Nach Polizeieinsatz in der Nacht zu Donnerstag

Aktion gegen Abschiebung auf dem Marktplatz in Witzenhausen

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Flashmob gegen Abschiebung

Witzenhausen. Auf dem Witzenhäuser Marktplatz war am Freitag eine spontane Demonstration gegen die Abschiebung in der Nacht zu Donnerstag im Gange.

Witzenhausen, Marktplatz, kurz nach 11 Uhr am Markt-Freitag. Auf einmal schallen Herztöne über den Platz, werden immer schneller.

Abrupt verstummen sie, rund zehn junge Menschen fallen zu Boden. Andere ziehen die Körperumrisse mit Kreide nach. Sobald die Frauen und Männer aufgestanden sind, sprüht eine weitere „Abschiebung tötet“ in die Umrisse – es wird klar, hier ist eine spontane Demonstration gegen die Abschiebung in der Nacht zu Donnerstag im Gange. Ein Mann, vermutlich aus Somalia, soll aus seiner Unterkunft in Witzenhausen geholt worden sein. Laut Bündnis gegen Abschiebung in Witzenhausen wurde er nach Frankfurt gebracht und sollte mit einem Flieger nach Italien gebracht werden, habe eine Abschiebung aber verhindern können. 

Während die einen für immer mehr Umrisse auf dem Pflaster sorgen, liest eine weitere Aktivistin – ihre Namen wollen sie alle nicht nennen – Forderungen vor, die speziell an Bürgermeister Daniel Herz gerichtet sind. In der Nacht zu Donnerstag sei wieder ein Mensch in Witzenhausen aus dem Schlaf gerissen „und unter schweren Misshandlungen aus seinem Zuhause deportiert“ worden. 

Herz, so fordert die Aktivistin, solle Verantwortung übernehmen. „Machen Sie Witzenhausen zur abschiebefreien Stadt“, heißt es. Rund fünf Minuten dauert die Aktion, dann rufen alle zusammen „Bleiberecht überall – kein Mensch ist illegal“ und gehen zu Herz, um ihm die vorgetragenen Forderungen zu übergeben.

Herz nimmt das Schreiben entgegen, fragt, ob er sich direkt dazu äußern soll, darauf wird verzichtet. Die Aktivisten gehen weiter. Gegenüber der HNA sagt Herz, dass er als Bürgermeister nichts gegen die Abschiebungen tun könne.

Die Demonstranten entscheiden sich, zur Polizeiwache zu gehen und dort mit den Polizisten, die an der Abschiebung beteiligt waren, zu sprechen. Die sind jedoch nicht im Dienst, wird ihnen von einem Beamten mitgeteilt.

Die Aktivisten erklären, ein Mensch sei unter Verachtung jeglichen Menschenrechts nachts aus dem Bett gerissen worden und forderten den Beamten auf, sich nicht als Polizist, sondern als Mensch zu äußern.

Der Polizist verweist in allen Fragen auf die Pressestelle der Polizei. Pressesprecher Jörg Künstler erklärt zur Abschiebung: „Als Polizei haben wir Amtshilfe für das Regierungspräsidium Kassel geleistet.“ Von einer Körperverletzung an dem Menschen, der abgeschoben werden sollte, sei ihm nichts bekannt.

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