Neue Hofschule in Oberrieden

Auf einem Oberriedener Bauernhof soll eine Hofschule für Kinder entstehen

Die Handlungspädagogik soll theoretisches Wissen durch praktisches Tun vermitteln: Lea Wind vom Hofschulen-Gründerteam mit Sohn Leander beim Gärtnern. FOTO: MICHAEL CASPAR
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Die Handlungspädagogik soll theoretisches Wissen durch praktisches Tun vermitteln: Lea Wind vom Hofschulen-Gründerteam mit Sohn Leander beim Gärtnern.

Ein Bauernhof in Oberrieden soll eine Hofschule werden. Dort soll die Handlungspädagogik umgesetzt werden. Diese baut auf einem bekannten Konzept auf.

Oberrieden – Auf einem Bauernhof will die Oberriedener Agraringenieurin und Lehrerin Lilith Schmidt-Gebhardt, die an der Waldorf-Schule in Eschwege unterrichtet, ihre Hofschule verwirklichen. Derzeit erarbeitet sie zusammen mit dem 15-köpfigen Gründerteam ein Finanzierungskonzept. Den Zuschlag für das örtliche Pfarrhaus hat die Gruppe nicht erhalten.

„Wir haben einen Hof in Aussicht“, berichtet Schmidt-Gebhardt. Für die Übernahme muss die Gruppe einen mittleren, sechsstelligen Betrag aufbringen. „Eine Herausforderung“, so Mitglied Dr. Thomas van Elsen, der an der Universität in Witzenhausen arbeitet.

„Das Konzept der Handlungspädagogik, das wir in der Hofschule umsetzen wollen, passt genau in unsere Zeit“, erklärt Lea Wind von der Gründungsinitiative. Das soll potenzielle Geldgeber, aber auch Kooperationspartner überzeugen. „Die Handlungspädagogik weist viele Gemeinsamkeiten mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung auf“, führt Wind aus. Dieses Konzept ist Teil der globalen Nachhaltigkeitsagenda, die die Vereinten Nationen 2015 beschlossen haben.

Das Bildungsprogramm soll den Einzelnen befähigen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und die nötigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Wind, die in Witzenhausen Ökologischen Landbau studiert, vergleicht derzeit beide Konzepte in ihrer Bachelorarbeit. Van Elsen betreut sie.

Die Handlungspädagogik ist in den vergangenen 20 Jahren vom Kasseler Pädagogen Dr. Peter Guttenhöfer und dessen Mitstreitern entwickelt worden. Sie baut auf Rudolf Steiners 100 Jahre alter Waldorfpädagogik auf. Nach Guttenhöfers Einschätzung hat sich die Waldorfpädagogik zu sehr dem staatlichen Bildungssystem angepasst.

Die Handlungspädagogik beansprucht, Steiners ursprünglichen Impuls weiterzuführen. Die Grundidee: Kinder sollen sich, begleitet von Lehrern und Fachleuten, durch praktisches Tun theoretisches Wissen erarbeiten. Grundschulkinder könnten etwa auf dem Bauernhof durch das Sammeln von Hühnereiern quasi nebenher Rechnen lernen.

„Mich fasziniert der Ansatz, da ich Sozialassistentin bin und nun die Pädagogik mit meinem agrarwissenschaftlichen Wissen verbinden kann“, sagt Wind, die selbst Mutter eines Fünfjährigen ist. Die Handlungspädagogik stärke das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Sie befähige Heranwachsende, mit Herausforderungen wie dem Klimawandel umzugehen. (Michael Caspar)

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