An der Bahnstrecke: Bäume schweben über Witzenhausen

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Witzenhausen. Eine Spezialfirma hat Gefahrbäume an der Bahnstrecke am Bahnhof Nord in Witzenhausen gefällt und ausgeflogen.

Rotoren-Geknatter über Witzenhausen - im Drei-Minuten-Takt fliegt der schwarz-gelbe Helikopter mit ungewöhnlichem Gepäck hin und her. Am langen Seil transportiert er Baumstämme von den Bahngleisen beim Bahnhof Nord zur einige hundert Meter entfernten Wiese inmitten der Kirschplantagen oberhalb von Witzenhausen. Sinn der ungewöhnlichen Aktion: am Dienstag und Mittwoch rund 120 so genannte Gefahrbäume direkt neben der Bahnstrecke entfernen.

Für die Variante habe man sich entschieden, da die Bäume an einem Steilhang direkt neben der Bahnstrecke stehen, ohne Möglichkeit, diese vor Ort zu lagern, erklärt Diplom-Forstwirt Dieter-Johannes Raffel, Sachbearbeiter Projekte bei der Bahn. Vom Boden aus würde es zwei bis drei Wochen dauern, die Bäume zu fällen und abzutransportieren. Vom Kostenaufwand sei dies ähnlich wie nun der Einsatz des Helikopters, der 200 Euro pro Flug kostet.

Eine Spezialfirma fällte die Bäume an der Bahnstrecke am Bahnhof Nord.

Daher ging der Auftrag an die Schweizer Spezialfirma Rotex Helicopter. Sechs Personen sind insgesamt im Einsatz, um die Gefahrbäume zu fällen, am Helikopter zu verankern und am Abladeplatz ordentlich zu stapeln. Das Ganze, während der normale Schienenverkehr nebenbei auf den Gleisen unterwegs ist. Vier Züge passieren die Einsatzstelle stündlich. Dann heißt es für den Helikopter: In der Luft bleiben und für die Arbeiter, ihr Handwerk einzustellen, bis die Strecke wieder frei ist.

„Wir haben die Sperrpausen so eingerichtet, dass es klappt“, berichtet Jens Sauerbrei, Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn. Sobald ein Zug kommt, erhält der Helikopter-Flieger diese Information per Funk und nimmt keinen Baum auf. Eine Menge Logistik steckt dahinter, um weder die Arbeiter, noch den laufenden Zugverkehr zu gefährden.

Mit dem Einsatz verhindern sie, dass zum Beispiel ein Baum bei Unwetter in die Oberleitungen fällt, so Sauerbrei. Im schlimmsten Fall kollidiere dann ein Zug mit dem Baum und Menschenleben würden gefährdet. Aber auch nur die Oberleitung wieder in Stand zu setzen und den Zugverkehr umzuleiten, schlage mit gut 20.000 Euro zu Buche.

Rund ein halbes Jahr Vorarbeit leisteten Sauerbrei und die Bahn-Mitarbeiter, bevor der Helikopter kommen konnte. So ging Baum-Experte Simon Lammes zum Beispiel das gesamte Areal ab und markierte sturzgefährdete Bäume. Danach wurden die notwendigen Arbeiten mit der Unteren Naturschutzbehörde besprochen.

Das einzige Restrisiko für den Helikoptereinsatz war dann nur noch die Sicht, so Sauerbrei. Da das Wetter aber mitspielt, steht den Flügen mit hölzerner Fracht nichts im Weg.

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