Aktivisten haben Freifunk nach Witzenhausen geholt

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Netz-Aktivist: Student Robert Jabs will dafür sorgen, dass man über das Freifunknetz bald in Witzenhäuser Cafés kostenlos im Internet surfen kann.

Witzenhausen. Mehr kostenloses Internet: Im Stadtkern von Witzenhausen kann man jetzt auch mit Freifunk online gehen.

Alle, die in Witzenhausen kostenlos mit Laptop, Tablet-Computer oder Smartphone ins Internet wollen, haben die Qual der Wahl: Denn neben der Initiative zweier Geschäftsleute, die mit dem werbefinanzierten Konzept „Cityfi“ kostenfreies Surfen ermöglichen wollen (wir berichteten), gibt es nun auch ein kleines Freifunknetz.

Das Ziel

Ins Leben gerufen wurde das von den Transition-Town-Aktivisten Robert Jabs und Gualter Baptista. Sie wollen dafür sorgen, dass Privat- und Geschäftsleute ihre Internetanschlüsse zur Verfügung stellen oder mit dem Aufstellen eines Routers dabei helfen, ein kostenloses Netzwerk in der Stadt aufzubauen. Ihr Ziel: Ein dezentrales, nicht-kommerzielles Bürgernetzwerk, das auch Flüchtlinge nutzen können. „Das soll mehr als nur ein Internetzugang sein“, sagt Jabs. Er könne sich auch vorstellen, dass sich die Nutzer innerhalb des Netzes über Chatprogramme unterhalten, ein virtuelles schwarzes Brett aufbauen oder Konzerte live im Netzwerk übertragen.

Nachdem sich mehrere Mitglieder des Witzenhäuser Haupt-, Finanz- und Rechtsausschusses wegen einer angeblich ungeklärten Haftungsfrage gegen Freifunk ausgesprochen haben - ohne, dass es Kontakt zu Transition Town gegeben hätte - , will Jabs nun das Gespräch mit der Stadt suchen und das Projekt im Magistrat vorstellen.

Die Technik 

„Freifunk ist ein Netzwerk von einzelnen Routern, die über Funk Kontakt zueinander aufnehmen“, erklärt die Göttinger Rechtsanwältin Johanna Feuerhake auf ihrer Internetseite. Je mehr Router zugeschaltet sind, desto größer wird das Netzwerk. Sechs Zugangspunkte gibt es in Witzenhausen - in der Brückenstraße, der Oberburgstraße und der Marktgasse. Bald könnte auch das Café Erner hinzukommen, denn die Bäckerei Ruch will ihre Filialen mit Routern ausstatten.

Die Haftungsfrage 

Bis jetzt scheiterte der Aufbau von Netzwerken über Privatpersonen oft an der sogenannten Störerhaftung. Das heißt: Wenn jemand über einen freien Zugang etwa urheberrechtlich geschützte Musik ins Internet lädt, kann nicht nur der Täter angeklagt werden, sondern auch derjenige, der den Internetanschluss zur Verfügung gestellt hatte.

„Beim Freifunk greift die Störerhaftung aber nicht“, sagt Jabs und verweist auf das Telemediengesetz. Danach - und das hat ein Urteil des Amtsgerichts Charlottenburg bestätigt - gilt Freifunk als Internetanbieter und kann nicht haftbar gemacht werden. „Für den einzelnen Freifunkrouterbetreiber sind Abmahnungen faktisch ausgeschlossen, da der einzelne Router technisch nicht identifizierbar ist“, so die Fachanwältin für Medienrecht, Johanna Feuerhake. Man surft also anonym, eine Anmeldung ist nicht nötig.

Die eigene Sicherheit 

Im Freifunknetz werden unverschlüsselt Daten übertragen. „Man muss daher selbst für die eigene Sicherheit sorgen“, betont Jabs. Beim Online-Banking sollte man eine sichere Verbindung (https://), bei E-Mails ein sicheres Mailprogramm nutzen.

Die Ansprechpartner 

Wer sich beim Aufbau des Freifunk-Netzwerk in Witzenhausen beteiligen möchte, kann sich bei Jabs und Baptista per E-Mail (info@witzenhausen.freifunk.net) melden oder montags ab 20 Uhr zur „Hackers’ Lounge“ ins Transition-Town-Haus (Brückenstraße 20) kommen. Ein Freifunkrouter kostet etwa 20 Euro. Die Witzenhäuser Freifunker arbeiten mit den Aktivisten aus Göttingen zusammen, eine Karte aller Zugangspunkte gibt es daher unter https://freifunk-goettingen.de

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