Entscheidung über Gutachten wird vertagt

Neuer Standort für Aldi in Witzenhausen: Parlament hält zu Spielmannszug

+
Kämpft für sein Vereinsheim: Der Spielmanns- und Fanfarenzug Witzenhausen, der nur ungern Platz für einen neuen Aldi-Standort machen will. Unser Archivbild entstand bei einem Auftritt in Bad Sooden-Allendorf.

Witzenhausen. Die Stadt Witzenhausen und der Spielmanns- und Fanfarenzug erhalten mehr Zeit, um sich über die Standortverlagerung von Aldi und den potenziellen Abriss des Vereinsheims auszutauschen.

Aktualisiert um 15.45 Uhr - Das Parlament beschloss am Dienstag nach erbitterter Debatte über den Umgang der Stadt mit den Musikern, den Abschluss eines Vertrages mit dem Lebensmittelhändler Aldi und die Beauftragung dreier Gutachten zu vertagen.

Was bisher geschah:

Aldi will seinen Standort innerhalb von Witzenhausen verlagern und die Verkaufsfläche von derzeit rund 700 auf über 1000 Quadratmeter vergrößern. Das Parlament sollte nun am Dienstag entscheiden, ob drei Gutachten für die Standortverlagerung in Auftrag gegeben werden sollen, damit Aldi mehr Planungssicherheit bekommt. Würden die derzeit favorisierten Pläne umgesetzt, müsste das Vereinsheim des Spielmannszuges vermutlich dem neuen Aldi-Parkplatz weichen. Die Musiker waren in diese Pläne aber offenbar nicht eingeweiht. 

Die aktuellen Entwicklungen:

Nachdem der Spielmannszug nach eigenen Angaben aus der HNA über das Ausmaß der Pläne erfahren hatte, hatte der Vorstand noch für Montagabend die Fraktionschefs zu einem Gespräch gebeten. Alle bis auf die FDP kamen, Teilnehmer beschreiben die Atmosphäre als konstruktiv.

Im Parlament selbst wurde es allerdings hitzig. „Rechtlich und inhaltlich ist vielleicht nichts versäumt worden, aber zwischenmenschlich schon“, begründeteDr. Rita Weber-Wied  (Grüne) den Antrag der rot-grünen Koalition, die Beauftragung der Gutachten zu verschieben. Auch Markus Keil  (SPD)kritisierte die späte Information der Musiker: „Das Verfahren läuft schon seit vier Jahren!“. Beate Oetzel  (FWG)bemängelte, dass es im Bauausschuss so rübergekommen sei, als seien die Musiker im Boot. Sie mahnte, die Sicht der Betroffenen ernst zu nehmen, zudem seien zu viele Fragen offen. Barbara Schröter  (FWG) wies darauf hin, dass es nicht genug Parkplätze geben würde, wenn am Standort bald drei Läden seien. Dr. Christian Platner  (AfW) forderte eine Bürgerversammlung zur Aldi-Zukunft, weil das Thema so viele Bürger bewege.

Bürgermeisterin Angela Fischer  (CDU) verteidigte das Vorgehen der Stadt: Es gebe noch so viele Probleme auszuräumen, dass es nicht sinnvoll gewesen sei, den Verein vorab in Unruhe zu versetzen. Sie entschuldigte sich beim Verein. Weder Fischer, noch die CDU-Fraktion sahen indes in der Verschiebung der Abstimmung einen Vorteil. „Was soll sich in vier Wochen ändern?“ Das sei nur möglich, wenn die Gutachter gute Gründe im Bereich Verkehr, Einzelhandel oder Klima gegen die Standort-Verlagerung fänden. „Doch dazu müssen wir die Gutachten beauftragen.“

Andreas Gerstenberg  (CDU)ging mit seinen Parlaments-Kollegen hart ins Gericht, weil sie einem Investor, der mehrere Millionen Euro in die Stadt stecken wolle, ohne Gutachten nicht einmal die Chance einer seriösen Planung gäben. „Im Vorfeld alles abzuwürgen scheint einfach die Mentalität der Witzenhäuser zu sein.“ Er sprach sich aber dafür aus, dass der Spielmannszug erst auf jeden Fall in einen neuen Raum ziehe solle, bevor der alte abgerissen werde. Wann das sein wird, sei aber völlig offen, so Jörg Losemann  (CDU). „Es ist nicht so, dass die Bagger morgen rollen. Aber für die Planung brauchen wir diesen Beschluss und diese Gutachten.“ Das war mit SPD, Grünen, FWG, AfW und Linken nicht zu machen. 

Das sagt der Spielmannszug:

„Sind froh, dass viele hinter uns stehen“ Die Bilanz der Musiker des Spielmanns- und Fanfarenzugs, die mit fast 30 Personen zur Parlamentssitzung kamen, fällt weitgehend positiv aus, sagt Vorsitzender Jens Sparbier: „Wir sind überrascht, dass sich doch so viele Parteien hinter uns gestellt haben.“ Dass Bürgermeisterin Angela Fischer ihn direkt angesprochen habe, ohne dass er gemäß Sitzungsordnung etwas erwidern durfte, empfand er aber als unangebracht. Er begrüßt indes, dass nun mehr Zeit für Gespräche mit der Stadt eingeräumt wurde. Der Spielmannszug werde jetzt prüfen, ob das Gebäude überhaupt abgerissen werden darf, weil es erst vor 20 Jahren mit Fördermitteln gebaut wurde, so Sparbier. „Insgeheim hoffen wir, dass eines dieser Gutachten in die Hose geht und die Pläne deshalb nicht umgesetzt werden können.“ 

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.