Autofahrer zahlen mehr

Steigender Benzinpreis belastet Pendler im Werra-Meißner-Kreis

Tanken
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Ein Autofahrer steckt an einer Tankstelle einen Diesel-Zapfhahn in die Tanköffnung seines Fahrzeugs.

Die Kosten für Treibstoff sind in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich gestiegen. Und es wird weitere Preiserhöhungen geben, die die Pendler im Werra-Meißner-Kreis belasten.

Werra-Meißner - Die Bundesregierung hat beschlossen, bis 2025 den CO2-Preis zu erhöhen, was sich jetzt schon auf die Treibstoffpreise auswirkt. Betroffen sind zahlreiche Menschen im Werra-Meißner-Kreis, die täglich zur Arbeit fahren. Laut Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit pendeln von den 36 797 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Werra-Meißner-Kreis 15 115 (also 41,1 Prozent) in einen anderen Kreis zur Arbeit.

Fast jeder 2. Arbeitnehmer im Werra-Meißner-Kreis pendelt

Die meisten Auspendler aus dem Werra-Meißner-Kreis fahren laut dem Pendleratlas der Agentur für Arbeit nach Kassel. Auf dem zweiten Platz liegt Göttingen, gefolgt vom Landkreis Kassel, dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, dem Schwalm-Eder-Kreis und dem Eichsfeld. Dahinter kommen der Wartburgkreis, Eisenach, der Unstrut-Hainich-Kreis und die Region Hannover. Die 6846 Einpendler kommen vor allem aus dem Eichsfeld, Kassel, Göttingen und Hersfeld-Rotenburg. (nde)

Das sagt die Wirtschaftsförderung

Viele Arbeitgeber und Berufe lassen Homeoffice nicht zu, sagt Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner. Gerade in solchen Jobs werde eine Spritpreiserhöhung zur finanziellen Mehrbelastung für Pendler. „Nur Spritpreise zu erhöhen, ist zu kurz gedacht. Im Paket mit mehr Anreizen und weniger Verboten macht diese Klimaschutzmaßnahme wieder Sinn“, sagt Kleeberg. Er schlägt Steuererleichterungen und finanzielle Entlastungen für Vielfahrer und Nutzer umweltfreundlicher Verkehrsmittel als Ausgleich für die finanzielle Mehrbelastung vor. Arbeitgeber könnten neben flexible Arbeitszeiten und Homeoffice auch Tankgutscheine und ÖPNV-Zuschüsse gewähren. „Das hilft nicht nur dem Klima, sondern steigert auch die Arbeitgeberattraktivität.“

Kleeberg erklärt, dass kontinuierlich mehr Menschen in den Kreis einpendeln. „Der Kreis lebt aber auch von den vielen Menschen, die hier wohnen und auspendeln oder aufgrund flexibler Arbeitszeiten und günstiger Grundstücks- und Immobilienpreise in den Kreis ziehen. Hier erleben wir seit Corona einen ansteigenden Trend. Es sind kaum noch Bauplätze in den Gemeinden und Städten vorhanden.“ Das fordere den Kreis neu heraus. Neben einem weiteren Ausbau des Glasfasernetzes verfolge die WFG mittelfristig das Ziel, mit lokalen Akteuren flexibel buchbare Arbeitsräume zu schaffen. Diese könnten von Unternehmen angemietet werden, um ihren Mitarbeitern wohnortnah einen Arbeitsraum zur Verfügung zu stellen.

Das sagt der NVV

Das Angebot des ÖPNV ist in den vergangenen Jahren ausgebaut worden, berichtet Sabine Herms, Pressesprecherin des Nordhesssischen Verkehrsverbunds (NVV). Weitere Zusatzangebote sollen kommen. So wird ab Dezember 2021 ein zusätzlicher Zug auf der Linie RE2/RE9/RB83 von Göttingen/Erfurt/Halle über Neu-Eichenberg und Hann. Münden nach Kassel eingesetzt. Er soll im 30-Minuten-Takt zwischen 4.30 Uhr und 8.30 Uhr an allen Stationen zwischen Neu-Eichenberg und Kassel halten. Zudem wird eine Fahrt von Neu-Eichenberg nach Eschwege verschoben, damit alle Schulstandorte rechtzeitig erreicht werden.

Das sind bisherigen Erweiterungen bei den Buslinien:

- Im Dezember 2018 wurde die Linie 230 von Eschwege über Wanfried nach Mühlhausen um tägliche abendliche Fahrten ergänzt.

- Seit Dezember 2019 gibt es zusätzliche abendliche Fahrten jeden Tag auf der Linie 210 von Helsa über Großalmerode nach Witzenhausen.

- Seit Dezember 2019 fährt die Linie 200 von Eschwege über Waldkappel nach Hessisch Lichtenau montags bis freitags im Stundentakt.

- Seit Dezember 2019 fährt die Linie 240 zwischen Eschwege und Sontra-Wichmannshausen montags bis freitags stündlich und jeden Tag bis nach 22 Uhr.

Das sagen die Grünen

Der Vorstoß von Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, den Benzinpreis bis 2025 um 16 Cent je Liter erhöhen zu wollen, hat teils für Empörung gesorgt. Sie hat angekündigt, die Benzinpreise bis 2023 um 16 Cent je Liter zu erhöhen. Felix Martin, Sprecher des Grünen-Kreisvorstands, erklärt, dass die Grünen zur Umsetzung der Klimaziele die CO2-Preis-Erhöhung um zwei Jahre vorziehen wollen. Die von der aktuellen Bundesregierung beschlossene Steigerung des Benzinpreises würde mindestens 15,5 Cent bis 2025 betragen. CDU und SPD würden jetzt so tun, „als hätten sie nichts damit zu tun“.

Felix Martin, Sprecher des Grünen-Kreisvorstands, erklärt dazu, es brauche höhere Investitionen in Erneuerbare Energien, bessere Bus- und Bahnverbindungen, kluge Anreize für Wirtschaft und Verbraucher und einen höheren CO2-Preis, um die Klimaziele zu erreichen. „Das hat die Bundesregierung auch verstanden und eine Steigerung des Benzinpreises um mindestens 15,5 Cent bis 2025 beschlossen.“

Mobilität müsse, so Martin, künftig klimafreundlicher gestaltet werden. „Mit dem Job-Ticket und dem Azubi-Ticket und der Vision des günstigen Bürger-Tickets für alle sind wir in Hessen damit auf einem guten Weg.“ Zudem brauche es mehr Bus- und Bahnverbindungen. Diese sollten so günstig, attraktiv und verlässlich sein, dass mehr pendelnde Menschen umsteigen können. Dazu müssten dringend neue Antriebstechnologien entwickelt werden.

Alle Erhebungen zeigen laut Martin, dass Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen wenig CO2 produzieren. Sie würden von Ausgleichsmaßnahmen besonders profitieren und könnten sogar mit mehr Geld rechnen. Die Grünen wollen die Einnahmen durch den höheren CO2-Preis über eine niedrigere EEG-Umlage und ein Energiegeld in Höhe von 75 Euro pro Jahr und Person an die Menschen zurückgeben. „Das Energiegeld gilt auch für Kinder, weshalb Familien besonders profitieren.“ (Nicole Demmer)

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