Amerikanische Familie besucht Heimat ihres Vorfahren

Zu Besuch bei der Bürgermeisterin: Angela Fischer zeigte der amerikanischen Familie Nelson gemeinsam mit Ingrid Demandt (links) das Rathaus und den Ratskeller, der zeitweise von ihren Vorfahren betrieben worden war. Initiator der Reise ist Robert Nelson (5. von links), der mit seinen Kindern Kristin (2. v. l.), Robert Edward (3. von l.) und Victoria (6. v. l.) und deren Partnern die Heimat seines Vaters Erich Günther besuchen wollte. Nicht im Bild: Schwester Noreen Nelson. Foto: Steensen

Witzenhausen. Fast 90 Jahre, nachdem der junge Witzenhäuser Erich Günther spontan beschloss, sein Glück in Amerika zu versuchen, wandeln seine Nachfahren in der Kirschenstadt auf seinen Spuren.

Günthers Kinder, Robert und Noreen Nelson, sind aus dem Raum Washington angereist, um seine Heimat kennenzulernen. Erich war der zweitälteste Sohn der Familie Günther, die um die Jahrhundertwende den Witzenhäuser Ratskeller betrieb. 1926 kam der damals 19-Jährige als Schiffskoch bis nach New York - aber nicht mehr zurück. „Über Bord gegangen“, heißt es offenbar in den Besatzungslisten. „Allerdings sind bei der Fahrt mehrere Menschen in New York über Bord gegangen“, berichtet Sohn Robert mit einem Augenzwinkern. Soll heißen: Der junge Erich Günther blieb wohl mit Absicht in New York.

Dort wurde aus Erich Günther „Edward Nelson“. Seine Nachfahren gehen davon aus, dass er einen englischen Namen wählte, weil die Stimmung in den USA zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg nicht gerade Deutschen-freundlich war. Der mit einer Irin verheiratete Nelson sei offenbar vom Staat beobachtet worden, er habe stets Angst gehabt, als deutscher Spion verdächtigt und ausgewiesen zu werden, berichten seine Kinder.

Die amerikanische Staatsbürgerschaft bekam Nelson erst in den 1940er Jahren, als die USA Soldaten für den Zweiten Weltkrieg brauchten. So kehrte der gebürtige Witzenhäuser als Koch der US-Armee zeitweise nach Europa zurück. Er soll, so berichtet seine Familie, an einer Schlacht in Belgien beteiligt gewesen sein, in der auf deutscher Seite auch sein Bruder Victor kämpfte. Witzenhausen sah Nelson erst 1957 wieder, zur Beerdigung seines Vaters Heinrich. Hier lernte er auch seine jüngste Schwester Dorothea kennen.

Mit Cousine Irmgard Demandt aus Witzenhausen und Cousin Dr. Günter Beumer aus Heidelberg erkunden die Nachfahren nun seine alte Heimat - auf dem Programm stehen Witzenhausen, Burg Ludwigstein, das Grenzmuseum und Uengsterode: Hier lebten die Vorfahren mindestens seit dem 18. Jahrhundert, bevor die Großeltern Johannes und Anna Elisabeth Günther 1885 den Witzenhäuser Ratskeller übernahmen.

Sohn Heinrich - Erichs Vater - übernahm später das Hotel „Hessischer Hof“ in der Brückenstraße (heute: Klampfe), Tochter Katharina führte mit Ehemann Heinrich Fischer bis 1920 den Ratskeller.

Robert Nelson wäre gern mit seinem Vater nach Witzenhausen gereist, doch es habe keine Gelegenheit gegeben. Deshalb ist es ihm wichtig, die Reise mit seiner Schwester und seinen Kindern Kristin, Victoria und Robert Edward samt deren Partnern zu machen: „Sie alle kannten ihren Großvater noch.“ Erich Günther verbrachte als Edward Nelson den Großteil seines Lebens in New York, er starb 1999.

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