Amtsübergabe nach 15 Jahren

Geballtes Erntefest-Wissen: Gustav Fischer (links) übergibt die Geschäfte an Michael Schäfer. Foto: Demmer

Witzenhausen. Gustav Fischer übergibt sein Amt als Geschäftsführer des Witzenhäuser Erntefestes an Michael Schäfer.

Witzenhausen. „Ich bin jetzt kein Häuptling mehr, sondern nur noch Indianer“, sagt Gustav Fischer. Nach 15 Jahren als Geschäftsführer des Witzenhäuser Erntefestausschusses war für ihn im Februar Schluss: Er übergab das Amt an Michael Schäfer. Erhalten bleibt Fischer dem Ausschuss trotzdem als Komiteederich und Platzmeister.

Die Geschäfte hat der 65-Jährige aber übergeben. Und die sind durchaus vielfältig: Jede Einnahme, jede Ausgabe und jede Genehmigung geht über den Tisch des Geschäftsführers. Dazu gehören zum Beispiel die zahlreichen behördlichen Gestattungen, die im Vorfeld eingeholt werden müssen. Geplant wird das ganze Jahr über: Im Januar etwa werden schon die Spielmannszüge für das Fest gebucht. Manchmal kommt auch kurzfristig eine Überraschung. Etwa, wenn wie in diesem Jahr ein Sportplatz für das traditionelle Fußballspiel nicht rechtzeitig fertig wird. Da heißt es für den Geschäftsführer und seine Komitee-Kollegen: Flexibel reagieren.

„Wir hatten auch mal ein Festzelt ohne Tische und Stühle“, erinnert sich Erntefest-Vize Andreas Gerstenberg. Also schickte Fischer schnell seine Kollegen in die Spur, um die Möbel zu holen. Oder verschwundene Bänder der Ehrendamen in einem anderen Jahr. Rasch war Ersatz-Stoff besorgt und ein Schneider arbeitete die ganze Nacht, sodass die Damen zum Umzug präsentabel waren.

Ein klarer Kopf, strukturiertes Denken und Durchsetzungsvermögen gehören zu dem Ehrenamt, berichten die Herren.

Die Zeit, die der Geschäftsführer-Posten einnimmt, kann man kaum beziffern, sagen Schäfer und Fischer. Unbedarft, so Schäfer, sei er nicht an die neue Aufgabe herangegangen. Aber die Vielfalt mache man sich trotzdem nicht klar.

So richtig das Erntefest mitfeiern ist schwierig, sagt Fischer. Auch, weil er für die Elektrik auf dem Festplatz verantwortlich war. Als Geschäftsführer sei man eher prädestiniert für Wasser, Apfelschorle und Cola, ergänzt Gerstenberg lachend. Für Notfälle liegt das Handy immer griffbereit auf dem Nachttisch. Wie es für ihn sein werde, nun anders das Erntefest zu feiern, lässt er auf sich zukommen, betont Schäfer. „Aber ich denke nicht, dass ich unglücklich sein werde.“

Bei aller Arbeit und Stress: Der Spaß an dem traditionellen Fest steht im Vordergrund. „Es ist ein Privileg, dass wir es machen dürfen“, betont Fischer. Und Schäfer ergänzt: „Der Grund, es zu machen, kommt aus dem Herzen.“

Ob der neue Geschäftsführer nun auch 15 Jahre im Amt bleibt? Das lasse er auf sich zukommen, sagt der 43-Jährige. Erstmal sei er für die Dauer von drei Jahren gewählt.

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