden unterbrochen. (Hendric Woltmann)

Das sagt die Stadtverwaltung

Die Stadt Witzenhausen ist Eigentümer der Fußballplätze und für diese verantwortlich, die Belegung regeln die Vereine selbst – in diesem Fall der SSV Witzenhausen und die Jugendspielgemeinschaft, sagt Bürgermeister Daniel Herz auf Anfrage. Das Stadion habe vor zwei Jahren eine neue Bewässerungsanlage erhalten. „Erst seit dem haben wir dort eine ansprechende Rasenqualität. Dass der Platz „Am Sande“ nicht diese Qualität hat, wissen wir als Stadt“, sagt Herz. Die Stadt werde für den Zeitraum der Winterpause wieder Maßnahmen treffen. „Dies ändert nichts daran, dass dort keine sanitären Anlagen etc sind. Dies hängt unter anderem mit dem Überflutungsgebiet zusammen“, sagt Herz. „An Maßnahmen und Lösungen arbeiten wir indes schon, ebenso wie der SSV.“ (zwo)

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