Nachfrage ist groß

Apotheker im Werra-Meißner-Kreis erwarten erste Corona-Selbsttests diese Woche

Schnelltest: Auch wenn der Tupfer nur im vorderen Nasenbereich bewegt werden soll, fühlt sich der Abstrich nicht gerade angenehm an.
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Schnelltest: Auch wenn der Tupfer nur im vorderen Nasenbereich bewegt werden soll, fühlt sich der Abstrich nicht gerade angenehm an.

Als es am Wochenende die ersten Corona-Selbsttests bei einem Discounter zu kaufen gab, waren die Schlangen lang und die Enttäuschung bei vielen groß. Die Regale waren schnell leer, alle Tests ausverkauft.

Werra-Meißner – Wer daraufhin sein Glück in der Apotheke versuchen wollte, wurde erneut enttäuscht, denn auch in den meisten Apotheken waren am Samstag und sind auch heute noch, keine Tests zu bekommen. „Wir warten auf die Lieferung, ich schätze, dass die Tests bei uns Mitte der Woche verfügbar sein werden, sagt Armin Krohne von der Stadtapotheke in Witzenhausen. Die Nachfrage sei bereits jetzt groß.

Wie sinnvoll und sicher die Tests aber sind, stellt Krohne infrage: „Bei einem Test, den jemand Zuhause macht, hat er keinen Nachweis über das Ergebnis.“ Sowohl die Selbst- als auch die Schnelltests würden ohnehin nur für Menschen ohne Symptome Sinn machen. „Wer Symptome hat, sollte direkt Verbindung mit einem Arzt oder Testzentrum aufnehmen.“

Auch Michael Schäfer von der Rübezahl-Apotheke steht den Selbsttests eher skeptisch gegenüber: „Es ist ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest“, sagt er. Auch beim Corona-Selbsttest sei es wichtig den richtigen Zeitpunkt zum Testen zu erwischen. „Wer sich ansteckt und schon bald danach einen Test macht, wird trotzdem ein negatives Ergebnis erhalten“, das, so der Apotheker, könnte die Menschen in falscher Sicherheit wiegen. Erst etwa drei Tage nach der Ansteckung würde ein Corona-Test in der Regel positiv ausfallen. Außerdem gäbe es auch bei den Corona-Selbsttests eine Fehlerquote. Trotzdem sei es für die Menschen, die die Unsicherheit quält, eine gute Sache. Auch unter seinen Kunden ist das Interesse groß: „Wir hatten schon viele Anfragen.“

Auch in seiner Apotheke werden noch keine Schnelltests angeboten. „Das wird sich alles einspielen, aber momentan sind noch zu viele Fragen ungeklärt.“

Ähnlich geht es Peter Müller von der Löwenapotheke. Auch er hat Tests bestellt, wartet aber immer noch auf die Lieferung. „Das Telefon steht kaum noch still, die Nachfrage ist groß“, so Müller. Etwa neun Euro wird ein Selbsttest in seiner Apotheke kosten. „Die Tests machen Sinn, wenn sie richtig durchgeführt werden“, das sei ausschlaggebend. Die Selbsttests werden in der Regel im vorderen Nasenbereich angewendet.

Vor Dienstbeginn schnell durchtesten? Der Corona-Schnelltest soll das ermöglichen.

Die größere Schwierigkeit sieht er darin, dass Apotheken Schnelltests anbieten sollen: „Die Tests in den laufenden Apothekenbetrieb unterzubringen sehe ich nicht“, so Peter Müller. Entweder müsse man dafür einen Zeitraum außerhalb der Geschäftszeiten wählen oder andere Räumlichkeiten finden. Auch die Mitarbeiterkapazitäten für solch eine Aufgabe habe seine Apotheke nicht. Alle drei Witzenhäuser Apotheker sind sich außerdem einig, dass sie erst Tests anbieten, wenn Mitarbeiter und sie selbst geimpft wurden.

In Eschwege wartet auch Apothekenbetreiberin Ute Hector auf die erste Lieferung der freiverkäuflichen Corona-Selbsttests. Noch in dieser Woche sollen die rund 1000 Tests in die Goldbach-Apotheke geliefert werden. Je nach Andrang reichten die bestellten Tests ein bis drei Tage, vermutet Hector.

Apothekerin Sandra Kretzschmar von der Schlossapotheke in Eschwege kritisiert, dass die Tests an falscher Stelle eingesetzt würden: Sie hielte den Einsatz in Schulen und Kitas für sinnvoller als das Corona-Kit für jedermann zu Hause. Der Umgang einzelner mit dem Test und dessen Ergebnis macht ihr Sorgen. „Viele werden sehr verantwortungsvoll mit den Tests umgehen, aber andere werden vielleicht auch so lange testen, bis sie schließlich das gewünschte Ergebnis erhalten“, sagt die Apothekerin. Bei einem zu Hause durchgeführten positiven Test bestehe stets die Gefahr, dass das Ergebnis nicht den zuständigen Behörden gemeldet werde, sagt Kretzschmar. Auch ein PCR-Test zur sicheren Abklärung erfolge dann nicht. (Wiebke Huck Und Kim Hornickel )

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