Automobil-Händler sehen Umweltbonus als Grund für Boom

E-Autos sind im Werra-Meißner-Kreis jetzt stärker gefragt

Ein Elektroauto des Typs BMW i3 lädt in Stuttgart an einer Stromtankstelle.
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Ohne Stromtankstelle kommt kein Elektroauto weiter.

17 Elektroautos fuhren 2015 durch den Werra-Meißner-Kreis, 2018 waren 55 zugelassen – von 61 500 Privatfahrzeugen insgesamt. Da sei „noch Luft nach oben“, kommentierte der damalige Klimaschutzmanager des Landkreises. Und heute?

Werra-Meißner – 212 E-Autos weist der Fahrzeugbestand an Werra und Meißner mit Stichtag 6. Oktober aus, zudem 566 mit Hybridantrieb, also mit Elektromotor mit einem anderen Kraftstoff zur Energieerzeugung. Die Zahl der zugelassenen Pkw insgesamt ist derweil auf 63 318 (Stand: 12. Oktober) geklettert.

Die prozentual betrachtet enorm gestiegene Nachfrage nach Elektroautos, deren Anteil am Gesamtbestand aber nach wie vor als sehr gering zu bezeichnen ist, setzte in diesem Jahr erst ein. Konkret seit Juni, hat zumindest Geschäftsführer Axel Vogelei vom gleichnamigen Autohaus in Witzenhausen festgestellt. Seither seien 30 Prozent aller verkauften Fahrzeuge E-Autos, sagt Vogelei, der seit 2012 für Renault Elektroautos verkauft.

Auslöser für den Boom sei der Zuschuss vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), der in Höhe von 6000 Euro als Teil des Corona-Konjunkturpakets bis Ende kommenden Jahres gezahlt werde.

Ähnlich gut läuft das Geschäft mit E-Autos in den Autohäusern von Jörg Heidenreich in Witzenhausen und Eschwege. Beim neuen Opel-Mokka zum Beispiel verkaufe man momentan rund die Hälfte dieses Modells als „e“- Variante. Geschäftsführer Heidenreich schätzt, dass sein Unternehmen 2020 bezogen auf das Gesamtvolumen weit mehr als zehn Prozent aller Neu-Fahrzeuge mit „Stecker“ verkaufe – also Elektro- und Hybrid-Autos. Die Innovationsprämie spielt nach seiner Ansicht die entscheidende Rolle für den Boom. Sie mache E-Mobilität „leistbar“.

Die Kaufanreize in Form des Umweltbonus trügen auch dazu bei, sehen es Torsten Baum, der Assistent der Geschäftsleitung der Autohäuser Stöber (Volkswagen, Audi, Skoda), und Verkaufsleiter Hubert Deiß etwas differenzierter. Voll bestätigen sie dagegen, dass die Nachfrage nach E-Autos auch bei ihnen deutlich zugenommen habe: „Unser Probefahrt-Fahrzeug wird täglich gebucht.“ 

„Im Moment bezieht sich jede zweite Neuwagenanfrage auf ein Modell mit E-Antrieb, sage Torsten Baum, und Hubert Deiß. Bei der Beratung der Interessenten gehe es insbesondere auch um die Lade-Infrastruktur und die Reichweite. Viele Interessenten, haben sie festgestellt, hätten sich bereits vorab online informiert. Am wichtigsten sei, so Baum und Deiß, „die Probefahrt und damit das Erfahren der Elektro-Mobilität“.

In den Autohäusern von Jörg Heidenreich (Opel und Hyundai) besteht ein höherer Beratungsbedarf bei E-Autos, wie er sagt. Das reiche von der Technik der Fahrzeuge über die Fördermöglichkeiten bis hin zur Lade-Infrastruktur.

Axel Vogelei vom gleichnamigen Autohaus in Witzenhausen (Renault) pflichtet ihm bei: Man müsse genau prüfen, wie die Kunden ihr Auto nutzen werden, wie viel sie fahren wollen und wo sie es aufladen können.

„Die Kunden bei uns im ländlichen Raum werden überwiegend zuhause an der eigenen Stromquelle laden,“ sagt Torsten Baum von den Autohäusern Stöber. Daher sehe man das Angebot „aktuell als ausreichend an“. Außerdem hat das Unternehmen Stöber bereits seit 2014 mehrere öffentliche Ladestationen im Außenbereich, die zudem zu 100 Prozent aus nachhaltiger Energie betrieben würden. Damit sei man der Erste im Werra-Meißner-Kreis gewesen, der eine solche Ladesäule anbot.

Axel Vogelei meint dagegen, dass bei der öffentlichen Lade-Infrastruktur „deutlich nachgebessert werden“ müsse. In Witzenhausen gebe es nur wenige öffentliche Säulen, die Ladestellen an den Supermärkten (Lidl und künftig auch Aldi) seien vor allem für eine kurze Nutzung vorgesehen.

Auch Jörg Heidenreich findet, dass da noch „eindeutig die Politik gefordert“ sei. Denn sie erzwinge mit der Festsetzung der Rahmenbedingungen – konkret die Reduktion der CO2-Emissionen um 50 Prozent seitens der EU – künftig „einen rechnerisch notwendigen Anteil von 60 Prozent E-Mobilität“. Allerdings gebe es im ländlichen Raum immerhin „sehr gute Möglichkeiten, private Lade-Infrastruktur aufzubauen“, weil viele Autofahrer Eigentum hätten. In Großstädten, wo man auf öffentliche Ladestationen angewiesen sei, sei das deutlich schwieriger.

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