Sonne macht die Kirschen süß

Auf der Plantage des Versuchsbetriebs in Wendershausen sind die Früchte reif

Bunte Früchte wachsen auf den Bäumen: Gartenbauberater Eberhard Walther und Kirschenexpertin Agata Stawinoga präsentieren 5 der 60 Sorten, darunter viele alte, die auf der Plantage des Süßkirschenversuchsbetriebs in Wendershausen wachsen.
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Bunte Früchte wachsen auf den Bäumen: Gartenbauberater Eberhard Walther und Kirschenexpertin Agata Stawinoga präsentieren 5 der 60 Sorten, darunter viele alte, die auf der Plantage des Süßkirschenversuchsbetriebs in Wendershausen wachsen.

40 Kilo Kirschen wirft ein Baum auf der Plantage des Süßkirschenversuchsbetriebs in Wendershausen pro Jahr ab. Und Bäume stehen auf der 10 Hektar großen Fläche reichlich: etwa 2000 Bäume und 60 Sorten.

Wendershausen – In diesem Jahr hängen die Bäume voll, trotzdem gibt es zwei Probleme: das Wetter und Schädlinge. „Besonders problematisch ist die Bekämpfung der Kirschfruchtfliege, die jedes Jahr aufs Neue große wirtschaftliche Schäden im Kirschenanbau verursacht“, sagt der Kirschenexperte Eberhard Walther. Sie legt ihre Eier bereits in den Früchten ab, wenn sie noch klein und gelb sind, in ihnen wächst dann die Made heran.

Pflanzenschutzmittel werden auf der Plantage nur sparsam eingesetzt, ohne zu spritzen, würden sich die Schädlinge allerdings so unkontrolliert ausbreiten, dass die gesamte Ernte Gefahr laufen würde, zerstört zu werden, so Walther weiter. Während man keine andere Wahl hätte als gegen Schädlinge vorzugehen, würden Nützlinge allerdings gezielt gefördert, durch Blühwiesen und mulchen in Intervallen.

Eine regelmäßige Beobachtung, das sogenannte Monitoring schafft außerdem Abhilfe. Die Population der Kirschfruchtfliege wird von den Kirschenexperten Agata Stawinoga und Eberhard Walther genau mit Gelbtafeln analysiert, um dann gezielt gegen die Schädlinge vorgehen zu können.

Schwierig wurde es in diesem Jahr für die Kirschen außerdem durch die lang anhaltenden niedrigen Temperaturen bis Mitte Mai. „Den Früchten fehlte die Sonne“, sagt Agata Stawinoga. Dabei sei die für die Entwicklung und vor allem für den Geschmack so wichtig. „Wir haben gestaunt“, sagt Agata Stawinoga. „Nachdem in diesem Jahr alles langsam angelaufen ist, explodierten die Früchte dann Ende Juli förmlich.“

Am wohlsten würden sie sich bei etwa 25 Grad fühlen, mit viel Sonne und wenig Regen. „So reifen sie allmählich“, was sich auch auf die Qualität auswirkt. „Viel Sonne treibt den Zuckergehalt nach oben, das macht die Kirschen schön süß“, so Stawinoga. Bei zu viel Regen drohen sie zu platzen. „Der Ernteerfolg hängt also unmittelbar mit dem Wetter zusammen, bisher sieht es allerdings gut aus“, sagt Walther.

Doch auch zu warm darf es nicht werden: Hohe Temperaturen trocknen die Kirschen aus. Kommt es dazu, fallen sie nicht vom Baum, sondern bleiben als sogenannte Fruchtmumien hängen. Auch das ist gefährlich für den Baum, denn die können ihn mit Pilzen infizieren. Darum müssen nach der Saison alle verbliebenen Kirschen abgeschnitten werden.

Vor allem geforscht wird auf der Versuchsanlage des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen an der richtigen Unterlage, dem Teil des Baumes, der die Wurzel bildet. Sie ist entscheidend für die Größe des Baumes. In Wendershausen entstand die Unterlage „Gisela“ für niedrigstämmig, kleinkronige Kirschbäume. In Witzenhausen entwickelt, wird sie mittlerweile weltweit genutzt. (Wiebke Huck)

Kirschen selber pflücken 

Auf der Plantage kann ohne Anmeldung gepflückt werden, donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr. Der Kilopreis variiert, er ist wetterabhängig und richtet sich nach den allgemeinen Kirschpreisen in der Region. In der Regel liegt er bei 4 Euro oder 4,50 Euro.

Leitern sind auf der Plantage nicht gestattet und auch das Klettern in den Bäumen ist verboten. Da die Kirschbäume voll und die Äste zum Teil sehr tief hängen ist aber sogar für Kinder das Pflücken problemlos möglich. Infos gibt es bei Agata Stawinoga unter der Telefonnummer 01 60/90 57 65 45. hbk

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