Uni Kassel erhält Auszeichnung für Idee des Fachbereichs Öko-Landbau

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Ausgezeichnet: Projektleiter Prof. Michael Wachendorf (Zweiter von rechts) bekam Urkunde und Plakette von Torsten Klebe (Zweiter von links) und Juliane von Trotha (rechts) überreicht. Landrat Stefan Reuß (links) und der Bundestagsabgeordnete Michael Roth (Mitte) zählten zu den Gratulanten.

Witzenhausen. Der Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen ist seit Freitag ein „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“.

Um die Energie verwerten zu können, die in Grünabfällen steckt, die beim Mähen von Naturschutzflächen, Straßenrändern, Parkanlagen oder Sportplätzen entstehen, hat sich Wachendorf mit wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden seines Fachgebiets etwas ausgedacht. Sie entwickelten innerhalb des Projektes „PROGRASS" eine Biomasse-Anlage, die genau diese Energie auch nutzbar macht.

Die Urkunde für die Auszeichnung nahm Professor Michael Wachendorf, Leiter des Fachgebietes Grünlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe, entgegen.

„Ich freue mich sehr, dass in unserer Region ein Projekt ausgezeichnet wird, das nationale und sogar europaweite Bedeutung hat“, freute sich der Bundestagsabgeordnete und Staatsminister für Europa, Michael Roth. Das Projekt könne dazu beitragen, den Konflikt von steigender Biomasseproduktion und dadurch bedingtem Wegfall von Flächen für Nahrungsmittelproduktion zu beheben, sagte er bei der Feier.

„Wir in der Politik müssen lernen, dass das, was schlaue Köpfe entwickeln und was wirklich gut und sinnvoll ist, auch umgesetzt wird.“ Mit diesen Worten schloss sich Landrat Stefan Reuß Roth an: „Genau dafür ist dieses Projekt ein sehr gutes Beispiel.“

Das Projekt „PROGRASS“ ist eines von bundesweit 100 Projekten, die von der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“ und der Deutschen Bank ausgezeichnet wurden. Geehrt werden Ideen und Projekte, die einen positiven Beitrag zur Gestaltung der ländlichen Räume und Regionen liefern und sie fit für die Zukunft machen. „Mit diesem Projekt bieten Sie Landwirten wie Kommunen Perspektiven für die umweltfreundliche Erzeugung von Bioenergie in ländlichen Räumen und fördern die wissenschaftliche Forschungslandschaft“, lobte Torsten Klebe von der Deutschen Bank.

„Wir sind sehr stolz, ein ,Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen‘ zu sein“, meinte Prof. Michael Wachendorf. Ihm und seinen Kollegen sei es wichtig, neben gundlagenorientierter Forschung auch Entwicklungen anzustoßen, die näher an Praxisanwendungen sind. Durch diese Auszeichnung erhoffe man sich mehr Aufmerksamkeit für das Projekt, was im Idealfall zur Realisierung weiterer regionaler Projekte führen könne.

Hintergrund

Auch ökonomisch rentabel 

Die Energie von Grünabfällen zu nutzen war bislang nicht möglich, weil der Lignin-Gehalt des betreffenden Grünmaterials sehr hoch ist. „Ligninhaltiges Material braucht für seine Umsetzung Sauerstoff, der in Biogasanlagen nicht vorhanden ist“, erklärt Projektleiter Prof. Michael Wachendorf. Dadurch sei die Energieausbeute derart gering, dass eine energetische Nutzung unrentabel sei.

Anstatt nun mit Grünlandschnitt und Grünabfällen durch Vergärung Biogas zu produzieren, wie es in gewöhnlichen Biomasseanlagen üblich ist, wandelt die von Wachendorf entwickelte Anlage das Material in einen festen Brennstoff um.

„Die Effizienz dieses Verfahrens ist deutlich höher als bei der herkömmlichen Biogastechnik“, betont Wachendorf. Könnten dort lediglich 20 Prozent der im Grünschnitt enthaltenen Energie in nutzbare Energie umgewandelt werden, seien es in seiner Anlage 40 Prozent. „Das ist energetisch so günstig, dass es auch ökonomisch rentabel ist“, sagt er. (per)

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