Alleinstehender 55-Jähriger wurde im Juni 2019 getötet

Anklage fordert lebenslang für Bluttat von Bad Sooden-Allendorf

In diesem Mehrfamilienhaus am nördlichen Stadtrand von Allendorf wurde der alleinstehende 55-Jährige im Juni 2019 getötet.
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In diesem Mehrfamilienhaus am nördlichen Stadtrand von Allendorf wurde der alleinstehende 55-Jährige im Juni 2019 getötet.

„Lebenslänglich“ ins Gefängnis oder acht Jahre als suchtkranker Straftäter in den Maßregelvollzug – oder etwas dazwischen? Nach den Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidiger am Montagnachmittag will die 10. Strafkammer des Landgerichts Kassel im Prozess um die Bluttat von Bad Sooden-Allendorf am Freitag das Urteil gegen den 28 Jahre alten Angeklagten verkünden.

Kassel/Bad Sooden-Allendorf – Unstrittig ist offenbar, dass der 28-Jährige einen 55 Jahre alten Mann und wohl auch Freund, der ihn sechs Wochen lang in seiner Wohnung aufgenommen hatte, erschlagen hat – sehr wahrscheinlich in der Nacht zu Fronleichnam Mitte Juni 2019.

Die Staatsanwältin bewertete die Tat als Verdeckungsmord und fordert deshalb eine lebenslange Freiheitsstrafe. Verdecken wollte der 28-Jährige, der nach mehreren Vorstrafen wegen widerrufener Bewährung zwischen seiner Zeit in U-Haft zwei Reststrafen absaß, nach Ansicht der Anklage Betrug in vier Fällen. Der 28-Jährige hatte sich im Namen des 55-Jährigen drei Handys und einen Laptop bestellt und zwei der Geräte verkauft, um an Geld zu kommen. Für die Betrugsvorwürfe forderte die Staatsanwältin 34 Monate Haft.

Ihren Antrag auf Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, der eine Entlassung nach 15 Jahren verhindert, begründete sie mit der Brutalität, mit der das Opfer umgebracht wurde: Mindestens zwei schwere Schläge mit einem Hammer oder ähnlichem Gegenstand zertrümmerten die linke Gesichtshälfte, zudem wurden durch Druck auf den Kehlkopf Knorpel im Hals gebrochen.

Der Verteidiger bestritt einen Zusammenhang zwischen der Bluttat und den Betrugsfällen, die fünf Wochen zuvor erfolgten. Darauf deute nichts hin. Die „schreckliche Tat“ bezeichnete er als einen „Gewaltausbruch“ am Ende eines Streits, weil der 28-Jährige – seinen Aussagen zufolge – mehrere Stunden vorher auf den Schwanz einer der Katzen des 55-jährigen Tierfreunds getreten hatte.

Nach gemeinsamer Einnahme verschiedener Drogen sei dann die Steuerungsfähigkeit des seit Jahren Mehrfachabhängigen erheblich beeinträchtigt gewesen. Dessen Gedächtnis setzte erst nach der Tat wieder ein. Daher forderte der Verteidiger sieben Jahre Haft wegen Totschlags, zu verbüßen in einer Entziehungsanstalt, und ein Jahr für den Betrug.

„Ich habe noch niemanden blutig geschlagen“, sagte der Angeklagte in seinem „letzten Wort“. (sff)

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