Arzthelferin auf vier Rädern im Kreis unterwegs

Mobile Arzthelferin: Die „Verah“ Kerstin Eschstruth besucht Kranke und ältere Patienten, die nicht mehr zur Arztpraxis gehen können. Foto: Leissa

Werra-Meißner. Kerstin Eschstruth aus Laudenbach ist eine „Verah“: Zwei Mal in der Woche kümmert sich die gelernte Arzthelferin als Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (Verah) um immobile, meist ältere Patienten.

Ihr Beruf wird im Werra-Meißner-Kreis immer wichtiger, denn die alternde  Bevölkerung leidet oft an chronischen Erkrankungen. Etwa 20 Patientenbesuche am  Tag sind für die Arzthelferin keine Seltenheit. Das Angenehme an ihrem Job: Sie organisiert sich den Arbeitsalltag selbst. „Heute zum Beispiel“, sagt sie mit Blick in ihren Terminkalender, „steht die Kontrolle der Blutwerte auf dem Plan.“ Nach einem Kaffee steigt sie in ihr Fahrzeug mit dem Logo ihres Arbeitsplatzes, dem Gesundheitszentrum Gelstertal. Eschstruth ist eine von vier Versorgungsassistentinnen der Praxisgemeinschaft. Durch den Zusammenschluss teilen sich die Verahs das weitläufige Gebiet im Werra-Meißner-Kreis.

Im Zick-Zack-Kurs 

Eschstruths Fahrten führen sie oft im Zick-Zack-Kurs durch die kleinen Ortschaften zwischen Großalmerode, Witzenhausen und Helsa. Der Arbeitsalltag kann ebenso sprunghaft sein: Die Patienten wissen, dass sie kommt, aber manchmal sind sie unterwegs oder morgens noch nicht aufgestanden. Dann wartet Eschstruth oder kommt später wieder. „Dieser Job“, sagt sie und hievt ihre große Tragetasche voller Verbandsmaterial zurück ins Auto, „ist stressig, aber missen will ich ihn nicht.“ Seit sechs Jahren stattet sie den rund 80 Patienten, die alters- oder krankheitsbedingt nicht mehr die Arztpraxis aufsuchen, einen Besuch ab.

Eine Verah ersetzt keinen Arzt, betont sie. Diese aber können Hausbesuche aus Zeitmangel oft nicht mehr übernehmen. Zwischen den Kontrollen einmal im Quartal fährt Eschstruth auch hinaus, wenn ein Patient in der Praxis anruft. Dann sieht sie nach dem Kranken und zieht gebenenfalls einen Arzt hinzu.

Ein wenig plaudern

Die Lunge abhören sowie Puls und Blutdruck messen gehören zu ihrem Alltag. Zu kalte Hände bei der Begrüßung beunruhigen sie: Es wird der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen. Da der Wert zu niedrig ist, empfiehlt sie einen Besuch beim Lungenspezialisten. Nebenbei unterhält sie sich mit den meist über 70-jährigen Patienten.

„Viele wohnen alleine und freue sich, mit jemanden zu reden“, erklärt die Laudenbacherin. Bevor sie den Blutzucker eines Patienten misst, erkundigt sie sich über die zuletzt eingenommene Mahlzeit, plaudert ein wenig über Vorlieben beim Frühstück. Kaffee oder Tee, gesüßt, Brötchen, mit oder ohne Marmelade? So erfährt sie Einzelheiten, die bei der Interpretation der Blutwerte entscheidet sein können. Früher war sie abends platt, sagt Kerstin Eschstruth lächelnd. Aber mittlerweile habe sie sich gut eingearbeitet und der Job mache ihr Spaß.

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