Anlieger besorgt

Angst vor Überflutung: Liegt neue Brücke in Ellingerode zu tief?

+
„Das ist zu niedrig“: Anwohner Reinhard Wilhelm zeigt, dass unter der neu gebauten Brücke der Kirchstraße über den Wilhelmshäuser Bach sogar an der tiefsten Stelle nur gut 90 Zentimeter Platz für den Wasserdurchfluss ist. Unser Bild entstand, als das Gewässer trockengefallen war.

Es fließt wenig Wasser im Wilhelmshäuser Bach. Reinhard Wilhelm, Anlieger an der neuen Brücke über den Wilhelmshäuser Bach, fürchtet sich jedoch vor dem nächsten Hochwasser.

Denn als der Wilhelmshäuser Bach im Jahr 2000 binnen einer halben Stunde über seine Ufer trat, da floss er auch durch seine Scheune und setzte Keller und Garagen unter Wasser.

Und diese Befürchtung ist bei Wilhelm höher denn je, da durch die vor zwei Jahren neu gebaute Brücke neben seinem Grundstück und zudem eine mittlerweile vom Nachbarn auf der anderen Uferseite erhöhte Mauer Hochwasser noch schlechter abfließen kann und entsprechend früher über sein Grundstück läuft. 

So jedenfalls hat der pensionierte Lehrer für Physik und Maschinenbau es berechnet – und die Berechnungen sind nachvollziehbar.

Knackpunkt ist, dass die neue Brücke offenbar mindestens 15 Zentimeter, vermutlich sogar 25 oder noch ein paar Zentimeter mehr tiefer liegt als die alte, geht Reinhard Wilhelm von einem Fehler bei der Bauausführung aus.

Wichtig für ihn ist, dass unter der Brücke stets eine Durchflusshöhe von 98 Zentimeter gewährleistet ist – für den Fall der Fälle. Doch auch nach dem jüngsten Freiräumen durch die Stadt Anfang August hat er an der tiefsten Stelle 93 Zentimeter gemessen, fünf Zentimeter weniger als vorgeschrieben. 

Und an den Seiten verringern angeschwemmte Steine, Sand und Erde die Durchflusshöhe noch stärker. Anfang Februar soll die Differenz auf einer Seite laut Wilhelm sogar lediglich 65 Zentimeter betragen haben.

Ein Problem, warum sich so viel Sand und Steine unter der Brücke ansammeln, sieht Wilhelm in der Staustufe aus Beton, die für die Löschwasserstelle der Feuerwehr direkt hinter der Brücke neben dem Kirchplatz eingelassen wurde. Sie sei bereits um zehn Zentimeter abgetragen worden, wie Wilhelm berichtet. 

Dadurch betrage die Differenz zwischen Brückenunterkante und Staustufenoberkante 93,8 Zentimeter, also immer noch mehr als vier Zentimeter zu wenig. Wobei Wilhelm sagt, das Bachgefälle mit eingerechnet müssten Staustufe und Bachbett dahinter mindestens um 14,6 Zentimeter tiefer gelegt werden.

„Aber die Stadt tut es nicht“, beklagt Reinhard Wilhelm, der schon mehrfach das Stadtbauamt angeschrieben und bei Bürgermeister Daniel Herz vorstellig geworden ist. Die Stadt ziehe sich darauf zurück, dass die Brücke von der Bauaufsicht des Werra-Meißner-Kreises geprüft und abgenommen worden sei, sagt er. Vom Landkreis heißt es, das bauleitende Ingenieurbüro habe bestätigt, dass die Brückenanlage mit der genehmigten Planung übereinstimme.

Zudem erklärte Kreissprecher Jörg Klinge auf Anfrage, dass die den Abfluss behindernden Sedimente durch die Stadt Witzenhausen zu beseitigen seien. Die Stadt habe auch die ordnungsgemäße Unterhaltung zugesagt, um die Durchflusshöhe von 98 Zentimetern zu halten.

Eine vor vier Wochen gestellte Anfrage der HNA an Bürgermeister und Stadtbauamtsleiter von Witzenhausen zu der Sache blieb bislang unbeantwortet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.