Anwohner des Weidengrabens haben bei neuer Werrabrücke Angst vor Lastwagen

Sie fühlen sich allein gelassen: Die Anwohner des Weidengrabens, hier Achim Siemon (von links), Uwe Nötzel, Marianne Kiedos, Ingrid Kern und Frank Emmel, wollen nicht, dass durch den Bau einer neuen Werrabrücke künftig bis zu 500 schwere Lastwagen mehr durch ihr Viertel fahren. Foto: Steensen

Witzenhausen. Viele Anwohner des Weidengrabens in Witzenhausen sind sauer: Auch nach der jüngsten Bürgerversammlung zur Werra-Brücke fühlen sie sich im Stich gelassen und mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.

Die Nachbarn, die teilweise schon über 20 Jahre im Viertel zwischen Werra und Warteberg wohnen, fürchten sich vor dem Tag, wenn sich nach dem Bau der neuen Brücke dank der Aufhebung der Tonage-Beschränkung 500 Lastwagen zusätzlich durch Witzenhausen quälen.

Im für sie schlimmsten Fall wäre das quer durch ihr Wohngebiet, denn eine Brücke vom Nordufer zur Ecke Weidengraben/Ermschwerder Landstraße ist eine der Planungsoptionen.

„Wir wohnen ja nicht umsonst hier“, sagt etwa Uwe Nötzel, der die Nähe zur Natur schätzt. Nachbarin Christiane Siemon pflichtet ihm bei: „Andere Städte bringen den Schwerverkehr aus der Stadt heraus, Witzenhausen will ihn hereinholen.“ Die Anwohner des Weidengrabens plädieren für den Bau einer Ortsumgehung und können nicht verstehen, warum die Planung der Verkehrsflüsse durch die Stadt nicht Teil der Planungen für den Bau der neuen Brücke ist. „Wir wollen eine sinnvolle Planung!“, sagen sie.

Die Bürger fürchten, dass durch den steigenden Verkehr auf der Bundesstraße 451 der Wert der Immobilien sinkt und es neue Leerstände gibt, weil die Bewohner vor Lärm und hohem Verkehrsaufkommen wegziehen. „Damit machen wir unsere Stadt kaputt“, betont Marianne Kiedos. Bereits jetzt gebe es nach Unfällen auf der A 7 oder der B 80 im Viertel regelmäßig einen Verkehrskollaps, weil viele Autofahrer dann versuchen, über Nieste oder Ermschwerd dem Stau auszuweichen.

Von der Bürgerversammlung sind die Anlieger des Weidengrabens maßlos enttäuscht. Die vorgestellten Pläne seien nichts Neues gewesen, sagen sie. Sie hätten bereits während einer Veranstaltung der SPD im Frühsommer den derzeitigen Planungsstand gesehen. Das nährte bei ihnen den Verdacht, dass man sich bei Bund und Hessenmobil insgeheim schon für eine Lösung entschieden hätte, ohne die Bürger miteinzubeziehen. „Wir wollen keine so große Brücke“, sagt Nötzel. „Die will vor allem der Bund.“ Die Bürger werfen der Stadt indirekt vor, sich hinter der Entscheidung des Bundes zu verstecken, nur die Brücke zu erneuern und keine Ortsumgehung zu planen.

Enttäuscht sind die Nachbarn auch von Bürgermeisterin Angela Fischer, die sich in der Bürgerversammlung nicht zu den Varianten geäußert hatte.

Das sagt: Bürgermeisterin Fischer

Mit Verwunderung hat Bürgermeisterin Angela Fischer auf die Kritik reagiert, dass sie bei der Bürgerversammlung zur neuen Werrabrücke nichts zu den vorgestellten Varianten gesagt habe. „Das Ziel der Veranstaltung war keine Darstellung der Stadt sondern die Information der Bürger“, sagte sie auf HNA-Anfrage. „Die Bürger und ihre Fragen sollten im Mittelpunkt stehen.“ Deshalb habe sie sich bewusst zurückgenommen. Wenn sie darum gebeten worden wäre, hätte sie auf jeden Fall etwas zu den Plänen gesagt, versicherte Fischer.

Die vier Varianten seien erstmals im März in einer nicht-öffentlichen Sitzung im Magistrat von Hessen Mobil vorgestellt worden. Wegen der Wichtigkeit des Themas seien auch die Fraktionsvorsitzenden und Stadtverordnetenvorsteher Peter Schill dazu geladen gewesen, so Fischer. Dabei habe man auch beschlossen, eine Bürgerversammlung zum Thema einzuberufen, um die Öffentlichkeit zu informieren. Ein Termin sei jedoch erst im September gefunden worden. Zudem habe man die Unterlagen der Präsentation an die Fraktionen weitergegeben. Wie SPD-Chef Markus Keil bestätigte, hatte der SPD-Ortsverband in einer Sitzung in Ermschwerd die Brückenpläne anhand der vorläufigen Pläne diskutiert. Dabei seien auch Anwohner anwesend gewesen. (fst)

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