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Ärzte im Werra-Meißner-Kreis setzen Protest fort

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Von: Stefan Forbert

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An einer Tür zu einer Arztpraxis hängt ein Schild mit der Aufschrift „Die Praxis bleibt geschlossen“
Ein paar Arztpraxen im Werra-Meißner-Kreis bleiben heute aus Protest gegen die aktuelle Gesundheitspolitik geschlossen. © Patrick Pleul

Haus- und Fachärzte im Werra-Meißner-Kreis – insbesondere im Raum Bad Sooden-Allendorf, Großalmerode und Hessisch Lichtenau – setzen ihren Protest gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung fort.

Werra-Meißner – Wie schon im Oktober und November lassen die niedergelassenen Ärzte ihre Praxen am heutigen Mittwoch geschlossen – zum dritten Mal. Sie folgen damit dem Aufruf ihrer Berufsverbände.

Existenz mancher Arztpraxis sei massiv gefährdet, begründet Dr. Klaudia Ress (Hessisch Lichtenau), Vorsitzende des Ärztebündnisses Werra-Meißner, den Protest. Während die Kosten für die Unterhaltung der Praxen und auch das Personal steigen, verordneten die Krankenkassen den Ärzten Nullrunden.

Das schrecke vor allem potenzielle Landärzte ab, eine Praxis aufzumachen oder zu übernehmen – was sich im Landkreis fataler auswirke als in Ballungszentren. Ein Großteil der niedergelassenen Ärzte in der Region sei um die 60, sagt Ress. Und: „In fünf Jahren gibt es hier die Katastrophe.“

Die Streichungen durch die Politik, so Ress, arbeiteten dabei gegen die Aktionen im Kreis, mit denen heimische Akteure im Gesundheitswesen gegen den immer stärker drohenden Ärztemangel anzukämpfen versuchen. Dorn im Auge sind ihr und Kollegen die Sparbemühungen auf Kosten der Ärzte und der Patienten, die Budgetierung und die Festschreibung einer maximalen Anzahl an Patienten.

Die „Überbürokratisierung und Digitalierung“, die mehr Probleme schaffe als helfe, nennt Dr. Philipp Siebrasse, einer der Ärzte der Praxis „Hausärzte am Bahnhof“ in Eschwege, als besonderes von Politik und Krankenkassen verursachtes Ärgernis. „Wir möchten mehr Zeit für die Patienten haben statt für elektronische Krankmeldung und perfekte Datenaufbereitung für die Kassen“, sagt Siebrasse. Man stehe hinter dem Protest, die Praxis ist heute aber wegen organisatorischer Schwierigkeiten geöffnet.

Dr. Jens Haase (Eschwege), Sprecher des Ärztenetzes Werra-Meißner, hat seine Praxis heute ebenfalls nicht geschlossen: „Wir wollen den Protest gegen die Gesundheitspolitik nicht gern auf dem Rücken der Patienten austragen.“ Allerdings sei zu befürchten, sagt er, dass „in nicht allzu langer Zeit die Patienten die Fehler der Gesundheitspolitik ausbaden müssen“.

Dr. Ress ist da rigoroser: Man müsse dem bundesgesundheitsminister jetzt „Halt sagen“, sonst werde noch weiter gestrichen.

Patienten können auf Listen unterschreiben

Nach dem dritten Protesttag der Haus- und Fachärzte heute organisiert der Hausärzteverband Hessen bereits eine Kundgebung am 15. Februar in Frankfurt. An dem Mittwoch sollen die Praxen auch wieder geschlossen bleiben. Die Patienten werden geben, sich per Unterschrift am Protest gegen die aktuelle Gesundheitspolitik zu beteiligen. Listen dafür liegen in den Praxen aus. Man kann die Petition „für Freie Arztwahl!“ auch im Internet unter tiny.cc/freie-arztwahl unterzeichnen.  (sff)  

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