Unterkunft soll geschlossen werden - Geflüchtete wollen nicht umziehen

Arbeitskreis Asyl hält Vorgehen des Werra-Meißner-Kreises für unverantwortlich

Das Blumenhaus: Die Gemeinschaftsunterkunft soll geschlossen werden, die ersten Bewohner müssen bereits am Montag ausziehen.
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Das Blumenhaus: Die Gemeinschaftsunterkunft soll geschlossen werden, die ersten Bewohner müssen bereits am Montag ausziehen.

„Abstandhalten darf kein Privileg sein“, fordert der Arbeitskreis (AK) Asyl Witzenhausen mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft (GU) Blumenhaus am Werner-Eisenberg-Weg in Witzenhausen.

Witzenhausen – 21 Erwachsene und 7 Kinder leben in der Gemeinschaftsunterkunft Blumenhaus. Nun soll die Unterkunft geschlossen werden, die ersten Bewohner bereits zum 1. Februar umziehen.

Laut AK Asyl eine nicht nachvollziehbare Entscheidung. „In Zeiten einer Pandemie ist es verantwortungslos, Personen aus verschiedenen sozialen Zusammenhängen in andere und vor allem größere Gemeinschaftsunterkünfte zu verlegen. Dort ist es viel schwieriger bis unmöglich, Abstand zu halten“, sagt Kim Hübner vom AK Asyl. Alleinstehende sollen in die Gemeinschaftsunterkunft in Bad Sooden-Allendorf umziehen, für Frauen mit Kindern sind Zimmer in der GU „Am Frauenmarkt“ vorgesehen. Die Bewohner des Blumenhauses aber möchten ihre Unterkunft nicht verlassen. „Das Blumenhaus ist unser Zuhause geworden und bietet aufgrund der Einzelzimmer mit Toiletten ein geringeres Infektionsrisiko“, schreiben die Bewohner gemeinsam mit dem AK Asyl in einem Brief an Bürgermeister Daniel Herz, den sie um Hilfe bitten.

„Ich wusste, dass die Unterkunft geschlossen werden soll, der Unmut der Bewohner ist mir neu“, so Herz. Er verspricht zu prüfen, inwieweit die Stadt in der Situation helfen kann, gibt aber zu bedenken, dass sie weder Mieter des Hauses, noch für die Unterbringung der Geflüchteten zuständig ist. Das sei Aufgabe des Kreises.

„So sehr der Wunsch nach einem Verbleib im Gebäude verständlich ist, so klar ist aber auch, dass die Immobilie geräumt werden muss“, sagt Kreissprecher Jörg Klinge. Denn der Mietvertrag laufe zum 31. März aus. Eine Verlängerung sei nicht möglich. „Wir haben uns zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt intensive Gedanken gemacht, wo wir die Bewohner zukünftig unterbringen können.“ Laut Landesaufnahmegesetz bestehe kein Anspruch auf Unterbringung in einer bestimmten Unterkunft, erläutert Klinge. Trotzdem habe man versucht, soziale Bindungen, Kindergarten- oder Schulplätze zu berücksichtigen.

Zum Thema Corona sagt der Kreissprecher: „Wir haben in allen Gemeinschaftsunterkünften gute und tragfähige Konzepte zur Vermeidung von Infektionen etabliert, sodass die Gefährdung in ihrer neuen Unterkunft genau so gering ist, wie sie es bisher war.“ Das allerdings sehen einige Bewohner anders: „Wir haben Angst uns anzustecken“, sagt eine Bewohnerin. Viele der Menschen im Blumenhaus würden zur Risikogruppe gehören, durch den Umzug hätten sie Angst um ihr Leben.

Jörg Klinge versichert, dass man alles getan habe, um die Menschen sicher unterzubringen, unter anderem wurden neue Frauenbereiche eingerichtet. (Wiebke Huck)

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