Projekt von Studenten der Uni Witzenhausen

Aquarium im Gewächshaus: Wie Pflanzen von Fischen profitieren

Haben alles selbstgemacht: Die beiden Bachelor-Studenten Timo Seifert (links) und Christopher Doughty haben mit ihren Kollegen David Kühn und Alicia Meder (beide nicht auf dem Bild) ein aquaponisches System gebaut. Fotos: Lischper

Witzenhausen. Fische im Tropengewächshaus? Macht Sinn, sagten sich Studenten der Ökologischen Landwirtschaft. Denn mit Fischkot wachsen Pflanzen schneller.

Die vier Studenten vom Fachbereich Ökologische Landwirtschaft der Uni Witzenhausen haben ein aquaponisches System gebaut. Das ist eine Anlage, die Fischzucht und Nutzpflanzenproduktion miteinander verküpft - als Objekt der Forschung, das zugleich gesunde Buntbarsche und knackiges Gemüse wachsen lässt und Besuchern zeigt, wie durchdacht die Natur ist.

Für den Laien sieht das grüne Bauwerk aus Holz und Glas aus wie eine große Treppe. Die unterste Stufe ist ein Aquarium mit Fischen, darüber befindet sich pro Stufe eine Plattform, auf der Jungpflanzen nach oben in Richtung Gewächshausdach sprießen. Die Tomaten, Melonen, Bohnen, Süßkartoffeln und der Reis wurden im Gewächshaus vorgezogen. „Hier könnte alles wachsen“, sagt Student Christopher Doughty, der das Gebilde mitkonstruiert hat.

Im aquaponischen System geht es nämlich um folgendes Prinzip: Die Fische liefern den Pflanzen Nährstoffe und leben in einem Wasser, das von den Pflanzen gereinigt wurde. Der Mensch hat so gesunde Fische zum Essen und seine Pflanzen wachsen doppelt so schnell wie in normalen Beeten. „Sie haben nämlich die ganze Zeit Zugriff auf die für ihr Wachstum wichtigen Nährstoffe.“ Der Mensch muss lediglich Eisen hinzufügen und das verdunstete Wasser nachfüllen.

„Die Fische haben den Vorteil, dass sie eine gute Umsetzung haben“, sagt Doughty. Füttert man ein Kilogramm Fischfutter, setzen sie ebenso viel an Körpermasse an. Zum Vergleich: Bekommt ein Rind acht Kilogramm Futter, setzt es lediglich ein Kilogramm davon um. Mit dem aquaponischen System wollen die Studenten verdeutlichen, wie der Mensch natürliche Vorgänge wie den tierischen Stoffwechsel für die Nahrungsproduktion nutzen kann. Dafür haben sie sich Expertenwissen angeeignet.

Von der Natur lernen

„Man sollte keine Emissionen durch lange Transportwege hinausblasen“, sagt Doughty. Er plädiert dafür, die Nährstoffe dort zu lassen, wo sie sind, und stattdessen mit regionalem Anbau die Nährstoffkreisläufe in der Region zu unterstützen.

Doughty und seine drei Kollegen wünschen sich, dass die Besucher des Tropengewächshauses die Mehrproduktion der Industrie hinterfragen: „Sie sollen darüber nachdenken, was sie konsumieren und wie hoch die Aufwendungen für Ressourcen sind.“ Sprich: Das Aquarium im Tropengewächshaus soll zum nachhaltigen Denken auffordern.

Hintergrund:

So funktioniert die Aquaponische Anlage

1. Die Buntbarsche werden nach Bedarf mit einem biologischen Fischfutter aus regionalem Anbau gefüttert. Ihre Ausscheidungen werden aus dem Aquarium mit einem Sog heraus transportiert in einen Behälter hinter der Anlage. Dort setzen sich die groben Bestandteile des Kots ab.

2. Das Wasser fließt weiter in einen zweiten Behälter, einen Biofilter, wo Bakterien warten. Sie spielen die Hauptrolle im System, weil sie das in hohen Mengen giftige Ammoniak im Wasser in Nitrat umsetzen. Das funktioniert in etwa so, wie in einem Klärwerk.

3. Das gereinigte Wasser wird wiederum durch einen Sog abgepumpt, um die Pflanzenbetten in regelmäßigen Abständen zu fluten. Die Pflänzchen selbst schwimmen nicht direkt auf dem Wasser, sondern sitzen auf Kies oder Seramis, das man aus Hydrokulturen kennt.

Aufgrund der ständigen Verbindung zum Wasser entwickeln die Pflanzen wesentlich dünnere Wurzeln. Sie wachsen schnell, denn das nitratreiche Wasser tut ihnen gut. Die Pflanzen entziehen somit dem Wasser das Nitrat, damit es in gereinigter Form wiederum bei den Fischen ankommt.

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