Geflüchtete Singles müssen sich weiter Zimmer teilen

Corona-Pandemie: Arbeitskreis Asyl fordert mehr Platz für Geflüchtete

Für Geflüchtete: Die Gemeinschaftsunterkunft „Am Frauenmarkt“ in Witzenhausen.
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Für Geflüchtete: Die Gemeinschaftsunterkunft „Am Frauenmarkt“ in Witzenhausen.

Zu viele Menschen auf engem Raum, nicht genug Sanitäranlagen – der Arbeitskreis (AK) Asyl aus Witzenhausen erhebt Vorwürfe zur Unterbringung von Geflüchteten in der Corona-Pandemie im Werra-Meißner-Kreis.

Werra-Meißner – Bei der Kritik geht es konkret um die Gemeinschaftsunterkunft (GU) am Frauenmarkt in Witzenhausen. Der AK Asyl ist nach eigenen Angaben seit Anfang Oktober mehrmals von Geflüchteten über die Lage informiert worden. So müssen sich alleinstehende Männer zu zweit ein Zimmer teilen. Zudem gebe es im Wohnbereich für die Alleinstehenden, wo laut AK Asyl mehr als 25 Menschen leben, nur eine Dusche, zwei funktionierende WCs und ein defektes WC. Die Bewohner müssen sich zudem Küchen teilen. Eine Reinigungskraft putze diese Gemeinschaftsbereiche unter der Woche, aber nicht am Wochenende.

Das ist nach Ansicht des AK Asyl in der Pandemie zu wenig. Die Hygiene- und Abstandsregeln müssten auch in GU möglich sein, sagen die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer, die sich auch auf eine Landtagskommission in Niedersachsen bezieht. Diese fordert mit dem niedersächsischen Flüchtlingsrat unter anderem die Belegungsdichte in GUs zu reduzieren. In Witzenhausen würde ein ganzer Flügel der Unterkunft am Frauenmarkt leerstehen, während sich nebenan fremde Menschen Zimmer teilen müssten, so der AK Asyl.

Doch so einfach sei das nicht, teilt der Werra-Meißner-Kreis auf Anfrage mit: Der besagte Trakt der GU seit seit dem 30. Juni „abgemietet“ und stünde nicht mehr zur Verfügung. „Für jeden Flüchtling, welcher in den Kreis zugewiesen wird, erhalten wir für die ersten zwei bzw. drei Jahre eine Pauschale, aus der alle Kosten für Lebensunterhaltung, Krankenkosten, Unterkunft, Betreuung und Integration bestritten werden müssen. Diese Zahlungen sind steuermittelfinanziert und orientieren sich an der Anzahl der zugewiesenen Personen“, so Kreissprecherin Sylvia Weinert. Die Kapazität der GU in Witzenhausen sei wegen der sinkenden Zahl an Geflüchteten von 130 auf 80 Plätze verringert worden.

Unterkünfte zu 73 Prozent ausgelastet

344 Geflüchtete lebten Stand Mitte November in Gemeinschaftsunterkünften (GU) im Landkreis. Die Auslastung der GU liege bei 73,7 Prozent. „Im Frauenmarkt liegt die Quote bei 73,8 Prozent. Von einer Überbelegung kann also nicht die Rede sein. Die Belegung ist so weit möglich entzerrt“, so Kreissprecherin Sylvia Weinert. Seit der Hochphase 2015 sei der Zahl der Plätze von 1402 Plätzen in 42 GU auf 431 in 9 GU reduziert worden, weil weniger Geflüchtete ankommen.

Zu den weiteren Vorwürfen heißt es vom Kreis: Die Doppelzimmer in der GU seien angemessen für zwei Personen. „Dies ist auch in Altenheimen so, obwohl hier die Bewohner als gefährdeter zu bezeichnen sind.“ Sanitäranlagen und Küchen seien „ausreichend“ vorhanden, technische Defekte würden zeitnah instandgesetzt. Fragen nach der Anzahl ließ der Kreis offen. (fst)

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