Landeskirche will Baukostenzuschüsse gezielter verteilen

Alle Kirchen müssen ins Raster

Bedeutende Kulturdenkmäler, aber selten genutzt: die Hospitalkapelle „Zum Heiligen Geist“ in Bad Sooden-Allendorf könnte zur „C-Kirche“ degradiert werden, für die es kaum Förderung gibt. Foto: Archiv, Bretzler

Witzenhausen. 46 Millionen Euro will die Evangelische Landeskirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) bis 2026 einsparen - auch auf Kosten heimischer Kirchengebäude.

Um das Ziel zu erreichen, wird die Landeskirche ihre Baukostenzuschüsse gezielter verteilen.

Das heißt im Klartext: Im Kirchenkreis Witzenhausen könnte es bald fast kein Geld mehr für den Erhalt der Hospitalkapelle (Bad Sooden-Allendorf) und der Michaelskapelle (Witzenhausen) geben. Die Landessynode beschloss jetzt auf ihrer Herbsttagung in Morschen (Schwalm-Eder-Kreis), dass künftig alle Kirchen in die Kategorien A, B und C klassifiziert werden müssen:

A: Regionalkirchen: „In diese Kategorie fallen die großen Kirchen in Städten wie Witzenhausen“, sagt Ulrike Laakmann, die Dekanin des Kirchenkreises Witzenhausen. Hier finanziert die Landeskirche die Bauunterhaltung und die Ausgestaltung des Innenraums - auch eine Umgestaltung wäre möglich.

B: Lokalkirchen: Laut Laakmann gehören die Dorfkirchen wohl zumeist in diese Kategorie. Hier wird die „notwendige Bauunterhaltung durch Instandsetzung“ gezahlt, das Geld für eine Ausgestaltung müssten die Gemeinden anders aufbringen.

C: Okkasionalkirchen: Dabei handelt es sich laut Laakmann um Kirchengebäude, die nur gelegentlich für Taufen, Hochzeiten oder ganz besondere Gottesdienste genutzt werden. Im Kirchenkreis Witzenhausen könnten nach ihrer Einschätzung vor allem die Hospitalkapelle und der Michaelskapelle in diese Kategorie fallen. Für Okkasionalkirchen wolle die Landeskirche höchstens noch die Sicherung der Gebrauchsfähigkeit bezahlen, mit reduziertem Umfang der Instandhaltung in den Bereichen Heizung und Orgel, so Laakmann.

In den kommenden Monaten muss der Bauausschuss des Kirchenkreises die 55 Kirchengebäude kategorisieren, sagt Laakmann. Dabei werden auch Denkmalschutzaspekte berücksichtigt und Spezialfälle diskutiert. Dazu könnte die Kirche im Witzenhäuser Stadtteil Bischhausen gehören, die selten, aber regelmäßig im Gottesdienstplan vertreten ist. Die Kirchenkreissynode muss die Liste beschließen. „Die neue Regelung ist ein Anreiz für die Gemeinden, selbst etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Laakmann. Doch das sei gerade bei größeren Summen nicht einfach.

Verkauf als letzter Ausweg 

Falls keine Finanzierung gefunden werden kann, dürfen die Kirchenkreise als letzten Ausweg neuerdings auch über den Verkauf von Kirchen nachdenken. „Das sehe ich für Witzenhausen aber nicht“, betont Laakmann.

Dekan Dr. Martin Arnold ist überzeugt, dass es im Kirchenkreis Eschwege keine Kirche gibt, die in die Kategorie C fällt. „Wir haben 85 Kirchengebäude, das sind alles Gemeindekirchen“, sagt Arnold. Die wenigen Kapellen im Südkreis seien alle im Privatbesitz, etwa der Klosterbrauerei.

Hintergrund:Im Südkreis ist wohl keine Kirche gefährdet

Arnold ist es ein großes Anliegen, in jedem Dorf die Kirche zu erhalten. Allerdings sei auch klar, dass sich die Dorfbewohner mehr für ihre Kirchen einsetzen müssten. „Die Landeskirche kann nicht mehr alles erhalten.“ Gute Erfahrungen hat Arnold mit der Kirchenerhaltungsstiftung in seinem Kirchenkreis gemacht. Sie verdoppelt jede Spende, die für die Sicherung einer Kirche gegeben wird.

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